Mobiles Einkaufen steht in der Schweiz erst am Anfang

Über die Hälfte der Schweizer Detailhändler bietet noch keine mobilen Einkaufsmöglichkeiten über Smartphones an. Dies, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre. Eine aktuelle Studie der ZHAW School of Management and Law im Auftrag von smama, the swiss mobile association, zeigt mögliche Gründe auf.

Mobile Payment
Fotograf: Richard Tanzer

Musik, Bahn- oder Flugtickets, Lebensmittel, Bücher oder Schuhe – Schweizerinnen und Schweizer kaufen bereits heute für über fünf Milliarden Franken online ein, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK zeigt. Ein immer grösserer Teil dieses Umsatzes erfolgt über mobile Endgeräte. Bisher bieten aber erst grosse Firmen wie Apple, Swisscom, Amazon, Migros, Coop, SBB oder Swiss etablierte Lösungen im Bereich Mobile Commerce an. In der breiten Geschäftswelt ist mCommerce noch nicht angekommen, wie eine aktuelle Studie der ZHAW School of Management and Law (SML) zeigt.

Fehlendes Know-how
Im Auftrag von smama, the swiss mobile association, hat das Institut für Marketing Management der SML 1250 Personen aus Deutschschweizer Detailhandelsunternehmen befragt. Über die Hälfte der Befragten lehnte eine Teilnahme an der Studie ab, weil in ihrem Unternehmen keine Aktivitäten im Bereich mCommerce vorhanden sind. «Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden gaben in der Selbsteinschätzung an, dass ihre Unternehmen bezüglich mCommerce noch ganz am Anfang stehen», sagt Studienleiter Sandro Graf. «Als Grund geben die meisten Befragten fehlenden Marktdruck, fehlende Nachfrage und fehlendes Know-how an.»

Dabei wäre die Nachfrage nach mobilen Einkaufs- und Bezahllösungen durchaus vorhanden. 2013 zeigte Google in der Studie «Der mobile Nutzer», dass 36 Prozent der Smartphone-Nutzenden Produkte oder Dienstleistungen über ihr Smartphone erwerben. Dieser Trend dürfte sich noch weiter verstärken. Die Verkaufszahlen von Smartphones im letzten Weihnachtsgeschäft und die aktuellen Neuerscheinungen mobiler Geräte lassen erwarten, dass 2016 gegen 100 Prozent aller Mobilfunknutzenden in der Schweiz ein Smartphone verwenden werden.

Geschäftsmodelle sind gefährdet
«Einige erfolgreiche Geschäftsmodelle sind bereits am Markt etabliert und zahlreiche weitere Firmen positionieren sich erfolgsversprechend», sagt smama-Vorstandsmitglied und Fachgruppenleiter mCommerce Tobias Wirth. «In-Store Mobile Payment, Showrooming, Couponing, Order Advance oder Shop Apps sind nur einige aktuelle Trends.» Gleichzeitig habe mCommerce erhebliche Auswirkungen auf bestehende Vertriebswege, Kundenbindung und Marketing. «Geschäftsmodelle, die den neuen Entwicklungen nicht Rechnung tragen, sind gefährdet», so Wirth. Die Befragten geben der In-Store Mobile Payment-Lösung Apple Pay die grössten Erfolgschancen, vor Google, Samsung Pay und Twint.

42 Prozent der befragten Unternehmen generieren mehr als 50 Millionen Franken Umsatz und 67 Prozent beschäftigen 50 bis 249 Mitarbeitende. Knapp ein Viertel der Befragten erwartet eine Steigerung des Umsatzes im Mobile-Commerce-Bereich. In der Studie wird der Reifegrad auf Unternehmens-, Kunden- und Angebotsebene untersucht, sowie der Point of Sale und Best-Practice-Beispiele. Der Aufbau der Studie erlaubt weiterführende Analyseformen wie ein Benchmarking von einzelnen Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz und kann auf weitere Branchen ausgedehnt werden. smama und die SML werden die Studie ab jetzt jährlich durchführen.

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Kontakt:
ZHAW School of Management and Law, Institut für Marketing Management,
Corinne Scherrer, Telefon 058 934 60 24, E-Mail: corinne.scherrer@zhaw.ch

smama the swiss mobile association,
Tobias Wirth, Telefon 079 792 53 52, E-Mail: tobias@smama.ch

Medienstelle:
ZHAW School of Management and Law, Kommunikation,
Florian Wehrli, Telefon 058 934 71 14, E-Mail: florian.wehrli@zhaw.ch