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«Lehre und Forschung rücken näher zusammen»

Mit der Neugründung des Psychologischen Instituts vereint das Departement Angewandte Psychologie der ZHAW künftig zwei Institute unter seinem Dach. Im Interview erklärt Institutsleiter Prof. Dr. Daniel Süss, welches Potenzial im neuen Institut steckt und wie es sich für eine zukunftsfähige Gesellschaft einsetzt.

Portraitbild Prof. Dr. Daniel Süss
«Als Fachhochschulinstitut interessieren uns gesellschaftliche Themen und Herausforderungen, bei welchen wir mit psychologischem Wissen zur Lösung von Problemen beitragen können. »

Prof. Dr. Daniel Süss
Institutsleiter

Warum wurde aus der bisherigen Abteilung Studium & Forschung das Psychologische Institut gegründet?

Daniel Süss:
In den letzten Jahren haben wir uns bemüht, die Bereiche Studium und Forschung am Departement mehr miteinander zu vernetzen. Es war aber immer noch so, dass für Schwerpunkte, wie zum Beispiel klinische Themen, in der Forschung und in der Lehre unterschiedliche Teams verantwortlich waren. Um den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Studium und Forschung zu intensivieren, haben wir eine neue Struktur gewählt. Im Psychologischen Institut stehen neu vor allem die Themenbereiche im Zentrum und werden gemeinsam von den Mitarbeitenden aus den Bereichen Studium und Forschung bearbeitet. Konkret gibt es im Psychologischen Institut nun sieben Fachgruppen sowie das Zentrum Lehre. Und wir fokussieren auf vier strategische Themenschwerpunkte.

Welche Vorteile bringt das Institut?

Mit der neuen Struktur des Instituts entstehen mehr Synergien und der Austausch wird gefördert. So übernehmen Forschende vermehrt Lehraufträge und umgekehrt bringen die Dozierenden ihre Erkenntnisse aus der Lehre direkter in die Forschung ein. Auch die Studierenden profitieren davon und können im Sinne von «forschendem Lernen» noch intensiver in Forschungsprojekten mitarbeiten. Die interne Vernetzung wird für die Studierenden vereinfacht. Wenn sie zum Beispiel spannende Themen aus dem Studium in ihren Bachelor- oder Masterarbeiten bearbeiten wollen, wissen sie genau, in welchem Bereich es angesiedelt ist und an wen sie sich wenden können.

Was ändert sich noch für die Studierenden?

Im Grundsatz ändert sich für die Studierenden nichts. Das Grundangebot im Studium mit den Vertiefungsrichtungen und auch die Struktur im Curriculum bleiben gleich. Auch die Vernetzung von wissenschaftlichen Grundlagen, Forschungsmethoden und praktischer Anwendung, die unser Studium kennzeichnen, sind weiterhin zentral. Die neue Struktur ist für die Studierenden aber klarer, gerade auch im Hinblick auf die Ansprechpersonen in bestimmten Themenbereichen. Unser Studium bleibt weiterhin generalistisch und bietet den Studierenden eine breite Palette für die spätere Berufswahl. Dies ist gerade zum universitären Psychologiestudium ein grosser Unterschied. Wir vermitteln nicht nur wissenschaftliche Theorien und Methoden, sondern praktische Methoden für die verschiedenen Berufsfelder. Unsere Studierenden lernen konkret wie man diagnostische Instrumente anwendet oder zum Beispiel Gutachten und Berichte erstellt und Beratungen durchführt. Sie können ihr Wissen nach dem Studium in der Praxis eins zu eins umsetzen.

Welche Bedeutung hat das Institut für die gesamte ZHAW?

Institute werden im Hochschulbereich als Träger von ganz bestimmten Kompetenzen wahrgenommen. Das Institut schafft hier vor allem Klarheit. Neu sind unter dem Departement Angewandte Psychologie zwei Institute vereint: Während das IAP Institut für Angewandte Psychologie wie bisher für die Weiterbildung und Dienstleistung zuständig ist, verantwortet das Psychologische Institut die Lehre und Forschung. Die ZHAW kann damit die ganze Palette des psychologischen Know-hows zeigen und es erleichtert die Kommunikation unserer Expertise. Die Fachgruppen des Psychologischen Instituts werden auch bei den strategischen Themen der ZHAW intensiver mitarbeiten. So werden die Mitarbeitenden der neuen Fachgruppe «Umgang mit Risiken und Entscheidungsprozessen» im ZHAW-Forschungsschwerpunkt «Energie» weiterhin zur Verbindung zwischen psychologischer Forschung und Energieforschung beitragen. Und auch im zweiten Forschungsschwerpunkt «Gesellschaftliche Integration» werden unsere Fachgruppen wertvolle Beiträge leisten können.

In welchen Themenschwerpunkten wird das Institut tätig sein?

Als Institut einer Fachhochschule interessieren uns gesellschaftliche Themen und Herausforderungen, bei welchen wir mit psychologischem Wissen zur Lösung von Problemen beitragen können. Aus dieser Grundüberlegung sind unsere strategischen Schwerpunkte entstanden: Es sind dies die Gebiete, in denen wir mit unserer Expertise und unserem Knowhow einen gesellschaftlichen Beitrag leisten können. Ein klassisches Gebiet ist beispielsweise der neue Schwerpunkt «Psychische Gesundheit und Wohlbefinden». Hier haben wir z.B. in der Psychotherapieforschung eine lange Tradition. Das Thema ist gesellschaftlich sehr wichtig, und es betrifft alle Menschen von jung bis alt. Bei diesem Thema gibt es neuere Ansätze vor allem aus der positiven Psychologie heraus, wo es darum geht herauszufinden, wie die psychische Gesundheit gefördert und aufrechterhalten werden kann, beispielsweise in der Burnout-Prävention. Dazu haben wir schon einige Projekte durchgeführt und möchten dies gerade im Präventionsbereich noch weiter verstärken. So können wir mit unserem Wissen zum Aufrechterhalten der Gesundheit und auch zur Lebensqualität von Menschen beitragen.

Also ein konkreter gesellschaftlicher Nutzen durch wissenschaftliche Expertise.

Ja, genau. Ein zweites Beispiel ist der Schwerpunkt «Erleben und Verhalten im Kontext sozialer und technologischer Innovationen». Unsere Gesellschaft ist in Bewegung und all unsere Lebensbereiche werden immer stärker mediatisiert. Hier forschen wir im Bereich Medienpsychologie und untersuchen, wie Menschen mit Medien umgehen, wie es ihren Alltag und ihre Beziehungen verändert. Dabei suchen wir einerseits nach Faktoren, die helfen, negative Folgen wie Onlinesucht oder Cybermobbing möglichst zu verhindern und dass Menschen nicht ein digitales Burnout bekommen. Andererseits interessiert uns, was es braucht, damit Menschen verantwortungsvoll und entwicklungsförderlich mit Medien umgehen können, insbesondere Kinder und Jugendliche.
Im Schwerpunkt spielt aber nicht nur die Medienpsychologie eine Rolle, sondern wir betrachten auch andere Aspekte, beispielweise im Bildungswesen oder in der Arbeitswelt, die sich durch die technologischen Neuerungen stark verändern. Gerade bei neuen Arbeitsplatzformen sind arbeits- und organisationspsychologische Aspekte wertvoll, um herauszufinden, wie diese gestaltet werden müssen, damit sich Menschen darin wohlfühlen und produktiv bleiben.  

Die Finanzierung der Forschung ist für Hochschulen immer mehr ein Thema. Auch für das neue Psychologische Institut?

Unsere Forschung ist sehr anwendungsorientiert, d.h. wir arbeiten häufig mit Praxispartnern zusammen, die eine konkrete Problem- oder Fragestellung haben und dafür eine Lösung suchen. Wir versuchen dann beispielweise über die KTI-Förderung das Projekt zu entwickeln und umzusetzen. Oder wir machen auch Nationalfonds-Projekte für anwendungsorientierte Grundlagenforschung oder es gibt Stiftungen oder Unternehmen, die uns als Forschungssponsoren finanziell unterstützen, um ein bestimmtes Thema voranzubringen.

Psychologisches Institut

Mit der Neugründung des Psychologischen Instituts vereint das Departement Angewandte Psychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften künftig zwei Institute unter seinem Dach. Während das Psychologische Institut Forschung und Lehre verantwortet, ist das IAP Institut für Angewandte Psychologie wie bisher in der Weiterbildung und Dienstleistung tätig. Mit der neuen Organisationsstruktur entstehen weitere Synergien zwischen Lehre und Forschung, und die Bereiche rücken noch näher zusammen. Das Psychologische Institut ist in sieben Fachgruppen und das Zentrum Lehre gegliedert und fokussiert auf vier strategische Schwerpunkte: «Psychische Gesundheit und Wohlbefinden», «Erleben und Verhalten im Kontext sozialer und technologischer Innovationen», «Umgang mit Risiken und Entscheidungsprozessen» sowie «Vielfalt von menschlichen Entwicklungen, Arbeits- und Lebensformen».