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Giving Birth

Welche Erwartungen haben Frauen in der Schweiz an die Geburt ihres ersten Kindes? Welche Erfahrungen machen sie dabei?

Diesen Fragen gilt das zentrale Interesse dieser Studie. Bisher gibt es in der Schweiz keine Längsschnittstudie, die die Perspektive von Erstgebärenden auf die Schwangerschaft, die Geburt und das Muttersein zum Gegenstand haben. Diese Lücke wollen wir schliessen und mittels persönlichen Interviews, verteilt über die Zeitspanne von der 20. Schwangerschaftswoche bis 6 Monate nach der Geburt, die Vorstellungen, Wünsche und Erfahrungen der Frauen kennenlernen.

Das Ziel

Das Ziel dieser Längsschnittstudie ist, die persönliche Sichtweise von Frauen auf die Schwangerschaft, die Geburt und die erste Zeit als Mutter detaillierter zu verstehen und in einem Modell darzustellen. Damit kann das Angebot und die Beratung an die Bedürfnisse von Schwangeren angepasst werden.

Über das Projekt

Ausgangslage

Die Studie steht vor dem Hintergrund einer Geburtshilfe in der Schweiz, in der steigende Kaiserschnittraten, der scheinbare Wunsch der Frauen nach einem Kaiserschnitt und die stetig steigenden Pflegekosten aktuelle Diskussionsthemen sind. Inwiefern die vermeintlichen Forderungen der Frauen nach diesen Diensten tatsächlich bestehen, ist weitgehend unklar. Es ist ausserdem nicht bekannt, wie die Frauen während der Schwangerschaft in Hinblick auf den Geburtsmodus durch Fachpersonen informiert, beraten und aufgeklärt werden, und welche weiteren Einflussfaktoren, wie zum Beispiel Informationen aus den Medien und durch Familie und Freunde, für sie wichtig sind. Ob letztlich Ängste und Bedenken, die aus all diesen – vielleicht – widersprüchlichen Informationen die Schwangeren grundlegend verunsichern und folglich Auswirkungen auf die Wahl ihres Geburtsortes und eventuell auch auf den Geburtsmodus haben, ist ebenso unbekannt.

Vorgehen

Um einige dieser unbekannten Faktoren näher identifizieren zu können, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die offenen Interviewfragen erlauben es den Teilnehmerinnen, die Schwerpunkte der Themen selber zu setzen und damit von denjenigen Dingen zu erzählen, die sie tatsächlich bewegen.

Ziel

Bis heute wurde in der Schweiz noch keine Langzeitstudie publiziert, die sich mit den Erwartungen und Erfahrungen von Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt befasst. Mit der laufenden Studie wird beabsichtigt, diese Lücke zu schliessen.

Forschungsdesign

Methode

Diese qualitative Längsschnittstudie folgt der hermeneutischen Herangehensweise von Gadamer (1990) und der daraus abgeleiteten hermeneutischen Forschungsmethode von Fleming et al. (2003).

Letztere umfasst fünf Schritte, die das methodische Vorgehen der Studie leiten:

  1. Entwicklung der Forschungsfrage
  2. Identifikation des Vorverständnisses
  3. Verstehen durch Dialog mit den Teilnehmenden
  4. Verstehen durch Dialog mit dem Text
  5. Herstellen der Glaubwürdigkeit

Vorgehen

Nach der Annahme von Gadamer (1990) ist zu beachten, dass für die Erfassung solcher Situationen eine mindestens zwei- bis dreimalige Befragung der Teilnehmerinnen als notwendig erachtet wird. Für diese Studie wurden vier Zeitpunkte bestimmt, da jeweils zwei Interviews vor und zwei nach dem Ereignis Geburt stattfinden sollen. Damit wird sichergestellt, dass das Gegenüberstellen von Geburtserwartung und Geburtserfahrung durch eine ausreichende Erfassung bei der Datenerhebung für die anschliessende Analyse bereitgestellt werden kann.

Die Interviews werden transkribiert und analysiert, um daraus ein Modell zu erarbeiten.

Rekrutierung

Die Rekrutierung der Frauen erfolgt bei Privatkliniken, Spitälern und freipraktizierenden Hebammen in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Waadt und Tessin. Es werden ausschliesslich gesunde Erstgebärende befragt.

  • Jede Teilnehmerin wird insgesamt vier Mal persönlich interviewt: zweimal während der Schwangerschaft (ca. 20. und 34. Schwangerschaftswoche) und zweimal nach der Geburt (nach 6 Wochen und 6 Monaten).
  • Es werden insgesamt 45 Frauen in den Kantonen Zürich und St. Gallen durch Mitarbeiterinnen der ZHAW befragt. Unser Partnerinstitut in Lausanne (HESAV) interviewt 30 Frauen in den Kantonen Waadt und Tessin.

Referenzen

  • Fleming, V.; Gaidys, U. & Robb, R. (2003). Hermeneutic research in nursing: developing a Gadamerian-based research method. Nursing Inquiry,10 (2), 113–120.
  • Gadamer, H. (1990). Wahrheit und Methode: Grundzüge einer philosophischen Hermeneutic.Tübingen: JCB Mohr.

Auf einen Blick

  • Projektleitung: Prof. Dr. Valerie Fleming Projektdauer: März 2014 bis September 2016
  • Projektteam: Franziska Parpan, Lic. phil. /  Susanne van Gogh, MA
  • Partner: HESAV Haute École de Santé Vaud
  • Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
  • Projektstand: Projekt bewilligt: März 2014 / Bewilligung Ethikkommission: Oktober 2014 * / Projektabschluss: September 2016

*Ethik-Bewilligung Nr. KEK 2014-0367