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Porträt über Photovoltaik-Pionier: «Wir müssen global denken»

Hartmut Nussbaumer beschäftigt sich seit 27 Jahren mit der Photovoltaik. Sie werde dereinst die günstigste Form der Stromerzeugung sein, ist der ZHAW-Dozent überzeugt.

Photovoltaik-Pionier Hartmut Nussbaumer

Als Hartmut Nussbaumer in den neunziger Jahren die Photovoltaik für sich entdeckte, waren Solarzellen zwei mal zwei Zentimeter gross. «Die Technologie steckte noch in einem Pionierstadium», erinnert er sich beim Gespräch in seinem Büro. Er legt heutige Standardzellen auf den Tisch. Sie haben eine Fläche von 15,6 mal 15,6 Zentimetern, sind fein strukturiert und können auch auf der Rückseite Sonnenlicht aufnehmen. «Wir haben an das Potenzial der Sonnenenergie geglaubt», sagt Nussbaumer, der 1996 an der Universität Konstanz in Physik promoviert hat. «Von vielen sind wir damals allerdings belächelt worden.»

Nussbaumer hat lange in der Privatwirtschaft gearbeitet. Er baute Produktionsstätten für Solarzellen auf und war Geschäftsleiter verschiedener Solarfirmen. Seit 2014 lehrt und forscht er an der School of Engineering.

Der 52-Jährige nutzt seine Kontakte aus der Praxis, um Forschungsprojekte aufzugleisen. Mit drei Partnern aus Deutschland und Österreich treibt er etwa das Projekt U-LIGHT voran, bei dem ultraleichte Solarmodule für neue Marktsegmente entwickelt werden. Die Innovation soll beispielsweise in den USA zum Einsatz kommen, wo Industriebauten oft keine grossen statischen Reserven mehr haben. Durch das verringerte Gewicht lassen sich unter Umständen auch Kosten reduzieren, was Photovoltaik zusätzlich attraktiv macht.

Solarbetriebenes Stand Up Paddle Board

Nussbaumers Interesse an Design kommt in einem anderen Projekt zum Tragen. Mit einer Schweizer Firma hat er ein Stand Up Paddle Board der Marke Indiana SUP entwickelt, das mit Solarstrom betrieben werden kann. «Wie bei einem E-Bike kann man sich unterstützen lassen, wenn man müde wird», sagt er sichtlich begeistert.

Nussbaumer hält Photovoltaik für äusserst zukunftsträchtig. Sie werde die günstigste Form der Stromerzeugung werden, sagt er. Um die Volatilität auszugleichen, werde das Zusammenspiel mit anderen Technologien entscheidend. «Wir müssen global denken.» Im Norden lasse sich im Winter viel Energie durch Wind gewinnen, der den fehlenden Sonnenstrom teilweise kompensieren könnte.

Austausch mit Industrie und Öffentlichkeit

Der Physiker bringt sein Wissen in vielen Kommissionen ein. Er ist unter anderem Mitglied im wissenschaftlichen Komitee der Europäischen Photovoltaik-Konferenz und in der Photovoltaic Specialists Conference des Institute of Electrical and Electronics Engineers IEEE. Daneben präsidiert er die technische Kommission des Schweizer Solarpreises und verantwortet das Energie- und Umweltforum der ZHAW. Nussbaumer achtet auch privat auf Energieeffizienz. Der kürzlich gekaufte Wäschetrockner zählt zur Kategorie A+++. Er setzt auf LED-Beleuchtung – und bezieht natürlich seinen Strom über die eigene Photovoltaikanlage.

Autor: Eveline Rutz

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