Botanische Grundbegriffe

Blattstellung
Blattrand
Blütensymmetrie
Blütenhülle
Fruchtknotenstellung

Der hier gesammelte Grundstock an botanischen Begriffen ist essenziell für die Beschreibung von Blütenpflanzenarten, -gattungen und -familien. Nachfolgend an die Begriffserklärungen folgen Links auf Lern-Sets von Quizlet, mit denen die Merkmale am Computer, Smartphone oder Tablet geübt werden können. Die Modi «Flashcards» (Karteikarten), «Learn» (Tastatureingabe) und «Test» (gemischte Fragen) sind empfehlenswert. Die Lern-Sets sind auch mit der kostenlosen App «Quizlet» nutzbar (in der App funktioniert auch das Zuordnungsspiel «Match» einwandfrei). Sobald Sie sich mit der Bedeutung der Begriffe vertraut fühlen, empfiehlt es sich sehr, auf lebendige Pflanzen zu wechseln. Gehen Sie davon aus, dass alle hier aufgeführten Merkmale bei allen blühenden Pflanzen eindeutig erkennbar sind. Manchmal muss man dazu die Blüten zerzupfen und mit einer Lupe betrachten. Nehmen Sie sich Zeit für die botanischen Grundbegriffe: Sattelfestigkeit in diesen Merkmalen ist eine wichtige Voraussetzung, um Pflanzen erfolgreich zu bestimmen.

Vegetative Merkmale (Blattmerkmale)

Blattstellung

Die Blattstellung bezeichnet die Art und Weise, wie die Blätter am Stängel angeordnet sind. 

Bei gegenständigen Blättern stehen sich stets zwei Blätter auf gleicher Höhe gegenüber. Basilikum, Thymian und Minzen haben gegenständige Blätter (wie alle Arten der Lippenblütler). Wenn sich mehr als zwei Blätter gegenüberstehen, so spricht man von quirlständigen Blättern. Solche Blattquirle sind für alle Labkrautarten typisch. Wenn die Blätter einzeln stehen, also über keine auf gleicher Höhe gegenüberstehenden Pendants verfügen, so spricht man von wechselständiger Blattstellung, wie es bei Rosen und Gräsern zu beobachten ist. 

Übrigens, auch wenn kein Stängel vorhanden ist, lässt sich die Blattstellung von, sogenannt grundständig, in direkt auf der Bodenoberfläche sitzenden Blattrosetten erahnen: Dazu betrachtet man die jungen Blätter in der Mitte einer Rosette. Wenn diese stets in Paaren von zwei gleich grossen Blättern stehen, ist die Blattstellung der Pflanze gegenständig (so in Rosetten des Enzians oder des Feldsalats). Wenn die jungen Blätter spiralig angeordnet sind und nicht über gleich grosse «Geschwister» verfügen, so ist die Blattstellung wechselständig (so in Rosetten des Löwenzahns oder des Kopfsalats).

Blattrand

Oft sind Blätter am Rand mit feinen Zacken oder Kerben versehen. Einen solchen Blattrand nennt man gezähnt. Brennnesseln beispielsweise haben deutlich und grob gezähnte Blätter. Wenn der Blattrand unversehrt und glatt ist, so ist das Blatt ganzrandig. Alle Nelkengewächse haben ganzrandige Blätter.

Nebenblätter

Bei manchen Pflanzen sind rechts und links von der Anwachsstelle eines Blatts zwei, meist kleine, blattähnliche, sogenannte Nebenblätter vorhanden. Schmetterlingsblütler verfügen über Nebenblätter, während Kreuzblütler keine Nebenblätter haben. Junge Triebe, die sich ebenfalls an der Anwachsstelle von Blättern entwickeln, führen manchmal zu Verwechslungen mit Nebenblättern. Die Unterscheidung ist jedoch einfach: Die beiden Nebenblätter entspringen zwei Punkten, die seitlich der Blattanwachsstelle liegen, während die Blätter von jungen Trieben immer aus einem Punkt, der Blattachsel, entspringen.

Blattformen

Die Vielfalt der Blattformen ist enorm. Im Folgenden werden die wichtigsten Konzepte zur Beschreibung von Blattformen (teils vereinfacht) erklärt. 

Ungeteilte Blätter: die Form beim Namen nennen 

Zur Beschreibung der Form von ungeteilten Blättern verwendet man meist Begriffe, unter denen sich auch Nicht-Botaniker etwas vorstellen können, z.B. grasartig, lanzettlich (= schmal, unten und oben eher spitz), eiförmig, rautenförmig, dreieckig, nierenförmig, oval, rundlich etc. 

Geteilte Blätter: handförmig und fiederteilig 

Geteilte Blätter haben mehr oder weniger tiefe Einschnitte. Verlaufen die Einschnitte  radiär, so spricht man, in Analogie zu unseren Händen, von handförmigen Blättern. Ahornblätter gehören zur Gruppe der handförmigen Blätter. Verlaufen die Einschnitte mehr oder weniger senkrecht zu einer zentralen Achse, so spricht man, in Analogie zum Aufbau einer Vogelfeder, von fiederteiligen Blättern. Beispiele dafür sind die Blätter von Eichen und Löwenzahn. 

Zusammengesetzte Blätter: gefingert und gefiedert 

Zusammengesetzte Blätter bestehen aus mehreren Teilblättern, deren Blattflächen nicht miteinander verwachsen sind. Die einzelnen Teilblätter lassen sich also auszupfen, ohne dass die Blattfläche des restlichen Blatts beschädigt wird. Wiederum kann man die Hände und Vogelfedern als Analogien beiziehen. Entspringen alle Teilblätter einem Punkt, so spricht man von einem gefingerten Blatt (Analogie: Es sind nur die Finger vorhanden, hingegen keine verbindende Handfläche). Hanfblätter sind z.B. gefingert. Ein gefingertes Blatt, das nur aus drei Teilblättern besteht (z.B. ein Kleeblatt), nennt man dreizählig. Wenn die Teilblätter entlang einer Achse angeordnet sind, so spricht man von gefiederten Blättern. Ist an der Spitze des Blatts ein einzelnes Teilblatt vorhanden, wie bei den Blättern der Esche, so ist das Blatt unpaarig gefiedert. Fehlt das alleinstehende Teilblatt an der Spitze, spricht man von einem paarig gefiederten Blatt (z.B. bei Wicken, wo an der Spitze eine Ranke statt eines Teilblatts ausgebildet ist). Sind nun an der zentralen Achse eines gefiederten Blatts wiederum Achsen angeheftet, an denen erst die Teilblätter befestigt sind, ist das Blatt mehrfach gefiedert (in beschriebenen Fall zweifach). Zum Beispiel haben Karotten mehrfach gefiederte Blätter.

Generative Merkmale (Blütenmerkmale)

Blütensymmetrie

In aktinomorphen Blüten sind die Blütenblätter radiär, wie die Speichen eines Rads, angeordnet. Solche Blüten nennt man auch radiärsymmetrisch. So haben Nelken und Rosen aktinomorphe Blüten. In zygomorphen Blüten sind die Blütenblätter wie die Flügel eines Schmetterlings an einer einzelnen zentralen Symmetrieachse ausgerichtet. Synonym wird auch der Begriff monosymmetrisch verwendet. Orchideen und Lippenblütler haben zygomorphe Blüten.

 

 

Zähligkeit von Blüten

Die Zähligkeit einer Blüte bezeichnet die Anzahl Blütenblätter pro Blütenblattkreis. Häufig sind drei-, vier- und fünfzählige Blüten (aber auch zwei- oder achtzählige Blüten existieren). Dreizählige Blüten sind bei einkeimblättrigen Pflanzen verbreitet. Oft haben diese insgesamt 6 Blütenblätter (Perigonblätter, siehe Blütenhülle), die in einem äusseren und einem inneren Kreis à je 3 Blütenblätter angeordnet sind (dies ist bei Lilien gut zu beobachten). Vierzählige Blüten sind bei den Kreuzblütlern und Nachtkerzengewächsen zu beobachten und fünfzählige Blüten sind bei Rosengewächsen häufig.

Blütenhülle

Die Blütenhülle ist der Teil der Blüte, welcher die der Fortpflanzung dienenden Organe (Staub- und Fruchtblätter) einhüllt. 

Eine doppelte Blütenhülle besteht aus (meist grünen) Kelchblättern und (meist farbenfrohen) Kronblättern, wie es bei Rosen der Fall ist. 

Eine einfache Blütenhülle besteht aus nur einer Sorte von Blütenblättern, den sogenannten Perigonblättern. Tulpen haben z.B. nur eine einfache Blütenhülle.

Verwachsung der Kronblätter

Bei Blüten mit einer freien Krone sind die Kronblätter nicht miteinander verwachsen und lassen sich einzeln auszupfen. Zum Beispiel haben Kirschblüten freie Kronblätter, die nach der Blüte einzeln abfallen und im Frühling nach der Blütezeit an Schneefall erinnernde Szenen schaffen. 

In Blüten mit verwachsenen Kronblättern lassen sich diese nicht einzeln auszupfen, ohne dass man die Blüte beschädigt, und die Krone fällt nach der Blüte als Ganzes ab oder bleibt an der reifenden Frucht hängen. Bei Glockenblumen sind die zu einer breiten Röhre verwachsenen Kronblätter gut zu erkennen.

Fruchtknotenstellung

Der Fruchtknoten ist der zentrale Teil der Blüte, der sich nach der Befruchtung zur Frucht entwickelt. 

Liegt der Fruchtknoten nun oberhalb der Linie, an der die Blütenhülle angewachsen ist (d.h. der Fruchtknoten sitzt in der Blütenhülle), so spricht man von einem oberständigen Fruchtknoten. Die Tomaten entwickeln sich aus einem oberständigen Fruchtknoten. Anhand der grünen, an der Tomate verbleibenden Kelchblätter ist dies nachvollziehbar. 

Liegt der Fruchtknoten unterhalb der Linie, an der die Blütenhülle angewachsen ist (d.h. der Fruchtknoten ist von aussen, unter der Blüte, ersichtlich), so spricht man von einem unterständigen Fruchtknoten. Zucchini entstehen aus unterständigen Fruchtknoten: Der raue Punkt an den Spitze der Zucchini ist eine Narbe, die von der abgefallenen Blüte zeugt.

Blütenstände

Der Blütenstand beschreibt die charakteristischen Geometrien, nach der eine Gruppe von Blüten angeordnet ist. Sind die Blüten nicht in Gruppen angeordnet, so spricht man von Einzelblüten

Entlang einer Achse: Ähren und Trauben 

Sitzen die Blüten direkt auf einer gemeinsamen Achse, so spricht man von einer Ähre, wie es bei Kornähren der Fall ist. Wenn nun die Blüten nicht sitzen, sondern mit Blütenstielen mit einer Achse verbunden sind, so liegt eine Traube vor, wie in den Blütenständen der Traubenkirsche oder der Glyzinie (Achtung: Weintrauben sind in Rispen angeordnet!). 

Einem Punkt entspringend: Dolden 

Eine Dolde zeichnet dich dadurch aus, dass alle Blütenstiele von einem einzelnen Punkt ausgehen. So sind die kugeligen Blütenstände aller Laucharten einfache Dolden. Wenn sich dieses Muster wiederholt, so spricht man von einer doppelten Dolde, bei der von einzelnen Punkten mehrere Stängel ausgehen, an deren Enden sich wiederum einfache Dolden befinden. Alle Arten der Familie Doldenblütler haben Dolden (meist doppelte, manche auch einfache oder gar dreifache). 

Mehrfach verzweigt: Rispen 

Bei mehrfach verzweigten Blütenständen, die nicht die strenge Geometrie von Trauben oder Dolden erfüllen, spricht man von Rispen. Weintrauben sind beispielsweise in Rispen angeordnet (während die Rispentomaten im Kaufhaus in Trauben – entlang einer Achse – angeordnet sind). Eine Spezialform der Rispe ist die Spirre, bei der die zentrale Blüte im Blütenstand von allen anderen Blüten überragt wird (zumindest, wenn man die Rispenäste nach oben beugt). Spirren sind bei den Binsengewächsen weit verbreitet. 

Eine grosse Blüte imitierend: Pseudanthium (Körbchen) 

Eine Sonnenblume besteht aus Hunderten kleiner Einzelblüten, die auf einem Blütenboden zu einem sogenannten Pseudanthium vereinigt sind. So ist jeder gelbe Strahl der Sonnenblume eine einzelne (Zungen-)Blüte und die braune Fläche in der Mitte der Blume besteht aus sehr zahlreichen kleinen (Röhren-)Blüten. Auch alle weiteren Arten der Familie der Korbblütler (z.B. Löwenzahn, Disteln und Margeriten) haben Pseudanthien als Blütenstände. Ein häufiges Synonym für Pseudanthium ist Körbchen.