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«Sie liessen nie etwas anbrennen»

In einer stimmigen Feier blickte das Departement Gesundheit der ZHAW am 23. August auf sein zehnjähriges Bestehen zurück. Und es schaute voraus auf die kommende Dekade. Diese steht vermehrt im Zeichen der Interprofessionalität.

Mona Schwager (i.V. Beatrice Friedli), Christiane Mentrup, Heidi Longerich, Andreas Gerber-Grote, Markus Melloh, Astrid Schämann, Carmen Koch (v.l.n.r.)
«In der Bildung können zehn Jahre ein neues Zeitalter einläuten», Regierungsrätin Silvia Steiner
«Sie liessen nie etwas anbrennen», ehemalige Bildungsdirektorin Regine Aeppli

Regierungsrätin Silvia Steiner brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: «Zehn Jahre sind im Grunde keine lange Zeitspanne», sagte die Zürcher Bildungsdirektorin in ihrem Grusswort, «aber in der Bildung können zehn Jahre ein neues Zeitalter einläuten.» Tatsächlich: Mit dem Departement Gesundheit der ZHAW, das am 18. September 2006 in Winterthur offiziell seine Türen öffnete, ist ein neuer Hochschulzweig entstanden. In einer einzigen Dekade ist es den Verantwortlichen gelungen, die Ausbildungsgänge von Ergo- und Physiotherapie, Hebammenwesen und Pflege zu professionalisieren. Diesen Herbst startet zudem der neue Bachelorstudiengang «Gesundheitsförderung und Prävention». Das Departement Gesundheit sei heute eine anerkannte und respektierte Institution, hielt Silvia Steiner fest, «ein wichtiger Pfeiler im Bildungswesen des Kantons Zürich.»

Die Aufbauarbeit wird gewürdigt

Es war dann Regine Aeppli, ehemalige Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich von 2003 bis 2015, welche den Aufbau des Departements Gesundheit Revue passieren liess. Dabei wurde deutlich, mit welchem Tempo damals die Pionierphase vorangetrieben wurde: Im Mai 2004 beschloss die Gesundheitsdirektorenkonferenz, die Gesundheitsberufe zu akademisieren und künftig an den Fachhochschulen anzusiedeln. Im Januar 2006 wird an der ZHAW – damals noch ZHW – das Departement Gesundheit gegründet, und bereits neun Monate später beginnen 217 Studierende in Pflege, Physio- und Ergotherapie ihr Bachelor-Studium. 2008, nach dem Einzug der Hochschule in die Eulachpassage, nehmen auch die Hebammen die Bachelor-Ausbildung in Angriff.

Doch dies war erst erst der Anfang: «Sie liessen nie etwas anbrennen», stellte Regine Aeppli in ihrer Rückschau fest, «sondern strebten mit einer bemerkenswerten Schaffenskraft stets nach vorne.» Auf die Bachelor- folgten Masterstudiengänge, die durch Forschungsstellen in allen vier Disziplinen und ein breites Weiterbildungsprogramm ergänzt wurden. Die Forschungsprojekte des Departements Gesundheit werden vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt, die Ergebnisse in namhaften internationalen Fachzeitschriften publiziert. Aeppli verwies insbesondere auf die Konzepte der Advanced Practice: Masterabsolventinnen und -absolventen mit erweitertem Wissen und Können hätten das Potenzial, medizinische Aufgaben zu übernehmen und somit auch die Ärzteschaft zu entlasten. Es ist bedauerlich, sagte die ehemalige Bildungsdirektorin, dass etwa die Advanced Practice Nurses vom Bundesrat nicht in den Entwurf des Gesundheitsberufegesetz aufgenommen worden seien; APNs sind in vielen Ländern etabliert, auch die Schweiz zählt bereits 400 APNs mit Masterabschlüssen. «Aber was nicht ist, kann ja noch werden», sagte Regine Aeppli, «und ich bin überzeugt: Wir schaffen das!»

Interprofessionalität leben und stärken

In der nächsten Dekade will das Departement Gesundheit der ZHAW den Schwerpunkt noch stärker als bislang auf die Interprofessionalität legen. Damit ist die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe etwa in integrierten Versorgungsmodellen gemeint. Andreas Gerber-Grote, der Anfang Mai dieses Jahres die Departementsleitung von Gründungsdirektor Peter C. Meyer übernommen hat, wagte dazu eine Auslegeordnung. «Die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen mit den zunehmend komplexen Behandlungen wird immer mehr zum Erfolgsfaktor in der Gesundheitsversorgung», sagte Gerber-Grote in seinem Referat. Die Aufgabenverteilung im Gesundheitssystem orientiere sich künftig weniger an hierarchischen, ständisch definierten oder mit einem formellen Titel verbundenen Kriterien, sondern daran, wer über die notwendigen Kompetenzen verfüge.

Der neue Direktor betonte jedoch, dass Interprofessionalität einen offenen Umgang mit der eigenen Berufsidentität voraussetze. Was dies praktisch bedeutet? Gerber-Grote stellte gleich mehrere Thesen in den Raum: Demnach sind fest umrissene Berufsidentitäten, wie sie auch am Departement Gesundheit zum Teil noch gepflegt werden, weder historisch noch kulturell vorgegeben, sondern «bestenfalls Momentaufnahmen». «Sie beruhen auf Aufgaben, deren Grenzen sich ständig verschieben». Kernkompetenzen – einer Hebamme beispielsweise – würden bestehen bleiben und machten das Spezifische eines Berufs aus, aber eine Berufsidentität ohne Interprofessionalität sei künftig nicht mehr denkbar.

Die Ausführungen des neuen Departementleiters mündeten im Fazit, dass die Entwicklung einer Identität nur im Miteinander der Professionen gelinge. Und damit meinte Gerber-Grote nicht nur das Miteinander von Pflege, Therapie und Hebammenwesen, sondern ausdrücklich auch die gemeinsame Ausbildung der Gesundheitsberufe mit der Medizin. Studien hätten gezeigt, dass sich diese Form der Interprofessionalität positiv auf die Zufriedenheit von Patienten und Berufsleuten auswirke. «Geht die Machtverhältnisse an, die sich noch immer zwischen den Berufsgruppe zeigen», appellierte Gerber-Grote an seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Gesundheitswesen. Und von der Politik wünschte sich der Direktor des Departements Gesundheit Rahmenbedingungen, damit die Gesundheitsberufe bis zur tertiären Stufe gemeinsam ausgebildet werden können.