Thesisarbeit Stefan Noser 2015

Stefan Noser setzt sich in seiner Thesisarbeit mit den Möglichkeiten der Nutzung der grösstenteils leer stehenden Hängetürme der Textilindustrie im Kanton Glarus auseinander. Aufgrund einer präzisen typologischen Untersuchung auf verschiedensten inhaltlichen und massstäblichen Ebenen – Standort, Nutzung, Konstruktion, Proportionierung, Zustand – der insgesamt neunzehn Hängetürme leitet er ein stringentes, in Etappen realisierbares Nutzungskonzept ab. Das Potenzial des vordergründig etwas modisch wirkenden Szenarios „Hängetürme als Orte der Kultur“ wird dabei glaubwürdig verankert und auch dessen politische Umsetzung über eine institutionell und auch privat abgestützte Trägerschaft dargelegt.

Die aus diesem übergeordneten Konzept hervorgehende Umnutzung des Turms in Mitlödi zu temporären Unterkünften und Ateliers für Künstler wird exemplarisch nachgewiesen. Dabei gelingt es Stefan Noser ein architektonisches Konzept zu entwickeln, das die spezifischen Eigenheiten des Hängeturms mit den funktionalen Anforderungen von Wohnen und Arbeiten auf verblüffende Art zu einem konsistenten architektonischen Projekt verbindet. Mit wenigen Massnahmen werden die atmosphärisch prägenden Elemente gestärkt: Die gewählte Nutzungsverteilung des Wohnens im massiven dreigeschossigen Sockel und des Arbeitens im luftigen Gebälk des zur Trocknung der Tücher genutzten Dachstuhls und dessen Teilung in der Länge erweisen sich als geschickte Massnahmen, um die imposante Dimension der Konstruktion erlebbar zu machen. Ein leichtes Abknicken der mittig verlaufenden Längswand in der Vertikalen erlaubt die Einführung von gefiltertem, zenitalen Licht. Die Wand selber wird nicht einfach als trennendes Element sondern als Verdichtung des Stabwerks des Gebälks verstanden. Die gewählte Tragstruktur, elaborierte konstruktive Verbindungen sowie die Massnahmen zum Brandschutz werden auf hohem Niveau auf selbstverständliche Art und Weise ins Projekt integriert. Fast poetisch wirken die filigranen, dem Dachstuhl angehängten Balkone, deren textiler Sonnenschutz auf die ehemals hier hängenden Stoffbahnen verweist.

Die Thesisarbeit von Stefan Noser ist ein exemplarisches Beispiel für die gelungene Umsetzung der Methode des synchronen Entwerfens: In einer beeindruckenden Breite und Tiefe setzte sich der Diplomand zu jedem Zeitpunkt der Untersuchung mit den verschiedensten funktionalen, konstruktiven und atmosphärischen Aspekten der Fragestellung auseinander und vereinte diese zum Schluss in einem auf allen Ebenen überzeugenden Projekt. Dieses und das übergeordnete Nutzungskonzept sind eine durchaus relevante Option für die Zukunft der Hängetürme im Kanton Glarus und es ist zu wünschen, dass die Arbeit Anstoss für eine entsprechende Umsetzung sein kann.

Würdigung der Thesisarbeit durch die SIA Fachgruppe für die Erhaltung von Bauwerken. > Jurybericht

Thesis-Broschüre

Auszeichnung

Jurybericht. Vorwort des Präsidenten der SIA Fachgruppe für die Erhaltung von Bauwerken FEB Urs Marti. Im März 2005 jurierte ein Ausschuss des Vorstandes der FEB zum ersten Mal die eingegangenen Arbeiten von Studierenden zur „Auszeichnung FEB“. Die FEB zeichnet damit seit über 10 Jahren Abschlussarbeiten aus, die Themen im Umgang mit bestehenden Bauwerken sowie deren Erhaltung vorbildlich behandeln.
Wir durften uns dieses Jahr an 34 Beiträgen unseres beruflichen Nachwuchses erfreuen, wobei 24 Beiträge dem Fachbereich Architektur und deren 10 dem Fachbereich Bauingenieurwesen zugeordnet werden können. Hinter allen Beiträgen steht ein grosses persönliches Engagement der Teilnehmenden, dass wir herzlich verdanken.
Unser Dank geht aber auch an die Dozenten und Betreuer der verschiedenen Schulen für die getroffene Auswahl an Themen und die Betreuung der Studierenden.
Jurymitglieder: Randi Sigg-Gilstand, Urs Rinklef, Norbert Föhn, Peter Baumberger und Rolf Mielebacher

Dozierende

Koreferent