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Virtuelles Arbeiten

In Zusammenarbeit mit IBM Schweiz hat die ZHAW untersucht, was die Chancen und Herausforderungen virtueller Arbeitsformen sind und daraus Empfehlungen abgeleitet.

Virtuelle Arbeitsformen verändern die Arbeitswelt. Dieser Wandel erfordert von Unternehmen und den betroffenen Mitarbeitenden ein hohes Mass an Flexibilität. Ständige Erreichbarkeit, unregelmässige Arbeitszeiten und fehlende direkte Kontakte mit Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten haben Auswirkungen auf die Work-Life-Balance und lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Zugleich bieten sich neue Möglichkeiten, beispielsweise im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Basierend auf einer Befragung von Mitarbeitenden von IBM Schweiz, die sich während dreier Wochen bei der virtuellen Arbeit selber über die Schulter geschaut haben, haben wir einen Überblick über die Chancen und Herausforderungen virtueller Arbeitsformen erarbeitet und Do's and Don'ts abgeleitet. 

Der Kurzfilm zum Projekt

Chancen und Herausforderungen

Für Arbeitnehmende

Virtuelle Arbeit beziehungsweise Telearbeit bietet Mitarbeitenden eines Unternehmens die Möglichkeit, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren und somit ihre Work-Life-Balance zu erhöhen. Die selbstständige zeitliche Einteilung der Arbeit ermöglicht eine ideale Passung zu anderen Lebensbereichen und -bedürfnissen. So berichten Telearbeitende insgesamt weniger häufig von Konflikten zwischen Arbeit und Familie sowie Privatleben als Büroangestellte, die vor Ort arbeiten. Sie können sich die Arbeit so einteilen, dass berufliche Belastungen und Erholungszeiten eher ihrem persönlichen Rhythmus entsprechen und sie vermindern den zeitlichen Druck, der durch die Vereinbarkeitsfrage entsteht (Büssing, André, 2003).

Obschon virtuelle beziehungsweise Telearbeit insbesondere von Eltern als vorteilhaft empfunden wird, stellt sie auch Herausforderungen. Durch die neuen Arbeitsformen verschwimmen die bis anhin vorhandenen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Die technischen Möglichkeiten erlauben es, jederzeit und überall zu arbeiten: an Wochenenden, in den Ferien, auf dem Spielplatz, im Café, nachts. Dabei können Erholung und Pausen vergessen gehen. Soziale Kontakte und Netzwerke, welche am Arbeitsplatz vor Ort geknüpft und gepflegt werden, fallen als Ressource weg. Hinzu kommt, dass die gewährten Freiheiten und die gewonnene Flexibilität quasi als Gegenleistung Erwartungen von Seiten des Betriebs auslösen. Der Druck, immer verfügbar sein zu müssen, kann zu Stress und gesundheitlichen Risiken führen (Büssing, 2003, Weiss Sampietro, Manchen Spörri, Ramsauer u.a., 2011).

Wichtig für das Gelingen von virtueller, mobiler beziehungsweise Telearbeit ist die Bewältigung der Risiken. Die bei Telearbeit verringerte Fremdkontrolle wird durch erhöhte Selbstkontrolle ersetzt. Unternehmen geben ihren Mitarbeitenden mehr Freiheiten, fordern sie aber umgekehrt implizit dazu auf, sich selbst zu managen. Dies erfordert spezifische Kompetenzen der Mitarbeitenden, die ihnen die Unternehmen beispielsweise via Weiterbildung vermitteln müssen. So bleiben soziale Ressourcen wie Netzwerke und kollegiale Unterstützung oder tätigkeitsbezogene Ressourcen wie Autonomie und Spielräume in virtuellen Arbeitskontexten erhalten.

Für Arbeitgebende

Unternehmen minimieren mit virtuellem Arbeiten ihre Ausgaben, etwa durch geringere Raumkosten. Sie motivieren aber auch ihre Mitarbeitenden. Studien zeigen, dass Mitarbeitende die sich ihnen bietende Freiheit und Flexibilität schätzen und dadurch ihre Produktivität steigt. Unternehmen nutzen virtuelle Arbeitsformen dazu, das Problem einer Belegschaft, die ständig da, aber nicht kontinuierlich ausgelastet ist, zu lösen, beispielsweise durch Schichtarbeit oder die Vermeidung von Nachtarbeit durch Miteinbezug mehrerer Länder/Kontinente.

Insbesondere für Führungskräfte werden durch virtuelle Arbeitsformen vor neue Herausforderungen gestellt. Als Leiterinnen und Leiter von virtuellen Teams müssen sie aufmerksam sein, Schwierigkeiten von Mitarbeitenden auch aus der Ferne erkennen und entsprechend kompetent auf Distanz kommunizieren können.

Wichtig bei virtueller beziehungsweise Telearbeit sind eine klare Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und Unterstützung, Vernetzung, das Klären von Erwartungen, das Definieren von Zielen sowie das Einplanen von Feedbacks. Es braucht Raum für inhaltliche und karrierebezogene Feedbacks und Informelles, sowohl zwischen den Mitarbeitende als auch zwischen Team und Leitung.

Für die Gesellschaft

Virtuelle Arbeitsformen verändern nicht nur das Verständnis von Arbeit und Zeit sondern auch das Mobilitätsverhalten. So kann zum Beispiel der öffentliche Verkehr durch weniger Pendlerbewegungen entlastet werden und der Strassenverkehr nimmt ab. Dies führt zu einer geringeren Umweltbelastung.

Virtuelle Arbeitsformen beteiligen neue Personengruppen am Arbeitsprozess, beispielsweise Menschen mit einer körperlichen Einschränkung oder Personen aus weit entfernten, abgelegenen Wohnorten. Kinder, deren Eltern im Homeoffice arbeiten, erhalten einen unmittelbaren Einblick in Arbeitswelt und Arbeitsabläufe. Indem sowohl Mädchen als auch Jungen die Arbeits- und Alltagsorganisation ihrer Mütter und Väter hautnah miterleben und ihre Eltern in unterschiedlichen Rollen beobachten, trägt virtuelles Arbeiten zur Aufweichung herkömmlicher genderspezifischer Berufsvorstellungen bei.

Empfehlungen

Do's

  • Ich entwickle eine klare Vorstellung darüber, was meine Rolle in Beruf, Familie und Partnerschaft ist.
  • Ich bin für meinen Arbeitgeber nicht rund um die Uhr verfügbar.
  • Ich lege mit meiner Familie Regeln fürs Arbeiten zu Hause fest und vermeide Mehrfach-belastungen.
  • Ich baue Erholungszeiten in Alltag und Freizeit ein.
  • Ich achte auf meine Gesundheit, minimiere Stress und arbeite nicht mehr als 42 Stunden pro Woche.
  • Ich arbeite regelmässig vor Ort, um Netzwerke aufzubauen, Karriereschritte zu realisieren und mich von der Familienarbeit abzugrenzen.
  • Ich nutze Weiterbildungsangebote, um meine Fähigkeit zur Selbstorganisation zu stärken.

Don'ts

  • Arbeits- und Familienbereich vermischen und Rollen nicht klären.
  • Dem hohen Leistungsdruck und Imperativ der ständigen Verfügbarkeit nachgeben.
  • Kurzzyklische Aufgaben verteilen und engmaschig kontrollieren.
  • Beruflichen Stress auf Privatleben und Freizeit übertragen.
  • Möglichkeiten zur Erholung nicht nutzen.
  • Ignorieren von Stresssymptomen und gesundheitlichen Problemen.
  • Soziale Arbeitskontakte vernachlässigen und sich isolieren.
  • Bei wichtigen Qualifikationsschritten nicht dabei sein.
  • Einhaltung von arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen ausser Acht lassen.