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Bessere Versorgung dank mehr Kompetenzen in der Pflege - Podiumsgespräch mit Professorin Ann Hamric, University of Virginia, USA

Pflegende mit einem Master-Abschluss und Berufserfahrung können in der Gesundheitsversorgung wichtige Aufgaben übernehmen und ganz wesentlich zur Qualitätssteigerung beitragen.

Sie sind dafür vorbereitet, auf Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung zu reagieren, etwa auf die wachsende Zahl von chronisch Kranken und Pflegebedürftigen oder das zunehmende Bedürfnis von Patientinnen und Patienten nach Beratung und Pflege.

Pflegende können und sollen neue Tätigkeitsfelder übernehmen: Als Pflegeexpertinnen können sie für die Begleitung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsbildern zuständig sein; oder sie können als so genannte Nurse Practitioners in interdisziplinären Teams in der Grundversorgung tätig sein. Ihr Fokus auf Selbstpflege und der Einbezug der Angehörigen ist eine ideale Ergänzung zur medizinischen Behandlung bei der sich stetig verkürzenden Aufenthaltsdauer von Patientinnen und Patienten im Akutspital. Die erweiterten Kompetenzen für Pflegende sind unter dem Begriff „Advanced Practice Nursing“ (APN) bekannt. Geprägt wurde dieser von Ann Hamric, Professorin an der University of Virginia in den USA, die am 21. Januar 2011 am Institut für Pflege der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften einen Vortrag zu diesem Thema hielt. Mit den Absolvierenden der neuen Master-Studiengänge wird auch in der Schweiz die Zahl der hoch qualifizierten Pflegenden zunehmen, die eine APN-Rolle übernehmen können. Dabei stellt sich die Frage, in welchen Rollen und in welchem Versorgungssystem diese neue Gruppe von Pflegenden ihren Beitrag am besten leisten kann.

„Advanced Practice Nursing ist nicht die Juniorpartnerin der Medizin“, betonte Ann Hamric. Zentral für die Definition von APN sei der direkte klinische Bezug. Ebenfalls unabdingbare Kompetenzen für APN seien die Fachführung von Kolleginnen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, ethische Entscheidungsfindung, Coaching von Pflegenden, Beratung von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen sowie Forschung. Eine kompetente APN-Pflegende zeichne sich dadurch aus, dass sie in ihrer klinischen Praxis diese verschiedenen Kompetenzen nahtlos zu einem Ganzen zusammenfüge, erklärte Hamric weiter.

Ergänzung statt Konkurrenz

APN steht damit nicht in Konkurrenz zur Medizin, sondern bietet ergänzende Lösungsansätze für gesundheitliche Probleme. Besonders deutlich lässt sich dies am Beispiel der Langzeitversorgung aufzeigen. Der Arzt oder die Ärztin ist in diesen Institutionen die meiste Zeit nicht im Haus. Pflegende müssen deshalb viele kritische Situationen selbständig einschätzen und darauf reagieren können und haben de facto schon heute grosse Entscheidungsbefugnisse. Sie sind dazu besser in der Lage, je klarer ihr berufliches Profil auf die Langzeitversorgung zugeschnitten ist. In den USA wird die Zulassung als Pflegende mit einem APN-Ansatz schon heute davon abhängig gemacht, dass eine entsprechende Spezialisierung vorliegt. APN-Pflegende, die sich beispielsweise auf die Langzeitversorgung spezialisiert haben, können demnach nicht mehr ohne Zusatzausbildung in den Akutbereich wechseln.

Um mit den Kompetenzen von Advanced Practice Nursing ausgestattet zu sein, braucht es in den USA eine Ausbildung auf Masterstufe. Dabei werden zwei Master angeboten, einer für Pflegespezialistinnen und einer für Grundversorgerinnen. Damit werden die Studierenden schon während der Masterausbildung für eine bestimmte berufliche Ausrichtung vorbereitet. „In der Schweiz stehen wir noch am Anfang“, sagte dazu Heidi Longerich, Leiterin des ZHAW Instituts für Pflege. Seit letztem Herbst gibt es einen generalistischen Masterstudiengang in Pflege, den die ZHAW gemeinsam mit den Fachhochschulen Bern und St. Gallen anbietet.

Zusammenarbeit von Medizin und Pflege

So einleuchtend das Konzept von APN erscheinen mag, seine Einführung stösst auf verschiedenen Seiten auf Widerstand. Hamric machte deutlich, dass Medizin und Pflege aufeinander angewiesen sind und dass von einer guten Zusammenarbeit beide Seiten und vor allem die Patientinnen und Patienten profitieren können.

Zahlreiche Studien belegen, dass APN hält, was es verspricht. Differenzierte Pflegeansätze führen bei Patientinnen und Patienten zur einer besseren körperlichen Verfassung, besserer Akzeptanz von Therapie und Medikamentenverordnungen, besseren Fähigkeiten zur Selbstpflege und besseren Fähigkeiten in der Bewältigung ihrer zum Teil komplexen belastenden Situationen. APN stärkt aber auch die Pflegeprofession als Ganzes.

Weitere Informationen

Medienmitteilung(PDF 53,2 KB)

Kontakt:

ZHAW Departement Gesundheit, Heidi Longerich, Leiterin Institut für Pflege,
Telefon 058 934 63 01, E-Mail heidi.longerich@zhaw.ch

ZHAW Departement Gesundheit, Ania Biasio, Leiterin Kommunikation,
Telefon 058 934 63 84, E-Mail ania.biasio@zhaw.ch

Medienstelle:

ZHAW Corporate Communications, Franziska Egli Signer,
Telefon 058 934 75 81, E-Mail franziska.egli@zhaw.ch