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Abstracts Referate

Verschiedene Keynote-Beiträge, Überblicksreferate, Praxisbeispiele und Podiumsdiskussionen

KJF: Diagnostik bei Kindern, Jugendlichen und Familien
BSL: Diagnostik in Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
ES: Diagnostik in Eignungsbeurteilung und Selektion

Keynotes

Prof. Dr. Klaus Schmeck

Diagnostik von Identität und Persönlichkeit im Kindes- und Jugendalter
Persönlichkeitsstrukturen entwickeln sich über die Lebensspanne hinweg, können aber auch schon im Kindes- und Jugendalter zuverlässig erfasst werden. Die Entwicklung einer stabilen Identität zählt zu den zentralen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz. Die Erfassung dieses komplexen Konstrukts stellt eine methodische Herausforderung dar.
In diesem Beitrag sollen Möglichkeiten der Erfassung von Persönlichkeit und Identität im Kindes- und Jugendalter dargestellt werden. Während wir im Kindesalter auf Verhaltensbeobachtungen und Fremdbeurteilungen zurückgreifen, gilt ab ca. dem 12. Lebensjahr die Selbstbeschreibung der eigenen Persönlichkeit als Goldstandard. Vorgestellt werden sowohl verschiedene diagnostische Herangehensweisen in den verschiedenen Altersgruppen als auch spezifische Untersuchungsinstrumente, mit denen Persönlichkeit und Störungen der Persönlichkeitsentwicklung erfasst werden können. Ein besonderer Schwerpunkt soll im Vortrag auf Beeinträchtigungen der Identitätsentwicklung sowie der anderen im DSM-5 beschriebenen Persönlichkeitsfunktionen (Selbststeuerung, Empathie, Intimität) gelegt werden.
Download Handout «Diagnostik von Identität und Persönlichkeit im Kindes- und Jugendalter»
 
Video des Keynotes von Prof. Dr. Klaus Schmeck

Prof. Dr. Marc Schreiber & Prof. Dr. Marcel Schär

Erfassung der Persönlichkeit im Alltag – ein innovativer Ansatz für die Beratungspraxis
Psychologische Diagnostik findet traditionellerweise auf der Ebene von zeit- und situationsstabilen Eigenschaften – sogenannten Traits – statt. Das Diagnostizieren fester Eigenschaften steht in einem Widerspruch dazu, dass sich Klientinnen in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich erleben. Diese situationsbedingten Unterschiede sind aber gerade für die Beratung von grosser Relevanz.
Um dieses diagnostische Dilemma aufzulösen haben wir eine App im Bereich Persönlichkeitsdiagnos-tik entwickelt. Mit Hilfe der App können situationsbedingte Unterschiede im Alltagserleben der Klientinnen systematisch erfasst und in den Beratungskontext einbezogen werden. In der Keynote geben wir einen Überblick über die theoretischen Grundlagen, die ersten Forschungsergebnisse und berichten über Erfahrungen aus der Beratungspraxis (Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung sowie der Psychotherapie).
Download Handout «Erfassung der Persönlichkeit im Alltag»
 
Keynote von Prof. Dr. Marc Schreiber & Prof. Dr. Marcel Schär

Prof. Dr. phil. habil. Uwe-Peter Kanning

Wenn Erfahrung nicht zur Expertise führt – über die Praxis der Personaldiagnostik
Ein Blick in die Praxis vieler Unternehmen zeigt, dass selbst grundlegendste Erkenntnisse der Forschung oft nicht umgesetzt werden. Bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen kommen Kriterien zum Einsatz, deren Validität bestenfalls fragwürdig zu nennen ist. Einstellungsinterviews laufen immer noch viel zu oft nach den Prinzip «Bauchgefühl» ab und die beliebtesten Testverfahren basieren auf hoffnungslos veralteten Theorien. Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, ob erfahrenen Personalpraktikern weniger systematische Fehler bei der Beurteilung von Menschen unterlaufen, kommen zu negativen Befunden. Der Vortrag begibt sich auf die Suche nach Ursachen für diesen bedenklichen Zustand.
Download Handout «Wenn Erfahrung nicht zur Expertise führt»
 
Video des Keynotes von Prof. Dr. phil. habil. Uwe-Peter Kanning

Prof. Dr. Manfred Spitzer

Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie
«Es gibt nur 2 Arten von Wissenschaft: Physik und Briefmarken sammeln». Dieser dem Physiker Rutherford zugeschriebene Ausspruch zeigt sehr deutlich, worum es in der Wissenschaft – und deren praktischer Anwendung – geht: Man kann die Welt immer genauer beschreiben und landet dann immer beim Einzelnen. Man kann dieses Einzelne jedoch immer besser verstehen, und dies wiederum heisst: es als «Fall von X» (wobei X allgemeiner ist als dieses Einzelne) zu begreifen. Geht es um Menschen, kann man hier von einem «Spannungsfeld» sprechen, nämlich dann, wenn unterschiedliches Handeln folgt, je nachdem, ob man das eine oder das andere tut. Ist dies mit Notwendigkeit so? Anhand von Beispielen wird dieser Frage nachgegangen. Es zeigt sich, dass es Verallgemeinerung auch ohne Theorie gibt (Stichwort: machine learning), auch im Kopf. Und es zeigt sich, dass in manchen Wissenschaftszweigen «Theorien» keine Theorien sind, sondern bestenfalls lose assoziierte Gedankengänge. Dieser Stand der Dinge kann den Blick leicht vernebeln. Die Beispiele zeigen aber auch: In pragmatischer Hinsicht gibt es nichts Praktischeres als eine gute Theorie.
Download Handout «Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie»
 
Video des Keynotes von Prof. Dr. Manfred Spitzer

Diagnostik bei Kindern, Jugendlichen und Familien

Abstracts
Integratives Erkennen und Verstehen – Das Grundbedürfnis-Frustrationsmodell bei Kindern und Jugendlichen
Referentin: Dr. phil. Célia Steinlin-Danielsson
 
Gemäss dem Grundbedürfnis-Frustrationsmodell streben Menschen ihr Leben lang nach der Erfüllung einer Reihe von psychischen Grundbedürfnissen. Aufgrund der Erfahrungen, die wir mit unserer Umwelt machen, aus den gelungenen und misslungenen Versuchen, unsere Bedürfnisse zu befriedigen, bilden wir Annahmen über uns und unsere Umwelt und entwickeln Strategien und Erwartungen. Davon ausgehend, dass Menschen in jeder Lebenssituation nach der bestmöglichen Lösung zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse suchen, sind auch psychische Störungen und dysfunktionale Verhaltensweisen als bestmögliche Lösungen zu betrachten, für die gute Gründe bestehen. In diesem Vortrag wird aufgezeigt, wie hilfreich die Exploration dieser guten Gründe und der dahinterliegenden Annahmen und Bewältigungsmuster für das Erkennen und Verstehen von psychischen Symptomen bei Kindern und Jugendlichen ist und wie das Verständnis dieser Zusammenhänge die Grundlage für eine individualisierte, integrative Intervention schafft.
 
Handout «Integratives Erkennen und Verstehen»
 
«Die Krux bei der Psychopathologie im Kindes- und Jugendalter: Psychische Störung oder Entwicklungsabweichung?
Referentin: Prof. Dr. Martina Zemp
 
Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind komplex, heterogen und variieren als Funktion eines Zusammenspiels von multiplen internen und externen Risiko- und Schutzfaktoren. Dabei haben wir es in der Psychopathologie im Kindes- und Jugendalter häufig mit vorübergehenden Auffälligkeiten zu tun oder mit Verstärkungen von normalen Entwicklungstrends statt mit eigenständigen, qualitativ auffälligen Phänomenen. Die Entwicklungsorientierung ist der Klinischen Psychologie des Kindes- und Jugendalters immanent und dies bedingt die Berücksichtigung der substantiellen interindividuellen Entwicklungsunterschiede und des schwer zu fassenden Normbegriffs. Gesellschaftliche Toleranzgrenzen spielen dabei ebenfalls eine Rolle. All diese Aspekte erfordern in der Diagnostik von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen eine hohe Professionalität und eine besondere Bewusstheit seitens der Fachperson.
 
Handout «Die Krux bei der Psychopathologie im Kindes- und Jugendalter»
 
Psychische Beeinträchtigungen bei Jugendlichen rechtzeitig erkennen
Referentin: Filomena Sabatella, lic.phil.
 
Das Zürcher Adoleszenten Screening Instrument Psychischer Störungen (ZASIPS) ist ein kurzes Screening-Instrument zur Früherkennung psychischer Störungen bei Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren. In einem Pilotprojekt wurde es an 150 arbeitslosen Jugendlichen in Motivationssemester entwickelt und in einem zweiten Schritt wurde es zur Fertigstellung an weitere 80 Jugendlichen in Motivationssemester und in Schulen validiert. Das Instrument ist weitgehend selbsterklärend, einfach und schnell einsetzbar. Das Ziel ist nicht eine Diagnose, sondern eine Triagierung des Jugendlichen. Coaches und Betreuer sind dadurch in der Lage, psychische Belastungen zu identifizieren und dem Jugendlichen die passenden Handlungsoptionen aufzuzeigen. Dabei soll auf das bereits existierende Netzwerk zurückgegriffen werden. Jugendarbeitslosigkeit wird als Belastungsfaktor für Jugendliche in Brückenangebote angesehen. Bei 74 Prozent der Befragten haben wir Hinweise auf mindestens eine psychische Auffälligkeit vorgefunden.
 
Handout «Psychische Beeinträchtigungen bei Jugendlichen rechtzeitig erkennen»
 
JAMES und MIKE kompakt
Referent: Gregor Waller, lic.phil.
 
Die MIKE- und JAMES-Studien bilden den Medienumgang von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz ab. Pro Welle werden jeweils über 1‘000 Kinder auf der Primarschulstufe (MIKE) und den Sekundarschulstufen I und II (JAMES) befragt. Die repräsentativen Studien werden im Zwei-jahres¬rhythmus durchgeführt. Neben medialen Tätigkeiten werden auch non-mediale Tätigkeiten erfasst. Daneben wird die Verfügbarkeit von Geräten und Abonnementen erhoben. Im Rahmen der MIKE-Studie wurden zudem über 600 Eltern befragt: Diese gaben unter anderen Auskunft über Aspekte der Mediennutzung, die sie besonders beschäftigen oder die sie als Chance sehen.
 
JAMES-Studie
MIKE-Studie
 
Eltern-Kind-Interaktion in der frühen Kindheit im Fokus dreier Forschungsprojekte
Referentin: Laura Wade-Bohleber, MSc
 
Die Qualität der Eltern-Kind-Interaktion in den ersten Lebensjahren ist von zentraler Bedeutung für das Erlangen affektiver, kognitiver und sozialer Fähigkeiten des Kindes. In der Eltern-Kind-Interaktion entfaltet sich ein komplexes Zusammenspiel kindlicher und elterlicher Anteile, das mittels standardisierter experimenteller Situationen und Videoaufnahmen exploriert werden kann. Ein erstes Forschungsprojekt befasst sich mit den elterlichen und kindlichen Anteilen gelingender Affektregulation bei Kindern im Alter von acht bis 12 Monaten. Ein zweites Forschungsprojekt untersucht die Wirkung eines niederschwelligen psychotherapeutischen Angebots für Flüchtlingsmütter mit kleinen Kindern über den Zeitraum von einem Jahr. Ein drittes Forschungsprojekt befasst sich mit Veränderungsprozessen in der Mutter-Kind-Therapie. Hier werden prä-/post-Untersuchungen von sieben psychotherapeutischen Sitzungen des Watch-Wait-Wonder-Ansatzes gemacht. Es werden der Hintergrund, die Methodik und erste Erfahrungen der verschiedenen Forschungsprojekte diskutiert.
 
Handout «Eltern-Kind-Interaktion in der frühen Kindheit»
 
Ist IQ = IQ? Vergleichbarkeit von Intelligenztestergebnissen bei Kindern
Referentin: Dr. phil. Priska Hagmann-von Arx
 
Diagnostikerinnen und Diagnostiker sind frei zu entscheiden, welche Intelligenztests sie einsetzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass verschiedene Intelligenztests zu vergleichbaren Ergebnissen führen. In der vorliegenden Studie wurde mit einer Stichprobe von 206 Kindern aus Grundschulen der deutschsprachigen Schweiz untersucht, ob die mit verschiedenen Intelligenztests (RIAS, SON-R 6-40, IDS, WISC-IV, CFT 20-R) erzielten IQ-Werte vergleichbar sind. Die Ergebnisse zeigen, dass auf Gruppenebene die IQ-Werte hoch miteinander korrelieren und es höchstens geringe Mittelwertsunterschiede gibt. Auf individueller Ebene zeigt sich jedoch, dass die IQ-Werte bei 12% bis 38% der Kinder bedeutsam variieren, wobei die Unterschiede nicht auf die eingesetzten Testverfahren, sondern auf unspezifische Fehler zurückzuführen sind. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Implikationen für die diagnostische Praxis diskutiert.
 
Handout «Ist IQ = IQ?»
 
Kultursensitive Diagnostik – eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Welten
Referent: Prof. Dr. Rainer Georg Siefen
 
Handout «Kultursensitive Diagnostik»
 

Diagnostik in Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung

Abstract
Der Karriere-Ressourcen Fragebogen – Entwicklung, Forschungsbefunde und Anwendung
Referenten: Prof. Dr. Andreas Hirschi & Madeleine Hänggli
 
In dem Referat wird die Entwicklung des Karriere-Ressourcen Fragebogen (CRQ) vorgestellt. Der CRQ ist ein entwicklungsorientiertes diagnostisches Testverfahren zur persönlichen Standortbestimmung und Laufbahnplanung und misst wissenschaftlich breit abgestützte Prädiktoren von Berufserfolg in vier Bereichen: (1) Wissen und Kompetenzen, (2) Motivation, (3) Umfeld und (4) Aktivitäten. In diesen Bereichen werden 13 verschiedene Aspekte erhoben, welche in der internationalen Laufbahnforschung als wichtige Faktoren für subjektiven und objektiven Laufbahnerfolg etabliert sind. Der Fragebogen wurde auf Grundlage des Karriere-Ressourcen Modells von Hirschi (2012) und auf Basis einschlägiger Literatur entwickelt. In einem aufwändigen Entwicklungsprozess wurden in mehreren Schritten Items generiert, evaluiert und anhand von vier Befragungen von insgesamt über 3’000 Personen ausgewählt und validiert. Die Präsentation geht auch auf diverse Forschungsbefunde zum CRQ ein. So wurde unter anderem die relative Bedeutsamkeit der einzelnen Karriere-Ressourcen für objektiven und subjektiven Erfolg evaluiert. Dabei zeigte sich, dass je nach Erfolgsmass verschiedene Ressourcen unterschiedliches Gewicht haben. Weitere Studien untersuchten die diskriminante, inkrementelle und prädiktive Validität des Fragebogens. Schliesslich zeigt das Referat diverse Anwendungsmöglichkeiten des CRQ in der Praxis der Berufs- und Laufbahnberatung sowie im Personalmanagement auf.
 
Handout «Der Karriere-Ressourcen Fragebogen»
 
Bedeutung der qualitativen Diagnostik in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
Referent: Dr. Daniel Jungo
 
Qualitative Diagnostikinstrumente spielen in der Praxis der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung eine wichtige Rolle. Die Definition und die Abgrenzung sind aber nicht immer einfach. Zudem stellt sich die Frage nach ihren Evaluationsmöglichkeiten. Ein Blick über den Gartenzaun zeigt Entwicklungsmöglichkeiten für die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung. Anhand von Praxisbeispielen werden verschiedene Einsatzmöglichkeiten illustriert.
 
Handout «Bedeutung der qualitativen Diagnostik in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung»
 
Validierung des Leadership Judgement Indicators
Referentin: Fiorina Giuliani
 
Die deutschsprachige Version des Leadership Judgement Indicators (LJI; Lock, Wheeler, Burnhard & Cooper, 2005) von Neubauer, Bergner und Felfe (2012) ist ein Szenarioverfahren, das die Führungsstilpräferenzen (Präferenzwerte) und die Entscheidungsqualität (Judgement Scores) von Erwachsenen mit Führungserfahrung oder -ambition in Führungssituationen erfasst. Das Verfahren beinhaltet 16 komplexe Führungsszenarien mit je vier alternativen Handlungsansätzen, die hinsichtlich ihrer Angemessenheit im Führungskontext beurteilt werden. Der LJI wird insbesondere in der Personalauswahl, in der Personalentwicklung, zur Beurteilung von Führungskräften, im Coachingbereich oder in der Forschung eingesetzt. Die Bearbeitung erfolgt computergestützt oder mittels Papier-Bleistift und beträgt durchschnittlich 40 Minuten. Die englisch- und deutschsprachige Version ist gleich lang, unterscheiden sich jedoch in drei Szenarien. Für die deutschsprachige Version liegen Normen für die Gesamtstichprobe (N=485, deutsche und österreichische Führungskräfte), getrennt für Frauen und Männern, sowie für Führungskräfte mit langjähriger (mehr als 5 Jahre) und geringer Führungserfahrung (weniger als 5 Jahre) vor. Die Präferenzwerte weisen befriedigende innere Konsistent auf; Cronbachs Alpha liegt zwischen α= .71 (konsultativer Stil) und α= .75 (einvernehmlicher Stil). Der Test wurde auf vielfältige Weise validiert; beispielsweise wurde die Beziehung zwischen Führungsstilen, Persönlichkeitsmerkmalen und Werten untersucht. Der LJI weist eine zufriedenstellende Konstruktvalidität auf. Die Kriteriumsvalidität muss jedoch zukünftig noch verstärkt geprüft werden.
 
Handout «Validierung des Leadership Judgement Indicators»
 
Laufbahnberatungen unter der Lupe – Analyse von Sprechhandlungen, Wirkfaktoren und Wirkungen auf der Basis von Videoanalysen
Referent: Prof. Hansjörg Künzli
 
Dass Berufs, Studien- und Laufbahnberatungen wirken, ist unterdessen gut durch die Forschung belegt. Obwohl viele hilfreiche Theorien dazu existieren, wie sich Wirkungen im Gespräch entfalten, wurde bislang noch wenig dazu geforscht.
Im Projekt wenden wir die Wirkfaktorenanalyse und die Gesprächsanalyse auf mehrere Laufbahngespräche an. Während die Wirkfaktorenanalyse etwas darüber aussagt, ob wichtige Elemente eines Gesprächs realisiert werden, gibt die Konversationsanalyse Auskunft darüber, ob dies zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort geschieht.
Im Vortrag geben wir einen Einblick in das laufende Projekt und präsentieren erste Resultate.
 
Handout «Laufbahnberatungen unter der Lupe»
 
Quantitative Überprüfung der Wirksamkeit von Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen
Referent/in: Dr. Nicola Kunz & Dr. Stephan Toggweiler
 
Ob eine Beratung von Klientinnen und Klienten als wirksam eingeschätzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mit Hilfe des Fragebogens «Veränderungsinventar für Laufbahnberatungen VIL» können Veränderungen auf den Dimensionen Wohlbefinden, Sicherheit, Informiertheit, Vertrauen in Entwicklungsperspektiven sowie Zielklarheit abgebildet werden. Im Referat werden die Ergebnisse einer Prä-Post-Befragung (N = 510) von Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen des IAP vorgestellt. Es zeigten sich signifikante positive Effekte auf allen Dimensionen, die auch nach drei Monaten (Follow-Up Befragung; N=90) konstant sichtbar sind.
 
Handout «Quantitative Überprüfung der Wirksamkeit von Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen»
 
Online-Interventionen in der Psychologie – Stand der Dinge und Ausblick
Referent: Prof. Hansjörg Künzli
 
Im Gesundheits-, aber auch in anderen Bereichen, wächst das Angebot an Online-Unterstützungsangeboten exponentiell. Dabei sind verschiedene Trends festzustellen. Neben der zunehmend zielgruppenspezifisch eingesetzten Nutzung von einzelnen Kommunikationskanälen, einzeln oder in Kombination, dem Einsatz von integrierten Beratungsplattformen mit vielfältigen die Beratung unterstützenden Tools werden in Zukunft vermehrt verschiedene Technologien die klassische F-2-F-Beratung ergänzen, erweitern oder sogar teilweise ersetzen. Stichworte hierzu sind Sensortechnik, Selbstmonitoring, ungeleitete Selbsthilfen und Virtual Reality. Im Referat wird der Stand der einschlägigen Forschung dargestellt und ein Ausblick in die Zukunft der von Online-Interventionen gewagt.
 
Handout «Online-Interventionen in der Psychologie»
 
Career Construction Interview – Interview mit Mark Savickas
Referent: Prof. Dr. Marc Schreiber
 
Im Beitrag wird der Einsatz des Career Construction Interviews (CCI) im Kontext des Life-Design Paradigmas reflektiert. Dabei wird auf ein speziell für den Diagnostik-Kongress geführtes Interview mit Mark Savickas, dem Urheber des CCI, zurückgegriffen. Im Interview werden Fragen, die sich aus der Anwendung des Career Construction Interviews (CCI) in der Schweiz ergeben haben, diskutiert und beantwortet. Die Fragen basieren auf zahlreichen Beratungen sowie Workshops mit Beratungspersonen: Welche Rolle spielt der Bezug auf die Kindheit im CCI? Wie wichtig ist der Bezug auf das Alter zwischen 3 und 6 Jahren? Welchen Unterschied macht es, wenn man sich bei den Vorbildern nicht auf die Vergangenheit (Kindheit), sondern auf die aktuelle Situation bezieht? Wie direktiv kann/soll vorgegangen werden beim Interpretieren des CCI? Können/sollen die Interviewfragen auch mit nach Hause gegeben werden? Welche Form eignet sich speziell gut für die Visualisierung der Erkenntnisse aus dem CCI (Lebensportrait, Lebensformel)? Das Interview wird im Vorfeld des Kongresses geführt und die Antworten von Mark Savickas werden in den Beitrag eingebettet.
 
Handout «Career Construction Interview»
 

Diagnostik in Eignungsbeurteilung und Selektion

Abstracts
Es gibt sie, es gibt sie nicht! Die aktuelle Befundlage zur Konstruktvalidität von Assessment Centern
Referentin: Dr. Natalia Merkulova
 
Die widersprüchliche Befundlage zur Konstruktvalidität von Assessment Centern beschäftigte Assessment-Center-Forscher über Jahrzehnte, denn die Annahme, dass die dimensionsbezogene Leistung von Bewerbern über verschiedene Aufgaben hinweg stabil sei, erwies sich bisher als wenig haltbar. In diesem Referat wird in einem Überblick der aktuelle Stand der Forschung zur Konstruktvalidität von Assessment Centern zusammengefasst und eine Lösung für den jahrelangen Disput, ob Aufgaben oder Dimensionen die Leistung von Bewerbern im Assessment Center am besten widerspiegeln geboten. Es zeigt auf, dass Aufgaben UND breite Dimensionen sowie ein genereller Leistungsfaktor sich in der Assessment-Center-Leistung von Stellenbewerbern widerspiegeln. Deshalb sollten alle drei Faktoren bei der Konstruktion, bei der Durchführung sowie beim Feedback an Stellenbewerber berücksichtigt werden.
 
Handout «Es gibt sie, es gibt sie nicht!»
 
Remote Assessment – aus der Ferne die passenden Mitarbeitenden finden?
Referentin: Dr. Barbara Künzle
 
Remote Assessments greifen Trends wie die Digitalisierung oder Internationalisierung auf, denn sie sind eine zeitlich und räumlich flexible Alternative zu den herkömmlichen Assessmentverfahren. Sie ermöglichen eine standortunabhängige Interaktion mit den Bewerbern und eignen sich besonders für Unternehmen mit internationalen Teamstrukturen oder wenn es darum geht, eine grosse Anzahl von Kandidaten zu evaluieren. Es werden Erfahrungen aus der Praxis, konkrete Kundenprojekte sowie Einsatzmöglichkeiten und Chancen der Remote Assessments aufgezeigt. Nebst best practices werden auch Grenzen angesprochen sowie Fragen zu Datenschutz und technologischen Anforderungen diskutiert.
 
Handout «Remote Assessment»
 
Wie führen Sie Ihre Mitarbeitenden? Ein strukturiertes Interview zur Diagnostik des Führungsverhaltens
Referentin: Anna Luca Heimann
 
Im Kontext der Personalauswahl und -entwicklung werden strukturierte Interviews häufig als Instrumente eingesetzt, um die Kompetenzen von Führungskräften zu diagnostizieren. Bestehende Theorien zum Führungsverhalten finden bei der Konstruktion solcher Interviews jedoch bisher kaum Berücksichtigung. Das Ziel dieser empirischen Studie war es, ein strukturiertes Interview basierend auf Führungstheorien zu entwickeln und mit diesem Instrument verschiedene Indikatoren des Führungserfolgs vorherzusagen. Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass aufgabenorientiertes, beziehungsorientiertes und veränderungsorientiertes Führungsverhalten trennscharf im strukturierten Interview beurteilt werden können. Die Interviewbeurteilungen sagen zudem die aufgabenbezogene Effektivität der Führungskräfte, ihr jährliches Einkommen, sowie das Wohlbefinden und das affektive Commitment ihrer Mitarbeitenden vorher. Die Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zu der Frage, wie Organisationen diejenigen Führungskräfte identifizieren können, deren Verhalten sich sowohl positiv auf ihre eigene Leistung als auch positiv auf ihre Mitarbeitenden auswirkt.
 
Handout «Wie führen Sie Ihre Mitarbeitenden?»
 
Graphologie als valide Fremdbeurteilung von Konstrukten des Erlebens und Verhaltens
Referent: Dr. Stephan Toggweiler
 
Die vorliegende Studie des Psychologischen Instituts der ZHAW geht der Frage nach, ob es möglich ist, anhand von 234 Schriftmerkmalen und einer Stichprobe von 103 Probanden/-innen valide graphologische Cluster von Schriftmerkmalen zu bilden, die in einem bedeutenden Zusammenhang mit den Big Five Skalen des NEO-PI-R von Ostendorf und Angleitner (2004) stehen. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass die mittels Korrelationsanalysen konstruierten Merkmalscluster hinsichtlich der Varianzaufklärung grosse Effekte für Extraversion und Offenheit für Erfahrung und mittlere Effekte für Neurotizismus und Verträglichkeit erreichen. Für diese Dimensionen kann folglich, gemäss adjustiertem R2 bzw. der Effektgrösse K2, eine graphologisch mittel- bis hochgradig valide Diagnostik geltend gemacht werden. Demgegenüber kann für die Prognose von Gewissenhaftigkeit nur ein kleiner Effekt geltend gemacht werden. Es ist nun nötig, dass eine Replikationsstudie diese Resultate bestätigt.
 
Handout «Graphologie als valide Fremdbeurteilung von Konstrukten des Erlebens und Verhaltens»
 
Antwortstile bei der Bearbeitung von Persönlichkeitsfragebögen
Referentin: Dr. Eunike Wetzel
 
In Persönlichkeitsfragebögen sollen Personen meistens Aussagen (z.B. Ich rede gerne mit fremden Menschen.) mithilfe einer Antwortskala aus mehreren Kategorien (z.B. starke Ablehnung bis starke Zustimmung) einschätzen. Dabei treten interindividuelle Unterschiede in der Verwendung der Antwortskala auf: Manche Personen bevorzugen beispielsweise Extremkategorien (starke Ablehnung), während andere diese vermeiden und mittlere Kategorien (Ablehnung, neutral) bevorzugen. In diesem Referat sollen verschiedene Antwortstile vorgestellt werden. Es wird darauf eingegangen, wie man diese Antwortstile erkennen kann und wie sie mit anderen Personenvariablen (Alter, Intelligenz) zusammenhängen. Zuletzt werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie mit Antwortstilen umgegangen bzw. ihr Auftreten reduziert oder verhindert werden kann.
 
Handout «Antwortstile bei der Bearbeitung von Persönlichkeitsfragebögen»
 
Derailment Prophylaxe – eine testpsychologische Annäherung
Referent: Simon Carl Hardegger, MSc UZH
 
Derailment bzw. Managementversagen kann neben situativen Faktoren wie sehr hohem Erfolgsdruck oder dem Fehlen von nötigen Kompetenzen auch auf dysfunktionale Persönlichkeitsstrukturen zurückgeführt werden (Westermann 2012; Birkhan 2014). Vertiefte und breit gestreute Forschungsprojekte dazu finden seit ca. 15 Jahren statt und laufen aktuell immer noch auf Hochtouren. In diesem Workshop werden präventive Möglichkeiten von testpsychologischer Derailment-Diagnostik vor dem Hintergrund der aktuellsten Forschungsergebnisse zu dysfunktionalen Persönlichkeitsstrukturen dargestellt und anschliessend zur Diskussion gestellt werden. In diesem Kontext wird auch das einschlägige Konzept „dark triad“ kritisch betrachtet.
[DD, SD3, SRP-III, MACH-IV, NPI, NEO-PI-R, HEXACO, IBES, FFM-Counts, SIT, CRT Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie, Sadismus]
 
Handout «Derailment Prophylaxe»
 
Wie viel Struktur braucht's wirklich? Überraschende Forschungsergebnisse zur Validität von Einstellungsinterviews
Referent: Prof. Dr. Patrick Boss
 
Die in den letzten Jahrzehnten veröffentlichten Forschungsergebnisse belegen mehrheitlich, dass die Validität strukturierter Interviews deutlich höher ausfällt als diejenige von unstrukturierten. Eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse zeigt nun aber auf, dass sich unter Berücksichtigung neuester methodischer Erkenntnisse die Validität der beiden Vorgehensweisen nicht unterscheiden. In diesem Referat stelle ich diese Studie vor, präsentiere Konzepte zur Bestimmung des Strukturierungsgrades von Einstellungsinterviews und gehe auf weitere, die Validität mitbeeinflussende Faktoren wie Faking oder die Gestaltung der Interviewsituation ein. Die daraus abgeleiteten Praxisempfehlungen bilden den Ausgangspunkt der anschliessenden Diskussion im Plenum.
 
Handout «Wie viel Struktur braucht's wirklich?»