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Studie zur Gesundheit von Studierenden in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Ausbildungszeit ist nicht nur für die beruflichen Entwicklung wichtig, sie hat auch einen langfristigen Einfluss auf Gesundheits- und Risikoverhalten, die eng mit körperlicher und psychischer Gesundheit im weiteren Leben verbunden sind.

Es ist daher wichtig, die Gesundheit und Gesundheitsrisiken in dieser Lebensphase, die Rahmenbedingungen der Studierenden und auch grössere äussere Einflüsse zu beforschen. Einen solchen grossen äusseren Einfluss haben wir derzeit mit der Coronavirus-Pandemie.

Deswegen untersuchen wir die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie-Verordnung auf die Gesundheit von Studierenden.

Ziel

Mittel- bis langfristig die Gesundheit von Studierenden zu stärken und zu unterstützen. Konkret untersucht die Studie:

  • mögliche Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit, das Gesundheits- und Risikoverhalten von Studierenden untersuchen
  • subjektiv wahrgenommene Konsequenzen in Bezug auf Ausbildung, Umgang und Verhalten der Studierenden in Bezug auf die COVID-19-Pandemie erheben

Ablauf

Auf Grund der besonderen Situation in der wir uns alle befinden, haben wir beschlossen die Studie, die im Frühjahrsemester gestartet hat, weiter zu führen. Wir erheben zu jeweils am Anfang des Semesters eine längere Basiserhebung, die von zwei kürzeren Befragungen im Verlauf des Semesters ergänzt werden (siehe Abbildung 1).

  • Studierende der ZHAW erhalten per E-Mail jeweils den Online-Zugang zu einem Fragebogen.
  • Das Beantworten des Fragebogens dauert etwa 30 Minuten und kann von den Studienteilnehmenden an einem beliebigen Ort mit Internetzugang durchgeführt werden.
  • Wir planen weitere Kurzbefragungen von ca. 10 Minuten im weiteren Verlauf des Semesters.

Allgemeine Informationen zur Studie

  • Die Ausbildungszeit zeichnet sich durch herausfordernde Veränderungen und Übergangsprozesse aus. Neben der intellektuellen und beruflichen Entwicklung entwickeln sich auch Gesundheits- und Risikoverhalten, die eng mit den vier wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen oder Depression) verbunden sind.
  • Es ist daher wichtig, die Gesundheit und Gesundheitsrisiken in dieser Altersgruppe und auch grössere äussere Einflüsse zu beforschen.
  • Die COVID-19-Pandemie hat zu einer Vielzahl an nationalen Verordnungen und Empfehlungen geführt, die einen einschneidenden Einfluss auf den Alltag aller haben. Es ist bekannt, dass gesellschaftliche Krisen einen Einfluss sowohl auf die physische als auch psychische Gesundheit haben können.
  • Die Hochschulen haben auf die Pandemie-Verordnungen reagiert, (teilweise) auf online-Unterricht umgestellt und Schutzkonzepte erstellt. Wie lange das so bleibt ist jedoch unklar. Mit Unsicherheiten gehen Menschen unterschiedlich um. Wie Schweizer Studierende mit diesen Unsicherheiten umgehen und welche gesundheitlichen Auswirkungen die Pandemie hat, ist nicht bekannt.
  • Gesundheit und Wohlergehen sind dynamische Konzepte, sie können sich auch kurzfristig ändern. Das Studienteam möchte diese Dynamik erheben, indem sie die Studie über den Zeitraum der Pandemie laufen lässt.
  • Der Fragebogen enthält durchweg anerkannte Frageninstrumente, damit die Daten vergleichbar sind. Nicht für alle Fragen macht es Sinn, den Wortlaut für die aktuelle Situation anzupassen. Ihre Antworten werden uns aber auf jeden Fall weiterbringen.
  • Diese Studie wird so durchgeführt wie es die Gesetze in der Schweiz vorschreiben.
  • Die Ethikkommission Zürich und der ZHAW Datenschutz haben die Studie für ethisch und juristisch korrekt befunden.

Ergebnisse

An dieser Stelle bereiten wir nach jeder HES-C Befragung ein paar Ergebnisse für Teilnehmer und interessierte Leser auf. Die Ergebnisse der letzten Erhebungen im Frühjahrssemester können als pdf. heruntergeladen werden.

Studienpopulation

An dieser ersten Befragung der HEalth in Students during the Corona Pandemic (HES-C) im Wintersemester haben 1217 Studierende der ZHAW mitgemacht. Die Departemente Management and Law sowie das Departement Gesundheit sind am stärksten vertreten (Abb. 1). Die Stichprobe besteht zu 68% aus Frauen (n=833), 31% Männer (n=375) und 1% gaben «anderes Geschlecht» an  (n=9). Das Durchschnittsalter beträgt 25 Jahren (SD=5.38). Fünfundsechzig Prozent der Befragten studieren Vollzeit und 35% Teilzeit.

Wie geht es Studierenden in der Corona Pandemie?

Mehr als die Hälfte der Studierenden (63%) gab an, dass es Ihnen zu Zeit gut bis sehr gut geht. Die gleiche Frage wurde zu Beginn des letzten Semesters gestellt. Im Vergleich dazu geht es heute rund 10% der Studierenden besser. Einerseits ist es eine andere Studienpopulation, nur wenige der aktuellen Teilnehmenden haben schon im Frühjahr 2020 an HES-C mitgemacht.  Andererseits sind im Vergleich die aktuellen Coronavirus Schutzmassnahmen und Eindämmungsmassnahmen weniger streng als noch im Frühjahr und man darf von einem gewissen Mass an Gewöhnung bzw. Adaption an die Pandemie ausgehen. Lesen Sie zum Thema «Wohlergehen» auch unseren Artikel zu Ängstlichkeit (siehe Link).

Stress in der Zeit des Coronas

Zum Herbstsemesterstart wurden die Teilnehmenden zu ihrem Stresszustand befragt. Stress wurde mit einem international anerkannten Instrument, PSS-10, untersucht. Aus den Antworten errechnet sich ein Score (0 – 40), der eine Einteilung in ein hohes, moderates und niedriges Stresslevel erlaubt.  Bei etwa 10% der Befragten lag ein hoher Stresslevel vor. Sechzig Prozent der Studierenden hatten moderaten Stress und ein Fünftel niedrigen Stress (Abb. 3).

Im Diagramm 4 PSS-10 Stress im Detail werden die unterschiedlichen Aussagen zu  des PSS-10 dargestellt (Abb.4). Die Studierenden haben das Gefühl, dass sie mehrheitlich, Dinge, die ihnen wichtig sind beeinflussen können. Mehr als ein Drittel der Befragten hat «häufig» bis «sehr häufig» das Gefühl, alles im Griff zu haben und knapp 40% hat «manchmal» dieses Gefühl. Beides weist auf eine gute bis hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Studierenden hin. Zur gleichen Zeit haben circa die Hälfte der Befragten angegeben, mit Ärger in ihrem Leben nicht klar zu kommen. Weniger als 20% fühlten sich «nie» oder «selten» sicher im Umgang mit persönlichen Aufgaben und Problemen und mehr als die Hälfte der Befragten fühlten sich häufig bis sehr häufig  nervös und gestresst.

Alkohol und Co.

Verschiedene Studien untersuchten den Einfluss auf Corona auf legalen und illegalen Suchtmittelkonsum. Auch wir haben die Studierenden gefragt, wieviel und wie oft sie Alkohol trinken, Zigaretten oder Cannabis rauchen. Die Daten werden aktuell ausgewerte und im Vergleich zu dem Verhalten im Lockdown gesetzt. Nachfolgend die Ergebnisse zu Alkohol der aktuellen Befragung im September 2020.

Ein grosser Teil der Befragten trank pro Woche an 1 (21.5%) oder an 2 Tage (17.7%). Fünfzehn Prozent gab an, «nie an den letzten 30 Tagen» getrunken zu haben. Nur 1.2% der Probanden konsumierten «jeden Tag oder beinah jeden Tag in den letzten 30 Tagen» Alkohol. Wenn Alkohol getrunken wurde, tranken rund zwei Drittel der Studierenden ein (31.7 %) oder zwei (32.4%)  alkoholische Getränke pro Gelegenheit, alle anderen mehr. Ab 4 Getränken für Frauen und 5 Getränken für Männer pro Gelegentheit spricht man punktuellem risikoreichen Konsum («binge drinking» =  ≥4 bzw. 5 Getränke innerhalb von 2 Stunden) was mit einem höheren Gesundheitsrisiko behaftet ist. Nur bei wenigen Studierenden (nFrauen=46, nMänner=19) traf das zu.

Erwerbstätigkeit der Studierenden

Teil dieser Umfrage war der Erwerbstätigkeit der Studierenden gewidmet. Eine grosse Mehrheit der Studierenden ist auf ihre Erwerbstätigkeit angewiesen. Abbildung 5 zeigt dass mehr Teilzeitstudierende von einer Erwerbstätigkeit abhängig als die Vollzeitstudierenden.  Gesamthaft arbeiten erwerbstätige Studierende im Schnitt 20 Stunden pro Woche (mean=18.67, SD=11.1). Die Teilzeitstudierenden haben eine durchschnittliche Erwerbstätigkeit von 72 Stellenprozent (SD=23.14), die Vollzeitstudierenden kommen auf einem Durchschnitt von 57% (SD=32.38).

Während des Lockdowns im April 2020 hatten ca. 40% der erwerbstätigen Studierenden Ihre Erwerbstätigkeit reduziert oder gar nicht mehr ausüben können.

 

Die nächste Erhebung wird Ende November verschickt und wird sich schwerpunktmässig auf die Unsicherheiten im Alltag und hinsichtlich der Zukunft, welche durch Corona entstanden sind, beziehen.

Publikationen

Dratva, J.; Zysset, A.; Schlatter, N.; von Wyl, A.; Huber, M.; Volken, T. Swiss University Students’ Risk Perception and General Anxiety during the COVID-19 Pandemic. Int. J. Environ. Res. Public Health 2020, 17, 7433.  https://www.mdpi.com/1660-4601/17/20/7433

Projektorganisation

  • Projektleitung
    Prof. Dr. med. Julia Dratva
  • Kontakt
    studierenden.gesundheit@zhaw.ch 
  • Projektdauer
    3.4.2020 - Ende noch nicht festgelegt
  • Projektteam
    - Prof. Dr. Thomas Volken
    - Dr. Annina Zysset
    - Nadine Schlatter
    - Prof. Dr. Agnes von Wyl/ Department Angewandte Psychologie
  • Projektpartner
    Alias - Studierende der ZHAW, Verein Studierende der ZHAW
  • Finanzierung
    Eigenmittel
  • Projektstatus
    laufend

Datenschutz

Die Teilnahme ist freiwillig. Die ZHAW-Studierenden können selbst entscheiden, ob sie an dieser oder späteren Befragungen teilnehmen möchten. Mit der ersten Teilnahme verpflichten sie sich nicht, an weiteren Befragungen teilzunehmen.

Die Daten werden anonym erhoben und ausgewertet. Nur das Studienteam hat Zugang zu den Daten, die auf einem Passwort geschützten Server abgelegt werden. Um die Anonymität der Teilnehmenden sicherzustellen, basieren sämtliche Auswertungen und Publikationen auf aggregierten Daten, so dass keine Rückschlüsse auf einzelne Studienteilnehmende möglich sind. 

Wir bitten die Studienteilnehmenden, einen persönlichen Teilnehmercode zu erstellen. Der Code basiert auf Daten, die nicht öffentlich zugänglich sind. Der Code ermöglicht keinem Mitglied des Studienteams Studierende zu identifizieren, er kann jedoch von den Teilnehmenden selbst jederzeit wieder hergeleitet werden.

Verwendet wird der Code für zwei Zwecke:

  1. für einen allfälligen nachträglichen Rückzug der Daten, wozu die Teilnehmenden jederzeit die Möglichkeit haben und,
  2. um Daten der Erstbefragung und Nachbefragungen verknüpfen zu können.

Es ist möglich, dass die anonymen Daten für andere Forschungsprojekte zu einem späteren Zeitpunkt weiterverwendet, zum Beispiel mit anderen Umfragen im Rahmen der Pandemie zusammengelegt werden.