Eingabe löschen

Kopfbereich

Schnellnavigation

Hauptnavigation

Interview mit Christian Olivier Graf

Eine Managementweiterbildung – mehr Schein als Sein?

Das International Management Institute der ZHAW School of Management and Law bietet Weiterbildungen im Bereich Business Administration an. Christian Olivier Graf ist der Studiengangleiter des MAS Business Administration.

Herr Graf, haben wir einen Weiterbildungsdschungel?

Es scheint in der Tat so, dass der Bedarf an Weiterbildungen stetig zunimmt und es immer schwieriger wird, den Überblick zu behalten. Es widerspiegelt ebenso das Bedürfnis, dass wir uns als Wissensgesellschaft weiterentwickeln wollen.
Ein Bericht des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass rund 63% der Schweizer Bevölkerung im 2016 eine Weiterbildung besucht haben. Wirtschaft war mit 24% das häufigste Thema der besuchten Weiterbildungen.

Besteht bei den Managementweiterbildungen ein Verdrängungskampf?

Ob Universität, Fachhochschule, höhere Fachschule oder private Anbieter, alle haben das Recht in einer freien Marktwirtschaft Wissen anzubieten und zum Wohle der gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen. Wenn aber Elitarismus und unseriöse Angebote, statt Bodenständigkeit und Qualität die Treiber  von Managementprogrammen sind, dann bauen wir meiner Ansicht nach auf Sand für die Zukunft unserer nachfolgenden Generation.

Wie meinen Sie das?

Betrachten wir den Hype um MBA-Programme: Lange waren diese nur für gewisse Personen zugänglich, und mit dem Abschluss symbolisierte man den ultimativen intelligenten Manager. Ein Managementprogramm ist jedoch erst dann wertvoll und nutzbringend, wenn der Teilnehmende sein erlerntes Wissen am nächsten Tag in seinem Beruf erfolgreich umsetzen kann, sei es als selbständiger Unternehmer oder als Führungskraft in einem Unternehmen. Der Preis und bestimmte Zugangskriterien eines Programmes sind nicht zwingend ausschlaggebende Garanten, um die Teilnehmenden zu verantwortungsvollen Leistungsträgern weiterzuentwickeln.


Wie definieren Sie Qualität in diesem Kontext?

Ich glaube, die wichtigste Determinante sind die Dozierenden. Das eigene Fachwissen vorzutragen genügt heute nicht mehr. Es braucht zusätzlich eine geschulte Didaktik und eine ehrliche Freude, Menschen in ihren Kompetenzen zu fördern. Bei aller Professionalität der Dozierenden und des Bildungsinstitutes muss der Teilnehmende aber selbst den eigenen Nährboden beackern mit Neugierde, Wille und Freude am Lernen.

Ist die Skepsis von Unternehmen berechtigt, ihre Mitarbeitenden in Management-Programme zu schicken?

Ja und Nein. Ich habe Verständnis bei kleinen Organisationen, die nur über beschränkte Ressourcen verfügen. Die Kompetenz- und Wissenssteigerung des Mitarbeitenden wird auch kaum in konkreten Zahlen in einer Firmenbuchhaltung abgebildet. Nach meinen Beobachtungen wird auch selten eine separate Wissensbilanz geführt, und der konkrete Know-how-Verlust bei einer Mitarbeiterfluktuation selten berechnet.

Weshalb sollten Unternehmen einen Mitarbeitenden in eine Weiterbildung schicken?

Wenn beispielsweise der Mitarbeitende die Fähigkeit erwirbt, ein Problem richtig zu analysieren und brauchbare Lösungen zu entwickeln, kann der Arbeitgeber bereits einen Gewinn verbuchen. Dies ist jedoch nur mit einem professionellen Bildungspartner möglich, der die verschiedenen Kompetenzen entwickeln kann.  Eine wichtige Frage ist zudem, was die Unternehmen konkret machen, sobald jemand sein Diplom in der Hand hält. Wird dieses neu erworbene Wissen geschickt in die Organisation eingeflochten oder gratuliert man einfach nur zum Abschluss?

Wie sehen Sie die Zukunft für die Managementweiterbildung?

In Zukunft wird es neue Arten von Weiterbildungsmodellen geben, bei denen auch die Technologie eine wichtige Rolle spielen wird. Erste Anzeichen sind bei den internationalen Edutech-Messen erkennbar. Einige Grossunternehmen bauen bereits ihre internen Bildungszentren auf einem bemerkenswert hohen Niveau auf. Neue Zusammenarbeitsformen zwischen Organisationen und Bildungsinstitutionen sind deshalb gefragt, um die zukünftigen Herausforderungen, auch im internationalen Umfeld, gemeinsam zu bewältigen.

Management-Weiterbildung an der ZHAW