Mechatronik verbindet die ZHAW mit Ghana
Vier Wochen lang unterrichteten Michael Wüthrich und Camille Huber Masterstudierende an der Ashesi University in Ghana. Im praxisnahen Kurs entwickelten die Studierenden Roboter-Prototypen und zeichneten sich dabei durch Kreativität, Motivation und Lösungsorientierung aus.
Seit 2022 gibt es einen gemeinsamen Masterstudiengang der ETH Zürich und der Ashesi University aus der Nähe von Accra in Ghana im Bereich Mechatronik. Mit dabei war dieses Jahr zum dritten Mal auch Michael Wüthrich, Co-Leiter am Institut für Mechatronische Systeme IMS, er wurde von der ETH für das praxisbezogene Fach «Applied Systems Engineering» ins Programm geholt. Zusammen mit Camille Huber, Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Schwerpunkt Regelungstechnik am IMS, unterrichtete er die Masterstudierenden aus Ghana im Juni für vier Wochen, davon zwei vor Ort.
Das gemeinsame Masterprogramm hat zum Ziel, Studierenden aus ganz Zentralafrika eine herausragende Ausbildung zu ermöglichen. Parallel dazu werden lokale Professor:innen involviert, um sie zu befähigen, den Studiengang mittelfristig selbst zu unterrichten. Der Studiengang wird in Blockkursen angeboten, die von Dozierenden beider Universitäten gemeinsam entwickelt und unterrichtet werden. Fünf Jahrgänge lang werden die Studierenden von Schweizer Dozierenden unterrichtet, dann soll das Programm übergeben werden. Inzwischen steht der dritte Jahrgang vor dem Abschluss. Viele Studierende erhalten für die Teilnahme am Programm ein Stipendium von einem Schweizer Industriepartner, welches in der Region tätig ist. Dafür verpflichten sich die Studierenden, das erste Jahr nach dem Master-Abschluss für die unterstützende Firma zu arbeiten.
Michael Wüthrich und Camille Huber sprechen über ihre Erlebnisse an der Ashesi University.
Wie ist die Ashesi University?
Das ist eine private Universität etwa 1.5 Stunden mit dem Auto von der ghanaischen Hauptstadt Accra weg im Dorf Berekuso. Weil es privat ist, ist die Ashesi University eher teuer für Studierende, deshalb haben viele ein Stipendium. Der Campus ist wie eine kleine Stadt und wunderschön. Die Universität investiert viel in den Ausbau, sie bauen zum Beispiel gerade ein neues Gebäude für den Bereich Engineering. Nebst den Unterrichtsgebäude hat es auf dem Campus viele Wohnhäuser für Studierende, ein Fitnesscenter, ein Medical-Center, Sporteinrichtungen und Unterkünfte für Gastdozierende wie uns. Ausserdem begegnet man auf dem Campus auch mal Tieren wie Tausendfüsslern, einem Gecko, einem Frosch oder auch einem Skorpion.
Wie läuft das Fach ab, das ihr unterrichtet?
In unserem Kurs können sie erstmals physisch ein Projekt bauen, vorher war der Unterricht eher theoretisch. Die Studierenden beschäftigen sich mit Prototyping, Konstruktion, 3D-Druck und Robotik. Sie bauen, testen, verbessern und lösen zum Schluss eine Aufgabe und halten eine Präsentation. Dazwischen darf natürlich auch der lockere Teil nicht fehlen, bei Quizzen mit Schweizer Schokolade als Preis sind immer alle voll motiviert dabei.
In Workshops lernten sie unsere Elektronik und Softwaretools kennen, danach bekamen sie einen Auftrag. Es ist ähnlich wie bei uns im Projektmodul am Studiengang Systemtechnik, aber schwieriger und weniger Zeit, da es ja auch Master-Studierende sind. Dieses Jahr ging es darum, zerbrechliche Pakete mit einem Roboter von A nach B über einen holprigen Weg zu befördern. Mit einem ersten Design von uns wurde die Aufgabe vorgestellt und wir stellten das Material zur Verfügung, danach war hauptsächlich Coaching unsere Rolle. Die Gruppen starteten mit dem Programmieren und Konstruieren und erarbeiteten sich sehr schnell Prototypen, testeten diese und entwickelten diese iterativ weiter.
Was zeichnet die Studierenden der Ashesi University aus?
Die Studierenden sind wirklich extrem motiviert, begeisterungsfähig, ambitioniert und offen für Neues. Sie sehen das Studium als Chance, zudem ist es bezahlt und sie haben danach einen Job bei einem Unternehmen aus der Schweiz. Jemand aus dem ersten Jahrgang doktoriert beispielsweise nun auch an der ETH. Das hohe Niveau zeigt sich auch darin, dass viele bis zu unserem Kurs wenig Erfahrung mit Prototyping hatten, sie aber nach unseren Inputs schnell Lösungen entwerfen konnten. Was besonders heraussticht, ist dass sie extrem lösungsorientiert sind. Wenn sie ein Teil nicht haben, wissen sie sich zu helfen. Sie gehen in die Werkstatt und basteln es sich aus dem, was sie haben. Es muss nicht die perfekte Lösung sein sondern schnell funktionieren, um vorwärts machen zu können. Was man auch merkt sind die sehr starken moralischen Richtlinien, die von der Ashesi University vorgegeben und aber auch von den Studierenden gelebt werden.