Die lichte Stadt – Chancen des Kleinerwerdens

Im Rahmen eines Master-Studios beschäftigten sich Studierende unter der Leitung von Ingrid Burgdorf, Alberto Dell’Antonio und Axel Fickert während eines Semesters mit der oberfränkischen Stadt Wunsiedel im Fichtelgebirge in Bayern. Die Projekte wurden anschliessend in Wunsiedel in einer Ausstellung einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Zur Ausstellung ist eine Broschüre mit dem Titel «Wunsiedel neu denken» erschienen, in der die einzelnen Projekte näher vorstellt werden.

Die lichte Stadt – Chancen des Kleinerwerdens
Die lichte Stadt – Chancen des Kleinerwerdens

Wunsiedel ist überall

Es gibt Orte, da wollen alle hin und es gibt Orte, da wollen alle weg. Mit einem Ort der letzteren Art haben wir uns beschäftigt nicht weil wir Weltverbesserer sind, sondern weil wir glauben, dass gerade ein solch misslicher Zustand ungeahnte Chancen in sich birgt. Es handelt sich um eine Kleinstadt in der Mitte Europas, die alle Merkmale jenes regionalen Niederganges in sich trägt, der inzwischen an vielen Orten unseres Kontinents anzutreffen ist – nämlich: Zusammenbruch von Industrie und Gewerbe, Bevölkerungsschwund, Leerstand von Ladenlokalen und Wohnungen, Verarmung städtischen Lebens, Vermehrung von Industriebrachen und Niemandsland. Tendenziell schrumpft dadurch das bebaute Gebiet zugunsten einer Zunahme der umgebenden Landschaft. So kehren sich Schwerpunkt und Blickwinkel des Interesses um: Die Frage ist nicht mehr, wie man das Siedlungsgebiet am besten verdichtet oder erweitert, sondern wie man attraktive Landschaften und Aussenräume unter der Bedingung äusserst beschränkter Mittel gestaltet.

«Ich bin gerne in dir geboren, du kleine, aber gute, lichte Stadt» (Jean Paul Richter geb.1763 in Wundsiedel)

Es sei ein Blick von aussen erlaubt auf diese stolze Stadt. Die Architekturstudierenden der ZHAW in Winterthur haben dies wörtlich genommen, weil sie die Stadt Wunsiedel während ihres Aufenthaltes lieben und schätzen gelernt haben – gerade weil hier die Uhren etwas anders gehen und die klassizistische Aura des Städtchens zum Sinnieren einlädt. Und weil es hier etwas gibt, was mit der ausufernden Entwicklung der Agglomerationen überall selten geworden ist: die Einbettung des Stadtbildes in eine unvergleichlich schöne Landschaft. Deshalb warfen die Studierenden zunächst diesen wörtlich gemeinten Blick von aussen auf die Stadt, der eigentlich in doppeltem Sinn gemeint ist: einerseits als Blick aus der Fremde, andererseits im Sinne einer «umgekehrten» Betrachtung, nämlich als Blick auf die Stadt aus der Perspektive der umgebenden Landschaft ...

Axel Fickert

Aufgabestellung
Die lichte Stadt

Auszug aus der Broschüre
Wunsiedel neu denken

Dozierende
Ingrid Burgdorf, Alberto Dell’Antonio, Axel Fickert

Studierende
Oana Albutiu, Lars Brekelmans, Moritz Brumm, Julian Bruns, Aleksander Cifer, Mélanie Durot, Jil Ehrat, Jillin Ettlin, Michael Grössl, Nathalie Haspel, Marcos Jubierre, Stephanie Riedo, Michael Theurillat