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Mehr Patientenzufriedenheit und bessere Prozesse dank Task Shifting

Task Shifting, die Übertragung bestimmter Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten auf andere Gesundheitsfachpersonen, kann Prozesse vereinfachen und die Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten erhöhen. Das zeigt eine neue Studie der ZHAW im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit.

Die Übertragung ausgewählter ärztlicher Aufgaben auf andere Gesundheitsfachpersonen («Task Shifting») leistet einen Beitrag zur Verbesserung von Prozessen im Gesundheitswesen. Sie wirkt sich zudem positiv auf die Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten aus. Zu diesen Resultaten kommt eine Studie der ZHAW School of Management and Law und des ZHAW-Departements Gesundheit. Sie basiert auf Befragungen und Interviews sowie auf der Analyse von drei Fallbeispielen in der Praxis. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit BAG durchgeführt.

Direktere Kontakte und mehr Kontinuität

Ein Beispiel von Task Shifting ist, wenn Ärztinnen und Ärzte in einem Spital die Ausführung einzelner medizinischer Standardaufgaben an speziell qualifizierte Fachpersonen aus der Pflege (Klinische Fachspezialisten) oder der Physiotherapie delegieren, wie das Führen von Austrittsgesprächen nach einem stationären Aufenthalt oder von Sprechstunden zur Verlaufskontrolle nach einem orthopädischen Eingriff. «Klinische Fachspezialisten mit erweitertem Aufgabengebiet etwa können in einem solchen Modell als eine Art ‹Case Manager› fungieren. Sie stellen einen intensiveren Kontakt und mehr Kontinuität in der Betreuung sicher. Das schätzen die befragten Patientinnen und Patienten», sagt Studienleiter Florian Liberatore. Die stärkere Kontinuität führt zudem zu reibungsloseren und einfacheren Prozessen, etwa indem die Klinischen Fachspezialisten als zentrale Ansprechperson fungieren, sowohl für Patientinnen und Patienten, Angehörige als auch Fachpersonen. Ein weiteres Beispiel von Task Shifting ist die Abgabe bestimmter verschreibungspflichtiger Medikamente durch Apothekerinnen und Apotheker, die seit der Revision des Heilmittelgesetzes 2019 möglich ist. Das trägt zu einer erleichterten Medikamentenversorgung für die Bevölkerung bei.

Keine Kosteneinsparungen

Auf wirtschaftlicher Ebene hat Task Shifting in den untersuchten Fallbeispielen dagegen keine signifikanten Auswirkungen: Es resultieren insgesamt kaum Kosteneinsparungen, weder innerhalb der einzelnen Gesundheitsinstitutionen noch im Gesundheitssystem als Ganzem. Task Shiftings führt zudem nur bedingt zur Entlastung von Ärztinnen und Ärzten. Denn der Arbeitszeit, die durch die Übertragung von Aufgaben frei wird, steht der zusätzliche Abstimmungs- und Koordinationsbedarf für das Task Shifting gegenüber. Zentrale Grundlage für eine erfolgreiche Implementierung ist weiter eine gut funktionierende interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren. «Herausfordernd kann dabei der Umgang damit sein, wenn Rollen- und Kompetenzverteilungen beim Task Shifting unklar sind», erklärt Liberatore.

Neben der Analyse der Auswirkungen von Task Shifting haben die Studienautorinnen und -autoren verschiedene Handlungsempfehlungen in Bezug auf die längerfristige Umsetzung solcher Modelle erarbeitet. Dazu gehört die Prüfung angepasster Abrechnungsmöglichkeiten in den Tarifsystemen, etwa um die Arbeit der Gesundheitsfachpersonen mit erweiterten Rollen zu entgelten. Zudem sollten passende Aus- und Weiterbildungsangebote weiterentwickelt werden.

Interdisziplinäre Analyse

Die Studie «Task Shifting in der interprofessionellen Zusammenarbeit» hat das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW School of Management and Law zusammen mit dem Institut für Physiotherapie und der Fachstelle Interprofessionelle Lehre und Praxis am ZHAW-Departement Gesundheit erarbeitet. Das Projekt ist Teil des Förderprogramms «Interprofessionalität im Gesundheitswesen» des BAG und wurde durch dieses finanziert. Die Forschenden haben für die Studie zwei Task-Shifting-Fallbeispiele am Kantonsspital Winterthur sowie die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch Apothekerinnen und Apotheker untersucht. Dabei führten sie Interviews, Expertenworkshops, Umfragen und betriebswirtschaftliche Analysen durch. Die Untersuchung fand im Zeitraum zwischen Oktober 2018 und Mai 2020 statt.

Kontakt

Florian Liberatore, ZHAW School of Management and Law, Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie, Telefon 058 934 70 35, E-Mail: florian.liberatore@zhaw.ch

Juerg Hostettler, ZHAW School of Management and Law, Leiter Kommunikation, Telefon 058 934 66 63, E-Mail: juerg.hostettler@zhaw.ch