Diplomfeier Bachelor- und Masterabschluss 2017

Im September haben 77 Studierende ihr Bachelordiplom und 46 Studierende ihr Masterdiplom in Angewandter Psychologie erhalten. Die besten Abschlussarbeiten wurden ausgezeichnet.

Bachelor-Absolventinnen und Absolventen 2017
Bachelor-Absolventinnen und Absolventen 2017
Master-Absolventinnen und Absolventen 2017
Master-Absolventinnen und Absolventen 2017

Am Puls gesellschaftlicher Brennthemen
Herausragende Abschlussarbeiten werden jährlich durch die Stiftung IAP zur Förderung der Angewandten Psychologie sowie den Schweizerischen Berufsverband für Angewandte Psychologie SBAP prämiert. Die diesjährigen Prämierungen gingen an Abschlussarbeiten, die den Puls der Zeit trafen.

Prämierte Bachelorarbeiten

IAP-Preis

1. Preis: Körperliche Aktivität zur Burnout-Prävention - Effekt auf die Burnout-Symptomatik
Von Sarah Müller

Körperliche Aktivität kann gemäss WHO die Stressbewältigung positiv beeinflussen und die Entstehung eines Burnout-Syndroms reduzieren. Die Bachelorarbeit prüfte, ob sich ein Programm zur Bewegungsförderung auch als präventive Massnahme für Burnout eignet. Dazu wurden Daten von 63 Personen untersucht. Die Resultate deuten auf eine mögliche protektive Wirkung von körperlicher Aktivität hin.

2. Preis: Zusammenhänge zwischen Boundary-Typen und deren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit
Von Melanie Dellsperger

Arbeit ist in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts flexibel und digitalisiert. Die Herausforderungen für Arbeitnehmende reichen von flexiblen Arbeitszeiten und -orten, bis zum Umgang mit Grenzen zwischen den Lebenswelten Arbeit und Freizeit. In der Bachelorarbeit wurde untersucht, wie diese Grenzen gestaltet werden und wie sich die Gestaltung auf die Lebenszufriedenheit der Probanden auswirkt. Die Ergebnisse bestätigen die Existenz von integrierenden, segmentierenden und mehreren Mischtypen der Boundary-Typen. Entgegen bisheriger Theorie schätzen sich Integrierende zufriedener ein.

mpw-Preis

Erfassung der dunklen Tetrade bei der Personalselektion
Von Andrea Burkhard-Rentsch

Die Persönlichkeitsaspekte Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus stehen in engem Zusammenhang mit destruktivem Führungsverhalten. In den letzten Jahren hat die sogenannte dunkle Triade zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Diese wurde mit Sadismus zur dunklen Tetrade ergänzt und führte zu einem verbesserten Verständnis über amoralische und antisoziale Persönlichkeitszüge. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurde ein Fragebogen zur Messung der dunklen Tetrade bei der Personalselektion entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass Führungserfahrung teilweise im Zusammenhang mit der dunklen Tetrade steht. Signifikante Unterschiede zu Personen ohne Führungserfahrung traten bei den Skalen Psychopathie und Narzissmus auf. Geschlechtsunterschiede über alle vier Skalen traten auf, wenn man die Gruppe mit Führungserfahrung isoliert betrachtete. Männer wiesen höhere Werte auf als Frauen. Sadismus trat unabhängig von der Führungserfahrung stärker bei Männern auf.

Prämierte Masterarbeiten

  • Resilienz und Kohärenzgefühl von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter
    Von Vera Cajoos und Iseut von Tavel

    Über welche psychische Widerstandsfähigkeit verfügen Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter? Wissenschaft und Praxis interessieren sich zunehmend für den erfolgreichen Umgang mit den stressigen Arbeitsbedingungen. Psychische Widerstandsfähigkeit wird dabei als Resilienz und Kohärenzgefühl gemessen und ihr Zusammenhang mit psychischer Gesundheit, Lebenszufriedenheit und soziodemografischen Merkmalen untersucht. Die Ergebnisse der empirischen Erhebung stehen im Einklang mit der aktuellen Forschung. Sie zeigen auf, dass Rettungskräfte über eine vergleichsweise hohe psychische Widerstandsfähigkeit verfügen und starke Zusammenhänge zwischen der Widerstandsfähigkeit und Gesundheit sowie der Lebenszufriedenheit bestehen. Entgegen der Lehrmeinung wurde kein Anstieg der psychischen Widerstandsfähigkeit mit zunehmendem Alter oder Berufserfahrung gefunden, ebenso wenig wie ein Geschlechterunterschied.
  • Stärken Elternkurse die Erziehungskompetenz?
    Von Manuela Bilger

    Darf man Kinder ohrfeigen? Studien zeigen, dass über die Hälfte der Schweizer Familien Ohrfeigen bei Kindern gutheissen. Was für die Eltern ein vertretbares Erziehungsmittel zu sein scheint, kann für die Kinder allerdings mit negativen Konsequenzen in der Entwicklung verbunden sein. Wesentliche Risikofaktoren für die Anwendung von Gewalt in der Erziehung sind fehlende Handlungsalternativen und Unsicherheiten im Erziehungsalltag. Hier setzen präventive Elternbildungsangebote an. In der Masterarbeit wurde geprüft, ob die Teilnahme an einem Elternkurs tatsächlich zur Verbesserung der elterlichen Erziehungskompetenz führt. Die Ergebnisse zeigen, dass Elternkurse zu kurzfristigen, positiven Veränderungen führen und dabei grosse Effekte auf das Erziehungsverhalten und die elterliche Selbstwirksamkeit haben. Ein Effekt auf das Verhalten des Kindes lässt sich allerdings nicht bestätigen.
  • Elterliche Selbstwirksamkeit von Vätern eines Kindes mit Entwicklungsverzögerung
    Von Theresa Lucia Rösinger

    Die meisten Forschungsarbeiten im Bereich der Frühförderung sind mit Müttern erhoben worden. Aufgrund dieser Tatsache ist wenig bekannt über die Bedürfnisse der Väter und ihre Einstellungen zur Erziehung. In der Masterarbeit wurde die elterliche Selbstwirksamkeit als ein Aspekt des väterlichen Erlebens genauer betrachtet. Im Gegensatz zur frühen Kindheit wollen Kinder im Alter von 2½ und 6 Jahren ihre Neugierde stillen, die Welt entdecken und soziale Kontakte ausserhalb der Familie knüpfen, so dass sie mehr auf ihre eigene Initiative und Kreativität vertrauen können. Treten in dieser Entwicklungsphase Verzögerungen der Entwicklung der Kinder auf, sind Eltern mit verschiedenen emotionalen, psychischen und physischen Herausforderungen konfrontiert. Der Mehrfachvergleich zeigte, dass Väter mit entwicklungsauffälligen Kindern durchschnittlich die tiefste elterliche Selbstwirksamkeit aufweisen, sich hingegen nicht signifikant von den Müttern und Vätern mit entwicklungsunauffälligen Kindern unterscheiden.

Perspektiven

Das Studium in Angewandter Psychologie bereitet auf vielfältige berufliche Aufgaben im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen, in Wirtschaft und Verwaltung, in Kultur und Kommunikation vor. Das Studium ist so angelegt, dass wir Kompetenzen vermitteln und neues Wissen generieren, um sowohl Menschen mit psychischen Problemen zu unterstützen und deren psychische Gesundheit zu fördern als auch eine produktive Zusammenarbeit in allen Anwendungsfeldern zu ermöglichen. Bei uns steht das Individuum mit seinen Potenzialen und Entwicklungsaufgaben im Zentrum, und neben der Ausbildung der fachlichen und methodischen Kompetenzen ist die Förderung der Selbst- und Sozialkompetenzen von zentraler Bedeutung.

Mögliche Tätigkeitsfelder