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Architektur und Stadt im Spiegel der Karikatur

Architektur und Stadt waren schon immer beliebte Zielscheiben der Karikatur. In unserer Ausstellung wird gezeigt, wie und wieso dies der Fall ist und war und was wir von Karikaturen lernen können.

Was gibt es zu lachen?

Architektur ist eine ernste Angelegenheit. Manchmal etwas allzu ernst. Vor allem schaffen es die Architektur und der Architekt/die Architektin oftmals nicht, ihre Ansprüche, Absichten und Ideen zu vermitteln. So besteht zwischen ArchitektInnen und der Gesellschaft, für die sie bauen, eine undurchlässige Wand von Missverständnissen. Diese kommen – im besten Fall – in Form von Karikaturen zum Ausdruck. Die Geschichte zeigt, dass, je radikaler die Architektur und ihr Bruch mit der Tradition ist, desto eher diese Radikalität in Karikaturen aufgenommen und überhöht wird (Karikatur kommt von „caricare“ = überladen).
An Architektur und Städtebau lassen sich aber auch – und das zeigt ihre Relevanz – soziale Spannungen ablesen, die sich ebenfalls sehr gut über Karikaturen zum Ausdruck bringen lassen. So hatten Karikaturen Hochkonjunktur im Paris der Transformationen durch Haussmann Mitte/Ende 19. Jahr­hundert, welche die Stadt so stark verändert haben. Einer der grossartigsten Karikaturisten überhaupt, Honoré Daumier, stammt aus dieser Zeit. Aber auch die Moderne bietet sowohl wegen ihrer Ornamentlosigkeit, als auch wegen der radikalen Haltung ihrer Vertreterinnen und Vertreter eine ideale Ausgangslage für eine Überhöhung in Form von Karikaturen, von denen es unzählige gibt.

Architekten und Architektinnen wie Saul Steinberg, – der die Karikatur sogar zum Beruf gemacht hat – „Ironimus“ (Gustav Peichl), Claude Parent, Léon Krier oder jüngst Federico Babina und Luis Miguel Lus Arana (Klaus Toon) greifen immer wieder selber zum Mittel der Karikatur als Kommentar zur Gegenwart. Es handelt sich bei den genannten um grossartige Beispiele sowohl in Bezug auf die oben angesprochene Wand wie auf die soziale Relevanz.
Karikaturen sind meistens an ein bestimmtes Medium gebunden, an Tageszeitungen oder satirische Blätter wie Le Charivari oder Punch. Sie haben in der Regel eine kurze Halbwertzeit, weil an Aktualität gebunden, nichts desto trotz sind sie ein äusserst wertvolles historisches Zeugnis. Noch heute finden sich zahlreiche Karikaturen in den Tageszeitungen, wenn auch der Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris am 7.1.2015 diese Form der Kommentierung stark in Frage gestellt hat und sogar 2019 zum Verzicht auf politische Karikaturen von Seiten der New York Times geführt hat. Karikaturen finden sich aber auch in anderen Medien wie Texten, Musik oder Film.

Karikaturen verstecken in ihrer scheinbaren Naivität oft eine gewisse Boshaftigkeit, auch sind sie immer ideologisch gefärbt: Man kritisiert sowohl das, was man nicht versteht, wie auch das, was man ablehnt. Karikaturen bieten damit einen besonders wertvollen Zugang zu Architektur, Stadt und zu den Problemen, die durch räumliche Verwirklichung entstehen. Anhand von Karikaturen lässt sich aber auch einfach eine spannende – und lustige – Geschichte der Architektur und der Stadt erzählen!

Nur nebenbei sei angemerkt, dass es fürs Denken gar keinen besseren Start gibt als das Lachen. Und insbesondere bietet die Erschütterung des Zwerchfells dem Gedanken gewöhnlich bessere Chancen dar als die der Seele.

Walter Benjamin, 1934

Mit dieser Ausstellung wollen wir die reiche Geschichte von Architektur und Stadt im Spiegel der Karikatur würdigen, gleichzeitig wollen wir das Potenzial für dieses Medium in der heutigen Zeit besprechen, denn gerade in Zeiten der Krisen brauchen wir mehr denn je Erheiterung. Umso besser, wenn dies mit einem Instrument geschieht, das zum Denken anregt und Sachverhalte anders – und vielleicht ja sogar besser – vermittelt.

Die Ausstellung zeigt verschiedene Originale in Form von Zeitschriften und Büchern sowie Kopien. Sie erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit, das Ziel ist es, eine möglichst grosse Bandbreite von Medien, Themen, Darstellungsarten und ZeichnerInnen zu vereinen. Die Exponate sind chronologisch angeordnet. Ein grosser Dank geht an die Bibliotheken, die uns Zugang zu ihren Medien ermöglicht haben: Baubibliothek (ETH), HDB-Bibliothek (ETH), Zentralbibliothek Zürich, EPFL-Bibliothek, Medien- und Informationszentrum MIZ (ZHdK), Bibliothek Muttenz (FHNW) und Hepia-Bibliothek.

Ausstellungseröffnung

21. September 2020, 18.00 Uhr mit Stefanie Diekmann (Videoübetragung) und Ruedi Widmer, Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen, Blauer Saal, Tössfeldstrasse 11, 8400 Winterthur

Organisation und Kontakt

Andri Gerber

Datum

Von: 21. September 2020
Bis: 26. Februar 2021

Ort

ZHAW, Gebäude MA, Halle 180, Winterthur
Tössfeldstrasse 11
8401 Winterthur

Veranstalter

ZHAW Institut Urban Landscape IUL
Tössfeldstrasse 11
8401 Winterthur