Mit der Sprachlern-App zur einfacheren Integration

Die ZHAW School of Engineering entwickelt eine Sprachlern-App für Flüchtlinge in der Schweiz. Die App setzt anstatt auf Übersetzungen auf Bilder und ermöglicht Menschen unterschiedlichster Herkunft eine gemeinsame Lerngrundlage.

Bereits erfolgreich getestet: Immigrierte mit ganz unterschiedlichen Sprach- und Bildungshintergründen konnten mit der FRIMI-App effizient lernen.
Bereits erfolgreich getestet: Immigrierte mit ganz unterschiedlichen Sprach- und Bildungshintergründen konnten mit der FRIMI-App effizient lernen. (Bildquelle: St. Galler Kantonalbank)
Im Autorensystem werden die Lerninhalte zu verschiedenen, nach Themen organisierten Lerneinheiten erfasst.
Im Autorensystem werden die Lerninhalte zu verschiedenen, nach Themen organisierten Lerneinheiten erfasst.
Die Personen hinter der App: ZHAW-Masterstudent Matthias Käser (links), Projekt-Initiantin Margrit Brunnschweiler-Koch sowie ZHAW-Projektleiter Prof. Dr. Hans-Peter Hutter (rechts).
Die Personen hinter der App: ZHAW-Masterstudent Matthias Käser (links), Projekt-Initiantin Margrit Brunnschweiler-Koch sowie ZHAW-Projektleiter Prof. Dr. Hans-Peter Hutter (rechts). (Bildquelle: St. Galler Kantonalbank)

Der Weg zur gesellschaftlichen Integration führt über die Sprache. Nur wer sich in der Sprache eines Landes verständigen kann, hat Zugang zum alltäglichen Leben. Vor allem für Immigrierte ist dies wichtig. In ihren Unterkünften in der Schweiz ist die deutsche Sprache oftmals die einzige Verbindung, die sie untereinander oder zu Einheimischen haben. In diesem Zusammenhang wird am ZHAW-Institut für angewandte Informationstechnologie (InIT) die Sprachlern-App FRIMI entwickelt. Die App entsteht in Zusammenarbeit mit der Projekt-Initiantin Margrit Brunnschweiler-Koch und wird durch eine Projektförderung der St. Galler Kantonalbank anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens unterstützt. «FRIMI steht für FRom IMmigration to Integration», erklärt Prof. Dr. Hans-Peter Hutter, der das Projekt am InIT leitet. «Die App soll es den Immigrierten in der Deutschschweiz einfach und jederzeit ermöglichen, den Grundwortschatz auf Deutsch zu üben.» Dennoch ist die App nicht als Ersatz für den Deutschunterricht gedacht, sondern als sinnvolle Ergänzung zu diesem.

Mit Bildern zum Lernerfolg

Am InIT ist Masterstudent Matthias Käser verantwortlich für die Entwicklung der App. Einen ersten Prototyp hatte er bereits in einer Projektarbeit entwickelt. Seine Masterarbeit umfasst nun neben dem Lernkonzept die technische Umsetzung der App. «Wichtig ist dabei vor allem die Benutzerfreundlichkeit für Lernende mit unterschiedlichen Sprach- und Bildungshintergründen», so Matthias Käser. Diese hat der Masterstudent direkt mit Immigrierten getestet: «Dabei stellte sich heraus, dass alle Beteiligten mit der FRIMI-App effizient lernen können, egal welchen Bildungs- und Sprachhintergrund sie besitzen.» Aufgebaut ist die App nach dem Prinzip einer Lernkartei. Der Clou: Die App kommt ohne Übersetzungen aus, da sie ausschliesslich mit Bildern und Erklärungen in der Zielsprache Deutsch arbeitet. Somit kann die App vielen Menschen mit ganz unterschiedlichen Muttersprachen beim Deutschlernen helfen. Das FRIMI-Lernsystem umfasst neben der App für die Lernenden auch ein Autorensystem, in dem Lehrpersonen die Lerninhalte für die Lern-App einfach und flexibel erfassen können.

Die App steht – jetzt kommen die Inhalte

Mit dem Abschluss der Masterarbeit im Januar 2018 wird die technische Implementierung des FRIMI-Lernsystems abgeschlossen sein. Das Autorensystem wird bereits seit einigen Monaten von Margrit Brunnschwiler-Koch und freiwilligen Deutschlehrerinnen und -lehrern verwendet, um die Lerninhalte der verschiedenen, nach Themen organisierten Lerneinheiten zu erfassen. Dabei stellen sie für die verschiedenen Themenfelder die dazugehörigen Wörter und Bilder, Synonyme und Antonyme, Sätze und Dialoge zusammen, aus denen dann die Übungen für die Lerneinheiten erzeugt werden. Die Lernenden können dann in der App die gewünschte Lerneinheit auswählen, die sie gerade erlernen und üben wollen. Diese dauern je nach Vorwissen 40 bis 50 Minuten und können jederzeit unterbrochen und an gleicher Stelle wieder fortgesetzt werden. «Ausserdem gibt uns die App die Möglichkeit, Daten über das Lernverhalten und die Fortschritte der Lernenden zu sammeln und zu analysieren», sagt Matthias Käser. So kann das Lernpensum an die Lernenden angepasst werden. Das Go-Life der App mit sämtlichen Inhalten ist für den Spätfrühling 2018 geplant.