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Grünräume brauchen Kooperation und Teamarbeit

Die diesjährige ZHAW-Tagung Grünflächenmanagement stand unter dem Motto «Stafettenlauf durchs Stadtgrün». In einem Punkt waren sich die Referentinnen und Referenten einig: Gleich wie bei einem Stafettenlauf braucht es Teamarbeit, um die Ziele zu erreichen. Jedoch soll die Leistung noch stärker gemeinsam erbracht werden. Dazu ist ein fortlaufender Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren nötig – hierarchieübergreifend und partizipativ.

Landschaftsarchitekt Ingo Golz sprach über den notwendigen Dialog in der Grünraumplanung.

185 Teilnehmende aus der grünen Branche folgten gespannt den Referaten an der Tagung des ZHAW-Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen. Im ersten Beitrag von Umweltspezialistin und Beraterin Manuela Di Giulio, kam zum Ausdruck, dass die Förderung der Biodiversität im städtischen Raum eine komplexe Aufgabe ist. Nebst dem Zusammenspiel von unterschiedlichen Akteuren braucht es ab der ersten Idee eine verantwortliche Person, welche die Förderung der Biodiversität in Grünraumprojekten spezifisch behandelt und über den gesamten Lebenszyklus einbringt. Dass dies manchmal eher einem Hürdenlauf entspricht, kam deutlich zum Ausdruck. Di Giulio zeigte jedoch anhand von erfolgreichen Beispielen auf, wie dies gelingen kann.

Biotope-City, die grüne Stadt der Zukunft

Florian Reinwald von der Universität für Bodenkultur in Wien zeigte in seinem Referat auf, wie auf einem ehemaligen Produktionsareal des Unternehmens Coca Cola ein neuer, parkartiger Stadtteil entsteht. Der neuartige Ansatz, genannt Biotope-City Wien, nimmt sich die Natur als Vorbild. Ziel ist eine umfassende urbane Begrünung, welche die Lebensqualität und Widerstandsfähigkeit gegen Wetterextreme in Städten erhöhen soll. Ein wichtiger Faktor, welcher dafür sorgt, dass Grün nicht nur auf dem Plan eingezeichnet, sondern auch tatsächlich realisiert wird, ist das Aufzeigen und Modellieren von Klimaauswirkungen mit oder ohne Grün. Dadurch konnten auch Immobilienträger von den Vorteilen einer durchgehenden Begrünung überzeugt werden.

Der Aufwand im Gartenbau wird unterschätzt

Während der Innenausbau eines neuen Hauses meist akribisch genau geplant wird, bleibt am Schluss für den Garten kein Budget mehr übrig. Doch das Bedürfnis, den Garten als erweiterten und vielseitigen Lebensraum zu nutzen, wird für viele Menschen immer wichtiger. Dass es dafür eine frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Architektin und Hausbesitzer braucht, ist unabdingbar. Der Natur- und Umweltfachmann Michael Gut demonstrierte in seinem Referat, wie er seine Kundschaft frühzeitig sensibilisiert und ihre ganz eigenen Vorstellungen von Garten hervorholt. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass die Kundin, der Kunde sich schon sehr früh damit auseinandersetzt, wie viel Zeit sie oder er in die Pflege des Gartens investieren kann und will. Nur so führen Projekte langfristig zum Erfolg.

Siedlungsräume verändern sich

Landschaftsarchitekt Ingo Golz beschrieb in seinen Ausführungen die vielfältigen und komplexen Herausforderungen in der Entwicklung unserer Siedlungsräume: Sich verändernde Wohn- und Arbeitsbedürfnisse, die damit verbundene rasante Mobilitätsentwicklung, der demografische Wandel und die Vorgaben einer Siedlungsentwicklung nach innen, um nur einige zu nennen. Am Beispiel der Stadt Uster, die stark mit dem Nutzungsdruck auf das Naherholungsgebiet Greifensee zu kämpfen hat, erläuterte Golz die Neuerschliessung von stadtnahem Wald als alternativen Erholungsraum.

Wenn Häuser grün werden

Die Vertical Forests von Stefano Boeri Architetti an Hochhäusern in Mailand stellen neuartige Beispiele von ökologischen Wohnbauten dar. Die Parkspezialistin Laura Gatti zeigte auf, wie die vertikale Verdichtung der Natur innerhalb der Stadt und an Gebäuden zur Regeneration der Umwelt und der urbanen Biodiversität beiträgt. Nach den gemachten Erfahrungen mit dem «Bosco Verticale» in Mailand wird das Konzept der Gebäudebegrünung durch zahlreiche weitere Projekte in die Welt getragen. Funktionieren soll diese Art der Wohnform nicht nur im Luxussegment, sondern auch im sozialen Wohnbau – von Mexico bis China.

Qualität sicherstellen und Entwicklung ermöglichen

Wie öffentliche Grünräume nachhaltig weiterentwickelt und deren Qualitäten langfristig erhalten werden können, zeigte Yvonne Aellen, Leiterin des Grünflächenunterhalts der Stadt Basel auf. In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Freiraummanagement der ZHAW entstand in den letzten drei Jahren ein griffiges Tool, das dies ermöglicht. In der Umsetzung ist jedoch nicht die Informatik der entscheidende Faktor, sondern der disziplinenübergreifende Diskurs zwischen den verschiedenen Fachstellen in einer Stadt: Naturschutz, Planung und Unterhalt tauschen sich gemeinsam vor Ort in den Parkanlagen aus und entwickeln eine gemeinsame Strategie für die künftige Freiraumentwicklung.

Fazit der Tagung: Im Stafettenlauf durchs Stadtgrün ergeben sich verschiedene Hürden, und im Vordergrund steht der Dialog zwischen den Beteiligten. Dies demonstrierten die gelungenen Beispiele der Präsentationen: Gemeinsam initiiert, qualitätsvoll entwickelt und langfristig erhalten.

Die nächste Tagung Grünflächenmanagement findet am 7. November 2019 statt.

Weitere Informationen: www.zhaw.ch/iunr/freiraummanagement

Downloads (Bilder © ZHAW)

Fachkontakt Medien

Florian Brack, Leiter Forschungsgruppe Freiraummanagement, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management, Wädenswil. 058 934 59 26, florian.brack@zhaw.ch

Medienstelle ZHAW, Wädenswil

Cornelia Sidler, Media Relations Departement Life Sciences und Facility Management, ZHAW / Wädenswil. 058 934 53 66, cornelia.sidler@zhaw.ch