Studie im Auftrag von aee suisse

Aktuelle Vorschläge zum Strommarkt: Inwiefern werden damit die erneuerbaren Energien gefördert?

Mit Annahme des neuen Energiegesetztes durch das Stimmvolk im Mai 2017, treten ab 2018 verschiedene Änderungen im schweizerischen Strommarkt in Kraft. So wird die bisherige Kostendeckende Einspeisevergütung KEV für Strom aus erneuerbaren Energien durch ein Einspeisevergütungssystem mit Direktvermarktung abgelöst. Ebenso können bestehende Wasserkraftwerke, die Strom unter den Gestehungskosten verkaufen, eine Marktprämie von maximal einem Rappen pro Kilowattstunde beantragen.

Diese Unterstützungsmassnahmen sind allerdings zeitlich beschränkt, indem die Marktprämie nur für fünf Jahre gilt und nach 2022 keine neuen Anlagen mehr ins Einspeisevergütungssystem aufgenommen werden.

In diesem politischen Umfeld haben die drei grossen Stromkonzerne Alpiq, Axpo und BKW folgende Vorschläge zur längerfristigen Neugestaltung des Strommarktes in die Diskussion eingebracht.

  • «Vorschlag Alpiq» Befristete Grundversorgungsprämie GVP:
    Die bestehenden defizitären Wasserkraftwerke werden jährlich mit zusätzlich rund 500 Millionen Franken unterstützt, welche über einen Stromzuschlag bei den gebundenen Kunden von rund 1.5 Rappen pro Kilowattstunde finanziert wird.
  • «Vorschlag Axpo» Versorgungs- und Klimamarktmodell VKMM:
    Das VKMM soll die GVP mittelfristig ablösen. Dabei wird auf dem gesamten importiertem und im Inland nicht CO2-frei produzierten Strom ein CO2-Zuschlag erhoben. Der Zuschlag wird durch die Differenz des Abgabesatzes der schweizerischen CO2-Abgabe und dem Preis für europäische CO2-Emissionsrechte, umgerechnet auf die durchschnittliche CO2-Intensität des europäischen Stroms (aktuell 260 Gramm pro Kilowattstunde), bestimmt. Dadurch erhöht sich der Erlös für Strom, der CO2-frei in der Schweiz produziert wird, in Importmonaten um diesen Zuschlag.
  • «Vorschlag BKW» Kapazitätsmarkt mit Verfügbarkeitsauktion:
    Es wird ein technologieneutraler Kapazitätsmarkt für die Wintermonate eingeführt, wobei die einzelnen Technologien entsprechend ihrer durchschnittlichen Winterproduktion im Vergleich zum theoretischen Maximum der installierten Leistung mit einem so genannten De-Rating abgewertet werden. Zusätzlich soll eine Verfügbarkeitsauktion, z.B. für die permanente Stromlieferung während zehn Tagen im April dafür sorgen, dass in Zeiten, in denen die Speicherseen ihren Tiefststand erreichen, genügend Energiereserven zur Verfügung stehen.

Das Zentrum für Energie und Umwelt untersucht, inwiefern diese drei Vorschläge zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien beitragen und ob sie eventuell die bestehenden und zeitlich beschränkten Fördermassnahmen ersetzen können.

Grundsätzlich ist dazu festzuhalten, dass die drei Vorschläge m.E. darauf abzielen, die Produktionskapazität im Inland generell zu erhalten bzw.  auszubauen – und dabei die finanziell angeschlagenen EVU zu unterstützen. Das ist nicht gleichzusetzen mit der direkten Förderung von erneuerbaren Energien. Deshalb kann auch nicht erwartet werden, dass diese Vorschläge zu einem zielgerichteten Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien führen.

Ende Januar 2018 werden die Ergebnisse der Studie an einem «Energiegipfel» mit Interessenvertretern der Strombranche diskutiert. Der Schlussbericht der Studie soll Ende Februar 2018 verfügbar sein.