Roboterarm als Küchenhilfe für ältere Menschen

Sie schweissen Autotüren zusammen oder montieren Möbel – Roboterarme erledigen in der Industrie zahlreiche Arbeitsschritten. Doch wären sie auch eine sinnvolle und finanziell tragbare Unterstützung für ältere Menschen in der Küche? Dieser Frage ging eine interdisziplinäre Studie nach, für welche die Forschungsstelle Ergotherapie wichtige Erkenntnisse lieferte.

Die meisten älteren Menschen möchten möglichst lange unabhängig zu Hause leben. Gerade Küchenarbeiten werden jedoch für viele von ihnen zur Herausforderung. So bereiten ihnen etwa schwere Pfannen Mühe oder die Beweglichkeit fehlt, um Geschirr in hoch- oder tiefgelegene Schränke zu versorgen. Bei solchen Arbeitsschritten könnte ein fix in der Küche montierter Roboterarm Unterstützung leisten. Die Frage, ob ein solches Hilfsmittel von den Seniorinnen und Senioren angenommen würde und marktfähig wäre, war Auslöser für das interdisziplinäre Forschungsprojekt «Küchenassistenz-Arm». Dabei waren die School of Management and Law, die School of Engineering und das Institut für Ergotherapie der ZHAW sowie die FHS St.Gallen beteiligt.

Akzeptiert, aber wenig erfolgversprechend

Für dieses Projekt untersuchte die Forschungsstelle Ergotherapie die Akzeptanz robotischer Hilfsmittel bei älteren Menschen mithilfe von Gruppeninterviews und Literatur. Dabei zeigten sich die Befragten zwar grundsätzlich offen gegenüber solchen Hilfsmitteln – und dies unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht oder technischem Wissen. Gleichzeitig befürchteten sie jedoch, der Roboterarm würde zu viel Platz in Anspruch nehmen und zu teuer sein. Ebenfalls ergaben sowohl Interviews als auch Literaturrecherche, dass ältere Menschen die Verbesserung bestehender Küchengeräte und Hilfsmittel gegenüber neuer Technik bevorzugen.

Negativ fiel denn auch die Beurteilung der wirtschaftlichen Machbarkeit der School of Management and Law aus. Dabei spielten neben den hohen Kosten des Assistenzarms auch die begrenzten Platzverhältnisse in vielen Küchen eine Rolle. Dem Projektausgang gewinnt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Franz Hannich, trotzdem etwas Positives ab. Denn anstatt mit viel Aufwand einen Prototyp zu bauen, wurde bei diesem Projekt zuerst die Kundensicht geprüft. Damit konnten hohe Entwicklungskosten gespart werden. Hannich fordert denn auch in einem Interview, es sollten bei solchen Projekten mehr ganzheitliche Lösungen angestrebt werden und: «Neben den Betroffenen sollten auch Angehörige und Dienstleister unbedingt in die Forschung einbezogen werden». 

Zentrales Thema der Forschungsstelle Ergotherapie

Solche Vorgehensweisen sind für die Forschungsstelle Ergotherapie nicht neu. Dies hat einerseits damit zu tun, dass Klientenzentrierung und der Fokus darauf, was Menschen in ihrem Alltag tun, Kernanliegen der Ergotherapie sind. Andererseits hat das Forscherinnenteam unter der Leitung von Prof. Dr. Heidrun Becker langjährige Erfahrung mit Projekten, die den Einsatz neuer Technologien untersuchen. Dazu gehören etwa die abgeschlossenen Studien «Robotik in Betreuung und Gesundheitsversorgung» und «WeTakeCare – ein computergestütztes Informations- und Trainingsprogramm für ältere Menschen» sowie die laufenden Projekte «iCareCooperatives» und «Quantified Self – Schnittstelle zwischen Lifestyle und Medizin».

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