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Anerkennungspreis IAP beste Masterarbeit 2015

Andreas Brunner erhielt die Auszeichnung für seine Arbeit mit dem Titel «Management an der Schnittstelle von Evaluation und Beratung - Professionelle Führung eines Dienstleistungsangebotes im Bildungsbereich». Im Interview berichtet er über Learnings, den Praxistransfer und seine persönliche Bereicherung.

«Das sorgfältig konzipierte, umfassende und anspruchsvolle Programm des MAS Leadership & Management hat nicht nur mein psychologisches und führungsbezogenes Wissen angereichert und praxistauglich gemacht, sondern mich auch als Persönlichkeit gestärkt und vorangebracht.»  Andreas Brunner
Andreas Brunner

Herr Brunner, um was geht es konkret in Ihrer Masterarbeit?
Die Frage nach dem Zusammenspiel von Evaluation und Beratung kann verglichen werden mit derjenigen nach ärztlicher Diagnose und medizinischer Behandlung: Darf dieselbe Ärztin die Medikamente verschreiben, die auch festgestellt hat, was dem Patienten fehlt? Auf den Bildungsbereich übertragen habe ich mich damit auseinandergesetzt, unter welchen Umständen im Nachgang einer Evaluation – also beispielsweise nach der Beurteilung einer Schule – eine Beratung aus derselben Hand sinnvoll und verantwortbar ist. Es ging dabei um die Vorkehrungen, die aus Managementsicht eine professionelle Praxis möglich machen, ohne Rollen und Verantwortlichkeiten zu vermischen.

Warum haben Sie dieses Thema für Ihre Masterarbeit gewählt?
Im Bildungsbereich gibt es grosse Berührungsängste zwischen Evaluation und Beratung, grosse Zweifel, ob derjenige, welcher die Diagnose erstellt, auch zur Behandlung beigezogen werden darf. Ich wollte diesem Phänomen auf die Spur kommen, weil nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Privatwirtschaft diese Dienstleistungen oft eng zusammenwirken. Selbst im Bildungsbereich werden vermehrt Stimmen laut, die sich von einem integrierten Angebot von Evaluation und Beratung den grösstmöglichen Nutzen versprechen. Die Masterarbeit gab mir die Möglichkeit, mich vertieft damit auseinanderzusetzen und Lösungsansätze zu formulieren.

Was waren denn die Ergebnisse Ihrer Arbeit? Was haben Sie herausgefunden?
Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich Evaluation und Beratung durchaus in einer professionellen Weise verbinden lassen. Diese Entwicklung bedeutet jedoch einen umfassenden, mit Umsicht zu gestaltenden Veränderungsprozess auf mehreren Ebenen. Auf der Ebene der Organisation beispielsweise sind dazu eine sorgfältige Definition des Angebots, Personalentwicklungsmassnahmen, die Anpassung der Arbeitsabläufe und der Qualitätssicherung notwendig. Gerade im Bildungsbereich ist zudem die Ebene des Gesamtsystems nicht ausser Acht zu lassen, indem die verschiedenen Interessen und Anspruchsgruppen gebührend berücksichtigt werden.

Was hat Sie am meisten motiviert?
Zum einen bietet sich im beruflichen Tagesgeschäft selten die Gelegenheit, sich über längere Zeit so fundiert mit einer Fragestellung zu befassen. Zum anderen waren die Experteninterviews, die ich im Rahmen der Masterarbeit geführt habe, sehr inspirierende und lehrreiche Fachgespräche, von denen ich enorm profitiert habe. Und schliesslich war die Arbeit – ganz in der Tradition des IAP – wertvoller Anlass, meine eigene Rolle und Managementpraxis zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Wie sieht der Praxistransfer der Arbeit aus? Werden Sie Learnings aus der Arbeit in Ihrer Organisation umsetzen können?
Als Leiter der Fachstelle für Schulbeurteilung des Kantons Zürich arbeite ich heute in einem bildungspolitischen Umfeld, das die Frage nach dem Zusammenwirken von Evaluation und Beratung mit strengerem Blick betrachtet als ich dies von meiner vorherigen Stelle an einer Hochschule kannte. Dennoch kann ich meine Erkenntnisse aktiv in den laufenden Diskurs zu dieser Frage einbringen, in meiner eigenen Organisation wie auch im Austausch mit Partnerorganisationen in der Schweiz und in Deutschland.

Was für persönliche Ziele und Entwicklungsschritte haben Sie sich vorgenommen?
In meiner täglichen Arbeit steht die Schulqualität im Vordergrund. Als Fachstelle für Schulbeurteilung verstehen wir uns als Partnerin der Führungsverantwortlichen in den Volksschulen. Deshalb ist es mein Ziel, den Schulen an der Schnittstelle von Evaluation und Beratung die Dienstleistungen zu bieten, welche sie in ihrer Verantwortung am besten unterstützen können. Darauf werde ich meine Managementaufgaben und die gesamte Organisation ausrichten. Ganz persönlich habe ich mir vorgenommen, ergänzend zu der bereits soliden Führungs- und Evaluationspraxis mittelfristig auch meine Beratungskompetenzen weiterzuentwickeln.

Ihre Masterarbeit ist im Rahmen des MAS Leadership & Management am IAP entstanden. Wie beurteilen Sie die Weiterbildung?
Ich bin ja von Hause aus Psychologe und war deshalb unsicher, in welchen Bereichen mir die Weiterbildung am IAP wirklich einen Zusatznutzen bieten kann. Gleichzeitig habe ich mich ganz bewusst für eine Führungsausbildung entschieden, die nicht von Betriebswirtschaftlern entwickelt worden ist. Ich habe es nicht bereut: Das sorgfältig konzipierte, umfassende und anspruchsvolle Programm hat nicht nur mein psychologisches und führungsbezogenes Wissen angereichert und praxistauglich gemacht, sondern mich auch als Persönlichkeit gestärkt und vorangebracht. Dass in der Weiterbildungszeit bereichernde Freundschaften und Kontakte entstanden sind, macht die Erfahrung umso wertvoller.