BFE-Direktor: «Wir wollen den Dialog»

Das Bundesamt für Energie BFE möchte die institutionelle Zusammenarbeit mit der ZHAW systematisieren. Dies liess BFE-Direktor Walter Steinmann am 27. Januar anlässlich eines Besuchs an der ZHAW verlauten.

BFE-Direktor Walter Steinmann (rechts) und ZHAW-Rektor Jean-Marc Piveteau

«Mir geht es darum, zu systematisieren, was bisher in Einzelprojekten geschah. Und systematisieren heisst für mich, sich periodisch zu treffen.» So äusserte sich Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie BFE, anlässlich eines Besuchs an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften am 27. Januar. Das Treffen hatte stattgefunden, um der BFE-Delegation aus Bundesbern die vielen Initiativen im Bereich Energieforschung vorzustellen und Möglichkeiten der vertieften Zusammenarbeit zu diskutieren. Laut Steinmann ist es wichtig zu schauen, auf welchen Ebenen eine noch engere Zusammenarbeit und ein besserer Austausch stattfinden kann. «Wir suchen die Nähe zu Hochschulen. Wir wollen den Dialog, das ist klar.»

Energieforschung soll im Zentrum stehen

Aktuell sind an der ZHAW zehn Forschungsprojekte mit dem BFE am Laufen. «Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und die Qualität stimmt», so Philippe Müller, Leiter der Sektion Cleantech am BFE. Die Politik sei darauf angewiesen, dass die Wissenschaft Antworten auf anstehende Herausforderungen liefere, erklärte Steinmann. Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sei klar gewesen, dass dies der Ausgangspunkt für eine Forschungs- und Innovationsinitiative sein müsse. «Wir meinen: Die Einbindung der Hochschulen ist ein wichtiger Teil des Ziels, das wir erreichen wollen. Denn wir glauben daran, dass nicht nur die Politik im Zentrum stehen soll, sondern auch die Forschung.»

Gerade im Bereich Energie bringt die ZHAW beste Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit mit. Vor gut drei Jahren hat die Hochschulleitung das Thema Energie zu einem wichtigen Pfeiler der ZHAW-Forschung erklärt. Jedes Jahr laufen im Schnitt etwa 80 Projekte im Energiebereich. Daran sind durchschnittlich etwa 20 Institute beteiligt und um die 50 Forschende. Bereits jetzt ist die ZHAW als sogenannt strukturell-geförderter Partner an vier von insgesamt acht schweizweiten Energieforschungs-Konsortien, den Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER), beteiligt sowie an beiden Nationalen Forschungsprogrammen (NFP 70 «Energiewende» und NFP 71 «Steuerung des Energieverbrauchs»). Bei den nationalen Programmen fokussiert die ZHAW vor allem auf SCCER CREST, weil die Mehrspartenhochschule dort ihre Stärken am besten ausspielen kann. Das Kompetenzcenter CREST forscht im Bereich Ökonomie, Umwelt, Recht und Verhalten. Ein Ziel der ZHAW ist es dabei insbesondere auch, die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Hochschule zu fördern.

Inputs aus dem nicht technischen Bereich

Durch die Energieinitiative an der ZHAW werden auch nicht technische Departemente bei ihren Forschungstätigkeiten unterstützt. Das Departement Angewandte Linguistik möchte zum Beispiel eine Auswahl an Diskursen zur Energie untersuchen. Dazu soll ein Textkorpus zusammengestellt und mit Methoden der Korpuslinguistik untersucht werden. Denkbar wäre zum Beispiel, auf diesem Wege Informationen zu Energie-Vorbildern von Jugendlichen herauszudestillieren. Auch das Departement Angewandte Psychologie forscht im Energiebereich – beispielsweise zum Thema Nudging. Bei diesem «Anschubsen» geht es darum, wie jemand ohne den mahnenden Zeigefinger dazu gebracht werden kann, Energie zu sparen. Marianne Zünd, Leiterin der Abteilung Medien und Politik am BFE, bestätigt, dass gerade auch solche Projekte wichtig sind: «Nudging ist etwas, was wir mit EnergieSchweiz seit zehn Jahren versuchen. Ich verspreche mir sehr viel von den Inputs der ZHAW.»