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Kinder mit ADHS bekunden Schwierigkeiten mit alltäglichen Aktivitäten

Kinder mit ADHS haben nicht nur Lernbeeinträchtigungen, sondern gemäss einer ZHAW-Studie oft auch deutliche Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie Schuhe binden. Solche Alltagsschwierigkeiten treten im Vergleich zu gesunden Kindern deutlich öfters auf.

Marco S. ist ein begeisterter Fussballer. Allerdings kann er nicht ohne fremde Hilfe seine Fussballschuhe binden. Aus Angst, dass ihn seine Teamkollegen auslachen, wagt Marco S. nicht, dem lokalen Fussballclub beizutreten. Marco S. ist mit seinen Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten nicht alleine. In der Schweiz haben 60‘000 bis 70‘000 Schulkinder die Diagnose ADHS. Diese Kinder leiden oft nicht nur unter einem Aufmerksamkeitsdefizit sowie Hyperaktivität, die Hälfte von ihnen hat wie Marco S. zusätzlich eine motorische Entwicklungsstörung. Jetzt hat eine ZHAW-Studie aufgezeigt, dass diese den Alltag der betroffenen Kinder stark beeinträchtigt.

Auswirkungen bis in die Adoleszenz

Gemäss dieser ZHAW-Studie haben Kinder mit ADHS oft deutliche Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie den Hosenknopf schliessen, sich anziehen oder eine Suppe löffeln. Diese Beeinträchtigungen sind im Alltag gut beobachtbar und treten im Vergleich zu gesunden Kindern deutlich öfters auf. Weiter deuten die Studienresultate darauf hin, dass die Schwierigkeiten nicht wie bis anhin angenommen abnehmen, sondern mit zunehmendem Alter grösser werden. Um die Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen zu untersuchen, analysierte die Forschungsstelle des Instituts für Ergotherapie der ZHAW in einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Studie weltweit die bereits vorliegenden Daten von rund 11‘000 Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren.

Einschneidende Konsequenzen für Betroffene

«Wenn es um Kinder mit Beeinträchtigungen wie ADHS geht, stehen häufig schulische Probleme im Vordergrund. Dass die Kinder aber auch Schwierigkeiten mit ganz alltäglichen Aufgaben wie Schuhe binden oder sich ankleiden haben, hat ebenfalls einschneidende Konsequenzen, auch für ihre weitere Entwicklung», sagt ZHAW-Forscherin Brigitte Gantschnig, welche die Studie unter der Leitung von Julie Page, Professorin an der ZHAW, durchgeführt hat. So leidet nicht nur das Selbstwertgefühl der Kinder, auch die Beziehung zu Eltern, Geschwistern oder Freunden kann dadurch belastet sein.

Ergotherapie rechtzeitig einsetzen

Schwierigkeiten bei der Durchführung von alltäglichen Aktivitäten sind für die Entwicklung in den Kinderjahren, der Schulzeit und Adoleszenz prägend. Deshalb ist es wichtig, Kinder mit Beeinträchtigungen rechtzeitig ergotherapeutisch zu behandeln. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beobachten und beurteilen die Stärken und Schwierigkeiten der Kinder im Alltag und bauen Interventionen darauf auf. Diese ermöglichen es ihnen, alltägliche Aktivitäten möglichst selbständig und für sie zufriedenstellend durchzuführen.

Zur Person

Brigitte Gantschnig hat basierend auf den Arbeiten zu diesem Projekt promoviert. Sie ist damit die erste Person in der Schweiz, die einen Doktortitel in Ergotherapie erworben hat. Da es in der Schweiz nicht möglich ist, ein Doktorat in Ergotherapie zu erlangen, können Ergotherapeutinnen und -therapeuten nur dank Kooperationen mit ausländischen Universitäten promovieren – in diesem Fall mit der Umeå University, Schweden.

Downloads und weiterführende Informationen

Medienmitteilung Kinder mit ADHS (PDF 333,5 KB)

Medienstelle

José Santos, Leiter Kommunikation ZHAW Departement Gesundheit,
Telefon 058 934 63 84, jose.santos@zhaw.ch

Kontakt

Prof. Dr. Julie Page, Leiterin Forschungsstelle Ergotherapie der ZHAW,
Telefon 058 934 63 45, julie.page@zhaw.ch

Dr. phil. Brigitte Gantschnig, Forscherin und Dozentin am Institut für Ergotherapie der ZHAW,
Telefon 058 934 63 65, brigitte.gantschnig@zhaw.ch