Sprachliche Diversität in Arbeitsprozessen / Linguistic diversity in working processes

Auf einen Blick

Projektleiter/in: Prof. Dr. Manchen Spörri, Sylvia & Hohenstein, Christiane

Projektteam: Corinne Kobel, Caroline Weinzinger

Projektfinanzierung: SNF Programm DORE

Projektbeginn: 01.06.2010

Kurzdarstellung

Forschungsgegenstand/Problemlage
Aufgrund der Internationalisierung von Konzernen und der Immigrationsbewegungen in die Schweiz arbeiten in Schweizer Unternehmen inzwischen auf allen Hierarchieebenen Personen verschiedener Herkunft und Muttersprache zusammen und die Zahl mehrsprachiger Arbeitsteams nimmt zu. Die Verständigung im Team erfolgt dabei in Englisch oder Deutsch, was oft für die Mehrheit der Beteiligten eine Fremd- oder Zweitsprache darstellt. Der sprachlichen Herausforderung, der sich diese Teams stellen müssen, und den Strategien, derer sie sich bedienen, um ihre kommunikativen Aufgaben effizient zu bewältigen, wird in der Forschung bisher zuwenig Rechnung getragen.

Zwar bestehen in der Organisationspsychologie und Kleingruppenforschung zahlreiche Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen kultureller Diversität und Gruppenleistung, jedoch wird dabei Interkulturalität auf Wertesysteme und ethnische Zugehörigkeit reduziert und der Faktor Sprache nur implizit oder gar nicht berücksichtigt und sein Einfluss daher auch nicht systematisch untersucht.
Umgekehrt wird die Kommunikation mehrsprachiger Arbeitsgruppen zwar in der Linguistik erforscht, jedoch nicht unter dem Blickwinkel der Kommunikationseffizienz und hinsichtlich einer Optimierung der Zusammenarbeit im Team.
Sprachliche Aspekte in der Teamkommunikation stellen also in der psychologischen Forschung einen blinden Fleck dar. Ebenso wird in der Organisationskommunikation sprachliche Effizienz in Arbeitsgruppen erst zaghaft thematisiert.
Diese Forschungslücke soll mit dem beantragten Projekt geschlossen werden.

Die Ansiedelung des Projekts an der Schnittstelle zwischen sprachlicher Kommunikation und Teamleistung in der Organisation bedingt ein aus sprach- und sozialwissenschaftlichen Methoden kombiniertes Vorgehen, das sich auf handlungstheoretische Ansätze der linguistischen Pragmatik und der Organisationspsychologie stützt.

Fragestellungen und Ziele
Zentrales Ziel des interdisziplinären Forschungsvorhabens ist es, zu analysieren, wie kommunikative Effizienz in mehrsprachigen, sprachdiversen unternehmensinternen Arbeitsgruppen zustande kommt.
Unsere Hypothese ist, dass kommunikative Effizienz davon abhängt, wie das Team mit seiner Diversität der Sprachen umzugehen fähig ist, d.h. wie Unternehmensangehörige bei der Zusammenarbeit in Teams/Gruppen situations- und konstellationsspezifisch agieren, um unterschiedliche sprachlich-kommunikative Aufgaben im Unternehmen zu bewältigen.

Methoden
Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden Teamsitzungen auf gezeichnet und gesprächsanalytisch (funktionale Pragmatik) untersucht. Basierend auf einem Mehr-Ebenen Ansatz der Organisationsanalyse werden Dokumentenanalysen, Experteninterviews und schriftliche Befragungen mit validierten Befragungsinstrumenten durchgeführt. Foto-Elizitationsinterviews mit den Beteiligten geben Aufschluss über ihre Strategien mit Sprachdiversität umzugehen.

Gewinn für die Praxis und Forschung
Die Erkenntnisse aus der Studie dienen den beiden betrieblichen Praxispartnern als Grundlage zur gezielten Förderung mehrsprachiger Teams und zur Erstellung eines Best-Practice-Modells, das für weitere Teams in der Unternehmung nutzbar gemacht wird.
Fachlich stellt das Projekt einen Beitrag zur Schliessung der Lücke in den Untersuchungen zu den Auswirkungen interkultureller Teamzusammensetzungen dar, nämlich zwischen sozialwissenschaftlich erforschter Teamdiversität und sprachwissenschaftlich beschriebener Mehrsprachigkeit.

Laufzeit: 24 Monate

LINGUISTIC DIVERSITY IN COOPERATIVE WORK PROCESSES OF TASK-ORIENTIED TEAMS

State of research
Due to the internationalization of companies and the immigration into Switzerland, Swiss companies today employ on all hierarchy levels people from different backgrounds and with different mother tongues. Thus, multilingual teams are becoming more common. The “lingua franca” in these teams is often English or German, which for many team members is a foreign or second language. So far, research has paid too little attention to the linguistic challenges multilingual teams face and to the strategies they employ to efficiently master their communicative tasks.

There exist several works of organizational psychology and small group research that look at the relation between cultural diversity and group performance. However, they limit interculturality to values and ethnicity without or only implicitly taking into account language, thus neglecting its impact. On the other hand, communication in teams is being researched linguistically, but not from the angle of communicative efficiency and teamwork optimization. Consequently, language diversity and strategies of coping with language diversity in team communication are mostly absent in psychological research and communicative efficiency is only a minor subject in organizational psychology.

We aim to close this research gap with a research project starting in JUNE 2010 (running 24 months). The project is funded by the Swiss National Science Foundation and is carried out with two companies as partners (lingua franca English and lingua franca German).

Research question and goals
The main goal is to analyze how communicative efficiency in multilingual company-internal teams is attained. Our hypothesis is that communicative efficiency is dependent from the team’s ability to manage its diversity of languages, i.e. to master specific linguistic and communicative challenges in the company appropriately to the situation and/or constellation.


Methods
Since the project is at the intersection of linguistic communication and team performance in organizations, it calls for an approach that combines linguistic and socioscientific methods and that is based on activity theory and functional-pragmatic communication analysis as common framework.
- The study design combines qualitative and quantitative methods from linguistics and organizational psychology. Additionally, the two cases (two partner companies) are compared in a contrastive design.
- Analysis of team meetings (videotaping, transcription and speech analysis)
- Description of the company’s organizational framework and language policy with document analysis and expert discussions.
- Assessment of the perceived quality of communication, team atmosphere and communicative efficiency by means of photo elicitation interviews, questionnaires and assessment of video sequences
- Assessment of the cooperative requirements of a task by analyzing video sequences

Gain for practice and research
The findings of the study will help our partners in practice to foster multilingual teams and to establish a best-practice model that can be used by other teams in the company.
The project will also make a contribution to closing the research gap concerning the effects of the composition of intercultural teams, i.e. between sociologically researched team diversity and linguistically described multilingualism.

Nachwuchsförderung / Mittelbau: Am Projekt arbeitet eine wissenschaftliche Assistentin und eine Mitarbeiterin mit.

Interdisziplinarität: Linguistik, Arbeits- und Organisationspsychologie