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Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation

Im Projekt «Konzept und Aufbau eines Schweizer Zentrums für Barrierefreie Kommunikation» schafft das Departement Angewandte Linguistik der ZHAW in Zusammenarbeit mit der Universität Genf wichtige Grundlagen für einen barrierefreien Zugang zu Bildung und Studium an allen Schweizer Hochschulen.

Das Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation unterstützt Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen und SprecherInnen mit geringen Kenntnissen der Ortssprache mit Methoden der Barrierefreien Kommunikation (BfK), damit sie Zugang zu Informationsquellen in allen Lebensbereichen erhalten, und will ihnen eine uneingeschränkte Kommunikation ermöglichen.

Aktuelles

Was ist Barrierefreie Kommunikation?

In einer idealen Welt lässt sich Barrierefreie Kommunikation (BfK) dadurch definieren, dass ein Ausgangstext, sei er nun gesprochen, geschrieben oder als Film dargestellt, für alle Menschen vollständig zugänglich und verständlich ist.

Für das noch junge Forschungsgebiet BfK liegen bereits mehrere Definitionen vor. Eine aus unserer Sicht umfassende Definition der BfK wird von der Universität Hildesheim zur Verfügung gestellt:

«Barrierefreie Kommunikation umfasst alle Maßnahmen zur Eindämmung von Kommunikationsbarrieren in unterschiedlichen situationalen Handlungsfeldern. Kommunikationsbarrieren können mit Blick auf die Sinnesorgane und/oder die kognitiven Voraussetzungen der Kommunikationsteilnehmer bestehen sowie mit Blick auf die sprachlichen, fachsprachlichen, fachlichen, kulturellen und medialen Anforderungen, die Texte an die Rezipientinnen und Rezipienten stellen.»

Entsprechend benötigen die Forschenden im Bereich BfK Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Zielgruppen sowie Modelle und Methoden, um Informationen barrierefrei aufzubereiten. Zu den Methoden gehören beispielsweise die Versprachlichung visueller Informationen (Audiodeskription und Audiointroduktion), die Übertragung von Lautsprache in Schriftsprache (Live-Untertitelung), die Verdolmetschung von Lautsprache in Gebärdensprache oder die Überführung sprachlich komplex kodierter Inhalte in einfachere Kodierungen (Leichte, Einfache und Bürgernahe Sprache).

Beschreibung des Projekts

Im Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation werden Erkenntnisse aus der Forschung und der Praxis sowie Rückmeldungen der Zielgruppen analysiert, strukturiert und zusammengeführt. Das Zentrum befindet sich noch im Aufbau und wird in naher Zukunft die Forschungsergebnisse des weiter oben beschriebenen Projekts umsetzen.

Methoden und Dienstleistungen

Audiodeskription, Audiointroduktion und Kombination von Methoden

Audiodeskription soll die Zugänglichkeit visueller Medien für Blinde und Sehbeeinträchtigte erhöhen: Filme, Bilder und andere visuelle Darstellungen werden in gesprochene Beschreibungen übersetzt.

Die Audiointroduktion kann vor dem Film als Text (Audiodatei oder für das Text-to-Speech System formatiert) zur Verfügung gestellt werden. Eine Audiointroduktion empfiehlt sich auch, wenn im Film sehr viel gesprochen wird und der Originalton nicht übersprochen werden soll. Tests im Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation haben ergeben, dass ein Lehrfilm mit Audiointroduktion von Studierenden, die den Film nur hören, besser verarbeitet wird, als wenn keine Audiointroduktion zur Verfügung steht.

Eigene Projekte und Angebote

  • Masterstudierende der Vertiefung Fachübersetzen haben in Zusammenarbeit mit der Hörfilmredakteurin Dr. Eva-Maria Hinterwirth vom ORF die Audiodeskription des Spielfilms «Professor Love» erstellt. Die Ausstrahlung erfolgte am 30.07.2018 um 20:15 Uhr im Programm «Das Erste». Sehen Sie sich einen Outtake aus dem Film «Professor Love» an.
  • Dass Audiodeskriptionen auch in Schweizer Mundart erfolgen können, wird am Beispiel des Schweizer Films «Achtung, Fertig, WK!» ersichtlich. Sehen Sie sich einen Ausschnitt aus dem Film «Achtung, Fertig, WK!» an, dessen Audiodeskription in Zusammenarbeit von ZHAW-Studierenden mit dem SRF entstanden ist.

Schriftdolmetschen: Live-Untertitelung per Tastatur oder per Speech-to-Text

Für die Übersetzung von live gesprochener in geschriebene Sprache für Menschen mit Hörbehinderungen, die keine oder nur sehr geringe Kenntnisse der Gebärdensprache haben, bestehen zwei Methoden der Live-Untertitelung bzw. des Schriftdolmetschens: Das Respeaking (Schriftdolmetschen mit Speech-to-Text-, d.h. Diktier-Systemen) und das traditionelle Schriftdolmetschen, bei dem der gesprochene Text per Tastatur eingegeben und verschriftet wird.

Live-Untertitelung kommt beispielsweise bei Vorträgen, Diskussionen, Live-Sendungen im Fernsehen oder auch im Unterricht an Schulen oder Hochschulen zum Einsatz. In diesen Fällen ist nicht oder kaum im Voraus bekannt, was gesagt werden wird, daher kann nicht auf klassische, vorproduzierte Untertitel zurückgegriffen werden.

Eigene Projekte und Angebote

  • 2015 entwickelte die ZHAW in Kooperation mit pro audito schweiz erstmals einen Ausbildungsgang für SchriftdolmetscherInnen. 2019 wird eine Ausbildung für SchriftdolmetscherInnen vom IUED in Zusammenarbeit mit Swiss TXT angeboten. Bitte kontaktieren Sie für nähere Informationen das Weiterbildungssekretariat des IUED: weiterbildung.linguistik@zhaw.ch.
  • Anlässlich der Konferenz «Barrierefreie Kommunikation: Methoden und Produkte» waren an der ZHAW professionelle Live-Untertitlerinnen im Einsatz, die die Beiträge für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich machten.
Live-Untertitlerinnen im Einsatz

Leichte Sprache, Einfache Sprache und Bürgernahe Sprache

Fachtexte, Informationsbroschüren, aber auch Texte aus dem Alltag werden in leicht verständliche Texte übersetzt.

Eigene Projekte und Angebote

Gebärdensprache und Gebärdensprachendolmetschen

Gebärdensprachen (GS) sind voll ausgebaute funktionale Sprachen der visuell-gestischen Modalität. Sie stellen den natürlichen sprachlichen Ausdruck für Gehörlose (GL) dar. GS und das Gebärdensprachdolmetschen (GSD) ermöglichen Gehörlosen die gesellschaftliche Partizipation durch Sprache, insbesondere den Zugang zu Bildungsabschlüssen. Jedoch gibt es noch immer nicht genügend Dolmetschende sowie zu wenige Lehrpersonen, die GS als Unterrichtssprache verwenden (können). Daher studieren bislang nur wenige gehörlose und hörbehinderte Menschen.

Community Interpreting und Community Interpreting in Leichte Sprache

Community Interpreting
Community Interpreting, d.h. Behörden-, Gerichts- und Spitaldolmetschen, stehen in besonderem Masse für die Überwindung von Verständigungsbarrieren, vor allem in der mehrsprachigen Kommunikation mit MigrantInnen.

Community Interpreting in Leichte Sprache
Die Leichte Sprache und bestehende Regelwerke sind konzeptuell auf schriftliche Texte ausgerichtet. Dennoch wird in der Praxis bereits vereinzelt versucht, auch in Leichte Sprache zu dolmetschen. Es ist noch nicht erforscht, ob Community Interpreting in Leichte Sprache Menschen mit temporären kognitiven Beeinträchtigungen und Migrantinnen und Migranten mit niedriger Kompetenz der Ortssprache beim Verstehen von Vorträge oder Diskussionen unterstützen kann.

Eigene Projekte und Angebote

In Ermangelung von vorhandenen Untersuchungen zum Dolmetschen in Leichte Sprache wird gemeinsam mit einer professionellen Dolmetscherin ein Qualitätsstandard für Dolmetschen in Leichte Sprache auf der Basis der Analyse professioneller Verdolmetschungen in Leichte Sprache entwickelt.

Ziele des Zentrums

Das Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation befasst sich mit der Erforschung der Barrierefreien Kommunikation und als primäres Projektziel mit der daraus abgeleiteten nachhaltigen Sicherung des Zugangs zum Studium für Studierende mit Sinnesbehinderungen und L2-SprecherInnen der Ortssprache an allen Schweizer Universitäten und Fachhochschulen.

Diese Folie zeigt die Logos verschiedener Praxispartner für das Projekt Kompetenzzentrum Barrierefreie Kommunikation. Diese sind in alphabetischer Reihenfolge: Accessibility Lab ZHAW, ARD, BR, Eurotape, Fachhochschule Nordwestschweiz, Greta & Starks, insiemePLUS, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, LeiSA Leichte Sprache im Arbeitsleben, NDR, pro audito Schweiz, Radio Blind Power, Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband, Schweizerischer Gehörlosenbund, SGB-FSS, sonos, SRF Abteilung Respeaking, SRF Abteilung Audiodeskription, Star AG, Stiftung Zugang für alle, SwissTXT, Universität Barcelona, Universität Hamburg, Universität Hildesheim, Universität Leipzig, Universität Zürich
Praxispartner für das Projekt «Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation»

Rechtliche Grundlagen in der Schweiz

Die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) legt fest, dass der Zugang zu Information und Kommunikation für Menschen mit Beeinträchtigungen gewährleistet sein muss. Die Forderung nach Barrierefreiheit ist dabei eine Grundvoraussetzung für den Informationszugang. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im April 2014 und der aktuellen Gesetzgebung durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) ist der Schweiz die Barrierefreie Kommunikation ein zentrales Anliegen unter dem Prinzip der Inklusion.

Denn BRK Art. 21 besagt: «Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Massnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf freie Meinungsäusserung und Meinungsfreiheit, einschliesslich der Freiheit, Informationen und Gedankengut sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben, gleichberechtigt mit anderen und durch alle von ihnen gewählten Formen der Kommunikation im Sinne des Artikels 2 ausüben können […]».

Publikationen

Masterarbeiten

Alle Abstracts (PDF 372,2 KB)

2018
D’Agostino, Dario. «Der Deutschschweizer Mediendiskurs um die Leichte Sprache. Eine linguistische Diskursanalyse.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2018.

Gerster, Marina. «Softwaregestützte Audiodeskription mit Frazier.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2018.

Krähenbühl, Maria. «Informationsveränderung durch Übersetzung aus Standard- in Leichte Sprache. Eine quantitative und qualitative Analyse von Bundestagswahlprogrammen am Beispiel Flüchtlingspolitik.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2018.

Lintner, Alexa. «Personenkennzeichnungen und -beschreibungen in der Audiodeskription von Dokumentarfilmen. Eine exemplarische Analyse am Beispiel des Dokumentarfilms trust WHO.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2018.

Nüssli, Nathalie Dominique. «Übersetzen in die Leichte Sprache: Übersetzungsprobleme, Übersetzungslösungen und Auswirkungen auf das Textverständnis von Menschen mit Downsyndrom. Eine qualitative Analyse am Beispiel von Texten zum Thema Gesundheit.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2018.

2017
Dorigo, Raphael. «Audiodeskription von Fussballspielen in der Schweiz. Untersuchung von Theorie und Praxis eines jungen Barrierefreiheits-Angebots.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2017. [Co-Supervisor: Dr. Martin Kappus]

Dreier, Nathalie. «Zugang zu Musiksendungen für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Beschaffenheit und Rezeption von Musikuntertiteln im Schweizer Fernsehen.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2017.

Gassner, Madeleine. «Live Untertitelung und Schriftdolmetschen im deutschsprachigen Raum. Eine Untersuchung der Ausbildungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2017.

Schüpbach, Alex. «Verständlichkeit von Abstimmungsunterlagen. Ein Vergleich der Erläuterungen des Bundesrates und der easyvote-Abstimmungshilfe mit dem Kontinuum Leichte Sprache – Einfache Sprache – Bürgernahe Sprache.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2017.

Wohlgensinger, Céline. «Wie leicht ist Leichte Sprache? Eine Masterarbeit über das Verständnis von Texten in Leichter Sprache für L2-SprecherInnen des Deutschen auf den Sprachniveaus A1, A2 und B1.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2017.

2015
Walti, Christian. «Korpuslinguistische Erfassung der Leichten Sprache. Methode zur Erstellung und Analyse eines linguistisch annotierten Parallelkorpus für die Leichte Sprache mit freier Software.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2015.

2014
Kiser, Roland. «Respeaking in der deutschsprachigen Schweiz. Im Spannungsfeld zwischen Schweizerdeutsch und Standarddeutsch.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2014.

2011
Perruccio, Francesco L. «Audiodeskription ganzheitlich betrachtet: von den rechtlichen Rahmenbedingungen über den Entstehungsprozess bis zur Informationsgliederung in dieser mehrdimensionalen intersemiotischen Translationsform.» Master’s thesis, Zurich University of Applied Sciences (ZHAW), 2011.

Team

Kontakt

Das Schweizer Zentrum für Barrierefreie Kommunikation befindet sich noch im Aufbau. Wir freuen uns deshalb sehr über Fragen und Anregungen. Wünschen Sie eine spezifische Dienstleistung im Bereich «Barrierefreie Kommunikation»? Möchten Sie als Betroffene oder Betroffener oder auch als Praxispartner Kontakt zu uns aufnehmen? Dann kontaktieren Sie uns via barrierefrei.linguistik@zhaw.ch.