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MIKE-Studie: Kinder ziehen Musik und Fernsehen dem Internet vor

In ihrer Freizeit spielen Schweizer Kinder im Primarschulalter am liebsten und treiben sehr gerne Sport, wie die MIKE-Studie der ZHAW zeigt. Zudem hören sie häufiger Musik, schauen öfters fern oder lesen mehr als sie im Internet surfen. Eltern sorgen sich vor allem wegen möglicher pornografischer oder gewalttätiger Internetinhalte.

Grafik mediale Freizeitaktivitäten der Kinder
Grafik mediale Freizeitaktivitäten von Kindern und Eltern im Vergleich
Rangliste Freizeitaktivitäten von Kindern
Grafik Geräteverfügbarkeit von Kindern im eigenen Zimmer
Grafik nonmediale Freizeitaktivitäten von Kindern

Trotz Smartphones, Tablets & Co. sind Spielen und Sport bei Kindern populär. Dies zeigt die erstmals durchgeführte MIKE-Studie. MIKE steht für Medien, Interaktion, Kinder, Eltern und beleuchtet das Mediennutzungsverhalten von Kindern in der Schweiz. Dazu befragte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW mit finanzieller Unterstützung der Jacobs Foundation über 1000 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren sowie rund 650 Eltern in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz. Die MIKE-Studie ist der kleine Bruder der ebenfalls von der ZHAW durchgeführten JAMES-Studie, die auf den Medienumgang von Jugendlichen im Alter von
12 bis 19 Jahren fokussiert.

Fernsehen und Musikhören hoch im Kurs

Auch im Internetzeitalter sind Fernsehen zusammen mit Musikhören die am häufigsten ausgeübten medialen Tätigkeiten der Schweizer Kinder: 80 Prozent hören mindestens einmal pro Woche Musik oder schauen fern, gefolgt von Bücherlesen (70 %) sowie Gamen (61 %). Im Alltag der Kinder spielen aber vor allem die täglich wiederkehrenden Aktivitäten eine wichtige Rolle: «Am häufigsten hören Kinder Musik, sehen fern und lesen Bücher. Die Generation Touchscreen ist bisher mehr Mythos als Realität» wie ZHAW-Forscher und Professor für Medienpsychologie Daniel Süss erläutert. Fast die Hälfte hört fast täglich Musik. 42 Prozent schauen jeden Tag fern, im Durchschnitt eine dreiviertel Stunde lang. Und 37 Prozent der Kinder lesen täglich durchschnittlich rund eine halbe Stunde. Gleich lang gamen ein Viertel der Kinder täglich.

Spielen und Sport häufigste nonmediale Aktivitäten

Spielen und Sport sind bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren nicht nur am beliebtesten – noch vor medialen Aktivitäten wie Fernsehen, Gamen, Lesen und Musik –, sie werden auch häufiger ausgeübt: In ihrer Freizeit spielen 89 Prozent mindestens einmal pro Woche drinnen oder draussen, 79 Prozent treiben mindestens wöchentlich Sport, etwa gleich viele treffen wöchentlich Freunde oder unternehmen etwas mit der Familie. Zuoberst stehen jedoch die Hausaufgaben: Fast alle erledigen diese mindestens einmal oder mehrmals pro Woche, vier von fünf Kindern jeden Tag. „Die MIKE-Studie zeigt, dass Schweizer Kinder nicht zu der oft diagnostizierten Generation gehören, die keine Freizeitaktivitäten mehr ausübt und den ganzen Tag vorm Fernseher sitzt oder auf dem Smartphone tippt. Das ist eine gute Nachricht. Und doch bestimmt der Umgang mit Medien immer mehr den Alltag von Kindern. Daher gehört das Thema Medienkompetenz überall auf die Agenda: in Familien, Schulen und natürlich auch in der Politik“, sagt Simon Sommer, Leiter Forschung der Jacobs Foundation.

Digitale Medien erst später auf dem Vormarsch

Am stärksten verändert sich mit zunehmendem Alter der Kinder die Nutzung der digitalen Medien: Bereits im Verlauf der Primarschule surfen ältere Kinder häufiger im Netz, nutzen vermehrt Smartphones, knipsen öfters Fotos oder gamen häufiger. Im Jugendalter akzentuiert sich diese Entwicklung zusätzlich.

Sorgenbarometer der Eltern

Beinahe drei Viertel der befragten Eltern sorgen sich beim Medienkonsum ihrer Kinder –
vor allem wegen möglicher pornografischer oder gewalttätiger Internetinhalte. Kinder im Primarschulalter machen jedoch mehr negative Erfahrungen beim Fernsehen als im Internet. Beim Fernsehen wurden 60 Prozent schon einmal verängstigt. Zum Vergleich: Bei Internetinhalten hatten nur 30 Prozent schon mal Angst. Insgesamt machen Kinder aber mehr positive als negative Erfahrungen mit Medieninhalten. So haben 93 Prozent schon Dinge im Fernsehen gesehen, die sie fröhlich gestimmt haben. Weiter sorgen sich Eltern wegen der Unklarheit ihrer Rolle, sozialer und emotionaler Auswirkungen des Medienkonsums ihrer Kinder sowie dessen Nutzungsdauer und Suchtpotential.

Wenig Geräte im Kinderzimmer

In den meisten Schweizer Haushalten mit Kindern gehören Smartphone, Computer mit Internetzugang sowie Fernsehen zur Standardausrüstung. Im Kinderzimmer selbst sind jedoch weit weniger Geräte vorhanden: An der Spitze liegen mit 41 Prozent Geräte zum Musikhören wie CD-Player, Radio oder MP3-Player. 52 Prozent der Kinder haben ein eigenes Handy. Obwohl viele Kinder das Handy nicht regelmässig nutzen, rangiert es auf Platz eins der beliebtesten Geräte. Auf dem zweiten Platz liegt der Fernseher, gefolgt von Buch und Internet. Das Smartphone übt auf viele Kinder eine Faszination aus: 13 Prozent nutzen es mindestens einmal pro Woche auch dann, wenn sie eigentlich schlafen sollten. Bei den über 10-Jährigen sind es sogar mehr als ein Fünftel.

Setzen Eltern Regeln?

Ein Drittel der Kinder, die ein eigenes Handy besitzen, sagen, dass es keine Regel dazu gibt, was mit dem Handy in der Nacht passiert. Aus Sicht der Eltern sind es allerdings nur halb so viele ohne Regeln. Fast alle Eltern geben zudem an, dass sie zuhause Regeln zur Nutzungsdauer, zum Nutzungszeitpunkt oder Inhalt verschiedener Medien setzen und kontrollieren. Allerdings sehen das nicht alle Kinder genauso. Gemäss Süss könnte diese Kluft damit erklärt werden, dass von Eltern nicht konsequent durchgesetzte Regeln nicht als solche empfunden werden. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass an der Befragung eher Eltern mitgemacht haben, in deren Haushalten es Regeln gibt.

Eltern sind Vorbilder

Drei von vier der befragten Eltern lesen mindestens einmal pro Woche mit ihrem Kind ein Buch, Heftchen oder Comic oder schauen gemeinsam fern. Zusammen gamen tun aber die wenigsten, denn Eltern attestieren dem Gamen einen schlechten Einfluss auf das Kind. Positiv bewerten sie hingegen Bücher und Musik. «Eltern sind auch bei der Mediennutzung Vorbilder und sollten sich dieser Rolle bewusst sein», sagt Süss.

Informationen und Downloads:

Kontakte:
Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an ZHAW Departement Angewandte Psychologie, tanja.vonrotz@zhaw.ch, +41 (0)77 429 72 91

Jacobs Foundation, Medienstelle, alexandra.guentzer@jacobsfoundation.org, +41 44 388 61 06