vicino – ältere Migrantinnen und Migranten im Quartier

Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt vicino geht der Frage nach, wie ältere Migrantinnen und Migranten im Quartier vernetzt sind und mit welchen partizipativen Methoden ihre bestehenden sozialen Netze gestärkt und sie selbst vermehrt in Angebote einbezogen werden können. Das Projekt ist eine Kooperation der Pro Senectute der Kantone Zürich und Aargau sowie des Departements Soziale Arbeit der ZHAW.

Zwei ältere Herren, die sich über einen Gartenzaun hinweg miteinander unterhalten

Ausgangslage

Soziale Netzwerke in der Nachbarschaft als Quelle sozialer Unterstützung gewinnen für die Anwohnerinnen und Anwohner mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Die Lebenssituation von älteren Migrantinnen und Migranten im Wohnquartier wurde bisher nur am Rande erforscht. Auch Projekte zu Stärkung der sozialen Integration von älteren Personen mit Migrationshintergrund innerhalb von Quartieren gibt es erst wenige.

Ziel

Ziel des Projekts ist es, einen Leitfaden für die partizipative Einbindung von Migrantinnen und Migranten im Quartier zu erstellen. Die Förderung der sozialen Unterstützung in der Nachbarschaft soll eine hohe Lebensqualität im Quartier sicherstellen, und es soll erreicht werden, dass ältere Migrantinnen und Migranten länger selbständig zu Hause leben können. Zudem möchte das Projekt Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis stärken und innovative Forschungszugänge mit Interventionen verknüpfen.

Methodik

Das Projekt besteht aus einem Forschungs-, einem Interventions- und einem Entwicklungsteil.

Im Forschungsteil wird die transnationale Vernetzung sowie die soziale Integration und der Vernetzungsbedarf der älteren Migrantinnen und Migranten im Quartier erfasst und untersucht, ob sich dieser zwischen ländlichen und städtischen Regionen unterscheidet. Als Untersuchungsfelder wurden Zürich-Altstetten (städtischer Kontext), Uster (Agglomerationsgemeinde) und Reinach im Kanton Aargau (ländliche Gemeinde) ausgewählt.

Im Integrationsteil werden gemeinsam mit der Zielgruppe Interventionsideen zur Stärkung und Erweiterung der sozialen Netze von älteren Migrantinnen und Migranten entwickelt, umgesetzt und das partizipative Vorgehen wissenschaftlich evaluiert.

Im Entwicklungsteil geht es darum, die Erkenntnisse aus den beiden ersten Projektteilen in einem Leitfaden für Fachleute aus dem Alters- und Migrationsbereich zu bündeln. Der Leitfaden soll interessierten Fachleuten und Migrantenorganisationen bei der Weiterentwicklung von Angeboten nützlich sein.

Ergebnisse

Formelle und informelle nationalitäten- bzw. sprachspezifische Netzwerke sind namentlich für Personen ohne gute Kenntnisse der Landessprache wichtig: Sie übernehmen Aufgaben wie die Organisation von Veranstaltungen und sind zentral bei der Betreuung und Beratung älterer Personen. Kleinere Gemeinden und ländliche Regionen haben im Gegensatz zu Städten diesbezüglich kein breites Angebot: Regelstrukturen sind dort deshalb besonders gefordert, aktiv auf ältere Migrantinnen und Migranten zuzugehen und sie in die Angebotsgestaltung einzubinden. Dass diese zum Teil häufig in ihren Herkunftsländern weilen, gilt es dabei zu berücksichtigen. Bei der Ansprache der Zielgruppe erwiesen sich zugehende Ansätze als erfolgreich: Erstkontakt über Schlüsselpersonen, Veranstaltungen in ihren eigenen Strukturen und in ihrer Muttersprache sowie informelle Treffpunkte für die Kontaktaufnahme.

Leitfaden für Verantwortliche im Alters- und Migrationsbereich

Projektleitung

Leiterin Forschungsteil ZHAW, Departement Soziale Arbeit

Projektteam

Projektdauer

August 2013 - Juni 2015

Weitere Informationen

Auftraggeber

Heinrich und Erna Walder-Stiftung