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Wortgeschichten

2021

Platz 1: Impfdurchbruch
Die Impfung sollte den Durchbruch bei der Pandemie bringen und die Normalität wieder herstellen. So wurde es uns gesagt. Das Virus lässt sich aber nicht einfach wegimpfen, vielmehr bricht es immer wieder durch – sei es mit neuen Varianten oder eben mit sogenannten Impfdurchbrüchen. Die Menschen reagieren unterschiedlich darauf: Bei vielen beginnt Wut auszubrechen, einigen bricht der Boden unter den Füssen weg und sie geraten in eine Depression, während andere auf den Befreiungsschlag durch den Booster hoffen, der endlich den ersehnten Durchbruch bringen soll.

Platz 2: Starkregen
Auch wer mit wasserfesten Schuhen, funktionaler Regenbekleidung und Schirm unterwegs war, wurde nass in diesem Jahr. Die Meteorologen warnten uns alle paar Tage vor Starkregen, der ganze Landstriche im Wasser untergehen liess. Der Schweizer Sommer war geprägt von ungewöhnlich häufigen, sintflutartigen Regenfällen, während in anderen Teilen Europas täglich Hitzerekorde gebrochen wurden. All dies hat die Debatte um die Klimaerwärmung intensiviert, mit der bei uns, gemäss Voraussagen, vermehrt starker Regen herrschen wird.

Platz 3: entfreunden
Freundschaften wurden durch die Impfdebatte auf eine harte Probe gestellt. Plötzlich taten sich unüberwindbare Gräben auf zwischen Impfwilligen und Impfverweigerern. So unvereinbar und unverhandelbar schienen die Standpunkte in manchen Fällen, dass man sich entfreundete. Das Wort, das mit dem Aufkommen von Social Media geläufig wurde, bezeichnet das Aufkünden der Freundschaft durch Anklicken eines Buttons. Entfreundet hat man sich aber nicht nur im Privaten: Das Virus hat auch im gesellschaftlichen Gefüge zu Brüchen geführt.

2020

1. Platz: systemrelevant
Applaus und Überlastung, Streikgedanken und Abgrenzungsfragen – Unruhe kommt ins System mit der Einstufung des Bundesrates, welche Sektoren unabdingbar sind für das Wohlergehen der Gesellschaft und das Funktionieren der Wirtschaft. Überlange Arbeitszeiten einerseits, Kurzarbeit und zunehmende Konkurse anderseits führen zu verschiedenen Forderungen: höhere Grundlöhne, mehr Anerkennung und finanzielle Entschädigungen für die coronabedingten Ausfälle. Und gleichzeitig beschäftigt die Frage: Sind wir nicht alle relevant in diesem System?

2. Platz: Maskensünder
Wer ohne Gesichtsmaske unterwegs ist, wird als Maskensünder bezeichnet. Denn es gilt eine schweizweite Maskenpflicht, ohne Wenn und Aber, unübersehbar, unüberhörbar. Um uns gegenseitig zu schützen, sollen wir Hygienemasken, industriell gefertigte Textilmasken oder medizinische Gesichtsmasken tragen, die Mund und Nase bedecken. Während die einen die Maske als zentrale Massnahme in der Pandemiebekämpfung erachten, sehen die anderen darin einen Eingriff in ihre persönliche Freiheit. So oder so: Gebüsst wird, wer oben ohne ist.

3. Platz: stosslüften
Es zieht durch die Zimmer und Gänge, durch die Haare pfeift ein eisiger Wind – wir sind am Stosslüften. Was bisher von Vermietern in der kalten Jahreszeit propagiert wurde, um Heizkosten zu sparen, erfährt eine neue Bedeutung in der Coronakrise. Vor allem in den Schulen müssen die Zimmer vermehrt gelüftet werden, um das Ansteckungsrisiko zu mindern. Die Kinder lernen dabei en passant, dass es sich auch besser denken lässt mit frischer Luft. Und so denken sich wohl viele, die nun leicht fröstelnd hinter ihrer Maske im Durchzug sitzen, wie schön es sein wird zurück in der Normalität.

2019

1. Platz: Klimajugend
In ernster Besorgnis rufen die Jugendlichen in der Schweiz dazu auf, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Und sie haben Biss, Schlagkraft und Ausdauer wie Greta Thunberg: Immer wieder bringen sie Zehntausende auf die Strasse zum Klimastreik. Viele von ihnen wollen auf breiter Front einen Umdenkprozess anstossen und gemeinsam Wege aus der Klimakrise finden, zusammen mit Politikern, Wissenschaftlern und der Bevölkerung. Denn die Jugendlichen wissen: Das Klima geht uns alle an und es bestimmt, wie ihre Zukunft aussieht.

2. Platz: OK Boomer
Kurz und bestimmt. OK Boomer ist die Antwort darauf, wenn sich eine Person aus der Babyboomer-Generation abwertend und herablassend über die Meinung einer jüngeren Person äussert. Er taucht in den letzten Jahren vereinzelt auf und verbreitet sich rasch ab Oktober, unter anderem ausgelöst durch den Zwischenruf in einer Klimadebatte: Ein Babyboomer unterbricht eine junge Rednerin, die mit „OK Boomer“ quittiert. Totschlagformulierung oder Einforderung von Respekt? Fest steht: Alt und Jung wollen gehört sein und ernst genommen werden.

3. Platz: Flugscham
Fliegen oder nicht fliegen? Flugscham wird 2019 zum Thema; das Wort bezeichnet die Scham darüber, trotz Klimawandel nicht auf Flugzeugreisen zu verzichten. Im Wort Flugscham verbindet sich Reiselust mit Klimakrise, setzt Globalisierung ihren ökologischen Fussabdruck, verzahnen sich Flugmeilenprämien mit Gewissensbissen. Die Zahlen zum Reisen über den Wolken sprechen eine deutliche Sprache: Die Anzahl der Flugpassagiere steigt weltweit kontinuierlich an. Flugscham breitet sich währenddessen überall aus, bei den Babyboomern und der Klimajugend.

2018

1. Platz: Doppeladler
Jubelnd formen Fussballspieler der Schweizer Nationalmannschaft im Spiel gegen Serbien mit ihren Händen den Doppeladler, der auf der Flagge Albaniens abgebildet ist. Dies führt zu heftigen Diskussionen, die weit über den Fussball hinaus reichen. Im Doppeladler konzentrieren sich so hochaktuelle und tiefgründige Themen wie Polarisierung und Ausgrenzung, Nationalismus und die Loyalität von Doppelbürgern. Der Doppeladler hat 2018 weite Kreise gezogen und ist im Alltag der Schweiz gelandet; die Debatten darum werden uns noch lange beschäftigen.

2. Platz: Rahmenabkommen
Verhandlungen über ein institutionelles Rahmenabkommen mit der EU dauern seit 2014 an. Festgelegt werden soll, wie die Schweiz Neuerungen des EU-Rechts übernimmt, ohne immer wieder nachverhandeln zu müssen. Während es Widerstand von Gewerkschaften sowie Kritik der Parteien von links bis rechts gibt, strebt der Bundesrat noch in diesem Jahr einen Durchbruch an. Das Rahmenabkommen beschreibt einen langfristig bedeutsamen politischen Prozess, der aber für viele nicht begreifbar ist – und damit den Rahmen der Vorstellung sprengt.

3. Platz: 079
Das Lied 079 wurde Anfang 2018 veröffentlicht und erzählt von einem Mann, der sich in die Telefonistin der Auskunft verliebt. Er fragt nach ihrer Telefonnummer, erhält aber nur die Vorwahl 079. Er gibt nicht auf und nach tausenden durchgewählten Rufnummer-Kombinationen hört er endlich ihre Stimme – da überfährt ihn das Tram. Tragische Liebesgeschichte, Zeichen der Zeit oder sexistisch: Der Song wühlt auf und es entsteht eine Debatte über Stalking, Sexismus, Gleichberechtigung und Gewalt an Frauen, die anschliesst an #metoo.

2017

1. Platz: #metoo
Das Wort wirkt 2017 wie kein zweites. Es zeigt an; es zieht lange Verdrängtes ins Licht, es schliesst soziale Medien und öffentlichen Diskurs kurz. So findet es innert Tagen vom Filmgeschäft in Hollywood in den Alltag hier und jetzt – auch in der Schweiz. Hier ist #metoo das Wort, das sich 2017 viral verbreitet hat.

2. Platz: weglachen
Lachen, wo andere ernst sein oder weinen möchten; mit gespielter Heiterkeit ablenken vom Unbequemen – “weglachen” bezeichnet sozusagen die Wurzel von Problemen der Machart #metoo. Wer etwas weglacht und damit ins Lächerliche zieht, versucht, sich der Sache nicht stellen zu müssen. Das Wort ist noch jung und hat 2017 Eingang in den mündlichen Diskurs gefunden.

3. Platz: Influencer
Bis vor kurzem galt es als hip, “Influencer” zu sein. Man bezeichnete sich selbst öffentlich inflationär als Influencer. 2017 wird deutlich: Wer seine Follower auf Social Media bewusst beeinflusst und damit Geld verdient, missbraucht Vertrauen und manipuliert. Das Wort bleibt zwar, sein Beigeschmack aber hat sich 2017 zum Negativen verschoben.