Thesisarbeit Michael Brotzer 2015

Der bisher stark labelgeprägte Nachhaltigkeitsbegriff gerät mehr und mehr ins Wanken: Aspekte wie Unterhalt und Dauerhaftigkeit prägen zunehmend die Debatte zum haushälterischen Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen. Michael Brotzer widmet seine Untersuchung einerseits dem Versuch, das Gebäude von seinem voll automatisierten Charakter als „Maschine“ zu befreien und den Bewohner wieder in die Verantwortung zu nehmen. Andererseits stellt diese einen sehr wertvollen Beitrag zur Wiedergewinnung einer generalistischen Position unseres Architektenberufes dar, der durch die Aufsplittung in Spezialdisziplinen und stets stärker diversifizierten Fachplanerzuständigkeiten während der letzten Jahrzehnte mehr und mehr unter Beschuss geraten ist.

In parallelen, weitgefächerten Spuren werden die möglichen Aktionsfelder im Bereich eines ressourcenschonenden Bauens aufgedeckt, in dem die Haustechnik wieder auf mechanisch bedienbare Technik und durch intelligente Bauweise gesteuerte, natürliche Dynamik setzt. Anhand eines exemplarischen Entwurfs an einem „durchschnittlichen“ Bauplatz in St. Gallen kann schlussendlich veranschaulicht werden, wie selbstverständlich sich zukunftsorientiertes und dauerhaftes Bauen auch - oder gerade - in einen historischen Kontext einfügen kann. 

In einer methodisch gesteuerten Wechselwirkung agiert der Kontext einerseits in Form seiner Blockrandgrundrisse als Motor für die neue Typologie; andererseits wirken die im Prozess eroberten haustechnischen Errungenschaften (Wärmefalle, Hypokauste, Kastenfenster, Pufferraum etc.) ihrerseits direkt auf den Grundriss ein. Und schliesslich gelingt Michael Brotzer – unter verdankenswerter Mitwirkung des Haustechnik- und Energie-Experten Richard Widmer – gar der Beweis, dass „alternative“ Haustechnik nicht teurer sein muss als aktuell gängige Modelle. 

Insgesamt legt die Arbeit in ihrer vielschichtigen Experimentierfreudigkeit neue Wege und Perspektiven in einem Forschungsfeld offen, das uns noch ausgiebig beschäftigen wird. Auch wenn die konkrete architektonische Ausformulierung da und dort im Ausdruck noch etwas verhalten bleibt, gelingt es dem Projekt in seinem Inneren doch auf überraschende Weise, für die untersuchte Problematik eine ebenso wohnliche wie eigenständige Atmosphäre zu schaffen, die Altbekanntes und Neues auf raffinierte Weise verschränkt. 

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