Thesisarbeit Severin Zellweger 2015

Die in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der sechziger und Siebzigerjahre entstandenen Wohnhochhäuser der Schweiz sind in die Jahre gekommen. Sie genügen den gestiegenen bauphysikalischen Anforderungen nicht mehr und erfüllen die Bedürfnisse der heutigen Zeit an Komfort und Raum kaum. Severin Zellweger sieht in der vorhandenen Bausubstanz ein grosses Potenzial für zeitgemässes Wohnen und macht sich die Frage der möglichen Anpassung zum Untersuchungsschwerpunkt seiner Thesisarbeit.

Die drei Hochhäuser an der Bändlistrasse im Zürcher Grünauquartier entstanden Mitte der sechziger Jahre und bilden in ihrer gestaffelten Stellung ein markantes Ensemble. Sie haben eine für ihre Zeit charakteristische architektonische Erscheinung sowie eine einfache Grundrissstruktur. Alle Wände sind tragend ausgebildet. Der Diplomand sieht die zeitgenössischen Eigenschaften als Qualität und möchte diese auch nach einer Transformation in ihren Grundzügen erhalten. In einer Art Auslegeordnung listet er verschiedene Transformationsansätze in Plan, Bild und Modell auf, bewertet diese nach verschiedenen Kriterien und leitet daraus ein in allen Belangen überzeugendes Projekt ab.

Haupteingriff bildet eine Erweiterung an den beiden Stirnseiten der Wohnhäuser. Mit dieser werden die knappen Flächenverhältnisse der Wohnungsgrundrisse der sechziger Jahre verbessert und gleichzeitig ein zeitgemässes Wohngefühl mit grossem Balkon und Wohnküche ermöglicht. Überzeugend am Eingriff ist insbesondere auch der mitgedachte zeitliche Ablauf: Die Erweiterung mit vorfabrizierten Beton-Sandwichelementen kann in kurzer Zeit und im bewohnten Zustand mit allen Installationen errichtet werden. In einer Art Rochade kann dann ein neues grosszügiges Bad an Stelle der ehemaligen Küche eingebaut, eine Erweiterung des Wohnraums anstelle des bestehenden kleinen Balkons bewerkstelligt und schliesslich die bauphysikalische Sanierung der Gebäudehülle mit einer zusätzlichen innen liegenden Wärmedämmung, einer neuen Isolierverglasung und neuem Sonnenschutz, vollzogen werden. Für diese Massnahmen rechnet Severin Zellweger mit einer Arbeitszeit von drei Wochen, in denen die Bewohner in eine leer stehende Wohnung im Haus umziehen müssen. Die hohe architektonische Qualität der Massnahmen zeigt sich auch an kleinen, sorgfältig erarbeiteten Details wie der Integration der Glasbausteinverglasung der ehemaligen Balkone im neuen Wohnraum, der Belichtung der Nasszellen über den Hochschränken der neuen Küchen aber auch das leichte Überkragen der neuen Balkone über die Baukörper, die den Gebäuden eine dynamisierte Erscheinung verleiht.

Überzeugend sind auch die zusätzlichen Eingriffe im Erdgeschoss, das neu anstelle von Kellerräumen einen Gemeinschaftsraum mit Waschküche, vermietbare Ateliers und Veloabstellräume aufnimmt, sowie in  der Gestaltung der Umgebung, in der die Parkierung der Privatfahrzeuge eine selbstverständliche Position einnimmt.

Die vorliegende Thesisarbeit ist somit nicht nur eine in allen Belangen gelungene Antwort auf die zugrunde liegende Fragestellung der Untersuchung, es ist auch zu hoffen, dass sie Grundlage für eine reale Erweiterung und Sanierung und somit eine echte Chance für die Zukunft der drei Häuser sein kann.

Würdigung der Thesisarbeit durch die SIA Fachgruppe für die Erhaltung von Bauwerken. > Jurybericht

Thesis-Broschüre

Anerkennung

Jurybericht. Vorwort des Präsidenten der SIA Fachgruppe für die Erhaltung von Bauwerken FEB Urs Marti. Im März 2005 jurierte ein Ausschuss des Vorstandes der FEB zum ersten Mal die eingegangenen Arbeiten von Studierenden zur „Auszeichnung FEB“. Die FEB zeichnet damit seit über 10 Jahren Abschlussarbeiten aus, die Themen im Umgang mit bestehenden Bauwerken sowie deren Erhaltung vorbildlich behandeln.
Wir durften uns dieses Jahr an 34 Beiträgen unseres beruflichen Nachwuchses erfreuen, wobei 24 Beiträge dem Fachbereich Architektur und deren 10 dem Fachbereich Bauingenieurwesen zugeordnet werden können. Hinter allen Beiträgen steht ein grosses persönliches Engagement der Teilnehmenden, dass wir herzlich verdanken.
Unser Dank geht aber auch an die Dozenten und Betreuer der verschiedenen Schulen für die getroffene Auswahl an Themen und die Betreuung der Studierenden.
Jurymitglieder: Randi Sigg-Gilstand, Urs Rinklef, Norbert Föhn, Peter Baumberger und Rolf Mielebacher

Dozierende

Koreferent