Translation is a right – NPIT3 am IUED

In Zeiten von Flüchtlingsströmen und globalisierter Arbeitswelt ist nicht-professionelles Dolmetschen und Übersetzen eine tägliche Realität. Vom 5. bis 7. Mai trafen sich rund 130 TeilnehmerInnen aus 17 Ländern am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW zur 3rd International Conference on Non-Professional Interpreting and Translation (NPIT3).

Expertinnen diskutieren die Wege, aktuellen Praktiken  und Entwicklungen von Non-Professional Interpreting and Translation - v.l. Barbara Moser-Mercer,  Minako O’Hagan, Ulrike Fuehrer, Sylvia Kalina.
Expertinnen diskutieren die Wege, aktuellen Praktiken und Entwicklungen von Non-Professional Interpreting and Translation - v.l. Barbara Moser-Mercer, Minako O’Hagan, Ulrike Fuehrer, Sylvia Kalina.

Nicht-professionelles Dolmetschen und Übersetzen (NPIT) wird überall praktiziert; sei es in Krisen- und Konfliktzonen, in Flüchtlings- und Migrationskontexten, in Familien, Schulen, Spitälern, Gerichtssälen, Kirchen und Behörden, sei es, wenn Kinder für ihre Eltern, Pflegepersonal für PatientInnen übersetzen oder – bestens organisierte –  Fan-Translators/-subbers ihre Lieblingssoaps und -games untertiteln und übersetzen.

Forschende, PraktikerInnen, AusbilderInnen, Studierende und VertreterInnen von Verbänden und Sprachendiensten aus aller Welt diskutierten verschiedene Arten des NPIT wie Fan-Translation, Crowdsourcing und Fansubbing, humanitäres Dolmetschen, Public Service Interpreting oder Sprachmittlung durch Kinder in Schulen. Die zahlreichen Präsentationen beleuchteten nicht-professionelles Dolmetschen und Übersetzen aus gesellschaftlicher, ethischer, methodologischer, qualitativer und kompetenzorientierter Perspektive.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion standen Fragen der Kompetenzerweiterung, Professionalisierung, Entschädigung und Zertifizierung von «Laien»-Dolmetscherinnen und -Übersetzern im Public-Service und im humanitären Bereich im Zentrum. Wie schon im Laufe der Konferenz wurde deutlich, dass die Begriffe «nicht-professionell» und «professionell» hinsichtlich Kompetenz, Expertise, Motivation und Selbstbild zunehmend verschwimmen und genauer definiert werden müssen.

«To improve standards for the sake of all stakeholders» fasste Conference Chair Gary Massey das Ziel aller wissenschaftlichen Bemühungen um NPIT zusammen. Und dies nicht zuletzt aus gesellschaftspolitischen Überlegungen. Denn, wie Urs Willi, Direktor des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW, in seiner Grussbotschaft betonte, wird die Frage der Finanzierbarkeit gut ausgebildeter DolmetscherInnen z.B. in Spitälern oder bei Gericht, wo die Qualität der Übersetzung über Menschenschicksale entscheidet, nicht wissenschaftlich, sondern politisch entschieden. In diesem Sinn hat eine Konferenz wie NPIT3 eine durchaus politische Dimension.

Mit ihrer praktischen Ausrichtung bot die Tagung den TeilnehmerInnen «Inspiration and knowledge» ebenso, wie «Orientation for the daily interpreting routine». Dies nur zwei Aussagen, die auf den Feedback-Postern zu lesen waren.

Ausgewählte Beiträge wurden von Master-Studierenden der Vertiefung Konferenzdolmetschen des Masters Angewandte Linguistik ins Englische und ins Deutsche verdolmetscht. Die nächste NPIT-Konferenz findet 2018 in Südafrika statt.

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