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Dekarbonisierung des Schweizer Energiesystems

Prototyp eines interaktiven Modells

Wie erreicht die Schweiz die Ziele des Pariser Abkommens?

In einem interaktiven Modell können Benutzer die prozentualen Anteile der verschiedenen Energieträger für Mobilität und Gebäudeenergie für ein Zieljahr zwischen 2030 und 2050 festlegen. Das Modell rechnet nach jeder Änderung sofort den Strombedarf, den CO2-Ausstoss der Schweiz und die resultierende globale Erwärmung.  

Das Simulationsmodell soll beim Benutzer die Verständnisse für die Zusammenhänge zwischen einzelnen Energieträgern, dem CO2-Ausstoss und dem Strombedarf wecken und vertiefen. Ein vereinfachter Prototyp des Simulationsmodells kann auf dem Computer installiert werden und ist für ausgewählte Testpersonen auch online verfügbar. Im Oktober 2019 wurde der Prototyp an der Publikumsmesse OLMA an einem Sonderstand erprobt.

Zielpublikum

Das Modell richtet sich an Entscheidungsträger, Politiker und Einwohner der Schweiz, welche sich damit interaktiv den CO2-Ausstieg selber zusammenstellen können und so erleben, dass wir rasch handeln und Energie-Einsparungen sowie den Zubau von erneuerbaren Energien stark forcieren sollten. Dabei soll insbesondere der Importbedarf von Energie (Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit) und die Kompatibilität mit den Zielen des Übereinkommens von Paris (CO2-Ausstoss, Klimaerwärmung und deren Effekte) im Vordergrund stehen.

Motivation für dieses Tool

Das 1.5-Grad Ziel beim Klimawandel bzw. die Übereinkunft von Paris verlangen eine vollständige Dekarbonisierung des Energiesystems der Schweiz bis zum Jahr 2030 (oder je nach Quelle bis 2040). Die Schweizer Energiepolitik richtet sich heute aber nach der Energiestrategie 2050, welche primär den Ersatz von Strom aus Atomkraftwerken, aber nicht die erforderliche Dekarbonisierung des Energiesystems beinhaltet. Dies führt dazu, dass die Ziele der Schweizer Energiepolitik nicht kompatibel sind mit den Zielen der Schweizer Klimapolitik. Dieser Umstand ist der Bevölkerung, der Schweizer Politik und selbst der Energiebranche weitgehend unbekannt. Gegner von Windkraftwerken argumentieren zum Beispiel häufig, dass die Schweiz schon heute mehr als genug Strom habe und deshalb keine weiteren Kraftwerke benötige…

Begründung für die Erstellung eines interaktiven Modells

Die Schweizer Energiepolitik wird stark von Lobbyisten geprägt. Dies ist einer der Gründe, weshalb Aufrufe zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zur Substitution der fossilen Energieträger wenig Wirkung zeigen. Als Resultat davon gehört die Schweiz heute in Europa gemessen an der Stromproduktion aus Photovoltaik und Windenergie pro Kopf zu den Schlusslichtern. In Deutschland ist diese Produktion pro Kopf 8.5 Mal, in Österreich und Belgien 4 Mal, in Holland und Italien 3.5 Mal so hoch wie in der Schweiz. 

Es braucht bei den Stakeholdern ein Bewusstsein, dass wir das Energiesystem wesentlich rascher als ursprünglich geplant umstellen müssen, wenn wir unsere klimapolitischen Zielsetzungen wahr­nehmen wollen.

Normalerweise wird in einem Bericht eine fertige Lösung vorgestellt und diese intensiv beworben. Dabei geht es häu­fig eher um die Glaubwürdigkeit des Nachricht-Überbringers anstatt um die Nachricht selber. Dies möchten wir ändern: Bei dem von uns vorgeschlagenen Vorgehen sollen sich die Stakeholder mit den Daten und Fakten selber auseinandersetzen und sich so ihre eigene Meinung bilden können – losgelöst von Lobbyis­ten. Das Projekt folgt der Erkenntnis des Philosophen Konfuzius:

“Tell me – and I will forget,
Show me – and I will remember
Involve me – and I will understand.”

Mit dem Prototyp soll aufgezeigt werden, was mit der interaktiven Plattform geschaffen werden soll um die Diskussion vereinfachen. Letztendlich soll aber ein wesentlich weitergehendes Tool entwickelt werden.

Weiterführende Informationen

Rohrer, J., & Sperr, N. (2018). Die Folgen der Dekarbonisierung des Energiesystems auf die Schweizer Stromversorgung. Schriftenreihe Erneuerbare Energien, Bodenökologie und Ökotechnologie, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.