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Interview mit Franz Baumgartner
Auf der Suche nach der optimalen Solartechnologie
Franz Baumgartner, seit zwei Jahrzehnten sind Sie Spezialist für Photovoltaik. Warum beschäftigen Sie sich heute vor allem mit Messtechnik für Solaranlagen?
Die Technologie der Solarzellen ist auf einem hohen Stand. Heute geht es in erster Linie um die kostengünstige industrielle Fertigung von Solarmodulen. Und da spielt die Messtechnik eine bedeutende Rolle. Im Projekt «Solarstromdach», das die School of Engineering (SoE) gemeinsam mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich EKZ und der Firma OC Oerlikon Solar durchführt, geht es um die Untersuchung von fünf unterschiedlichen Solartechnologien. Wir haben auf dem Dach der EKZ in Dietikon Referenzanlagen mit jeweils 3 Kilowatt aufgebaut und analysieren dort im Detail jede Minute die elektrischen und meteorologischen Bedingungen. Das Verhältnis von Ertrag zur Nennleistung und Kosten der Solarmodule ist der wirtschaftlich entscheidende Faktor. Mit unserer komplexen Messtechnik können wir die wirtschaftlich relevanten Unterschiede erkennen und so die Modulhersteller bei der Entwicklung qualitativ hochstehender Produkte unterstützen. Die Messtechnik ist auch international ein sehr aktuelles Thema, denn wir wissen heute noch nicht, welche Technologie für welche spezifischen Bedingungen die optimale ist.
Sie haben das international erste mobile Messlabor für Solarmodule entwickelt. Warum eine mobile Einrichtung?
Mit dem Bus können wir die Messungen direkt am Ort des Solarkraftwerks durchführen, damit entfällt der teure und aufwändige Transport der Module in stationäre Labors. Wir können in kürzerer Zeit eine grössere Stichprobenzahl erzielen und dem Investor bessere Sicherheit geben, dass er die Nennleistung, die er bezahlt hat, auch wirklich bekommt. Der Solarbus ist eine Innovation im internationalen Massstab. Wir sind stolz, dass er 2009 an der europäischen Photovoltaik-Konferenz in Hamburg unter 1500 Beiträgen als Innovation herausgehoben wurde. Die EKZ ist die Eigentümerin des Busses und betreibt den Bus kommerziell. Wir unterstützen die Weiterentwicklung des Busses, nutzen ihn zu Forschungszwecken und auch in der Ingenieur-Ausbildung.
Welchen Stellenwert hat das Thema Photovoltaik und generell Erneuerbare Energien innerhalb der SoE?
Heutzutage ist es wichtig, dass die Studierenden der Ingenieurdisziplinen in ihrer Ausbildung Kenntnisse in wirtschaftlich relevanten Erneuerbaren Technologien erwerben. Ich freue mich, dass wir im Rahmen des Instituts für Energiesysteme und Fluid-Engineering unseren Studierenden dies näher bringen können und ich in meinem Bereich, der Photovoltaik, industrierelevante Fragestellungen und F&E-Projekte mit Partnern aus der Wirtschaft vorweisen kann. Die SoE positioniert sich vor allem in den Bereichen Messtechnik, Optimierung der Photovoltaikkraftwerke, intelligente Stromnetze und Energiespeicher. Wir pflegen langfristige strategische Partnerschaften mit Energieversorgern und liefern der Industrie, aber auch Planern den exzellent ausgebildeten Ingenieur-Nachwuchs.
Prof. Dr. Franz Baumgartner, promovierter Elektrotechniker und Physiker, ist Dozent für Erneuerbare Energien und Elektronik an der ZHAW School of Engineering. Er ist langjähriges Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der europäischen Solarenergiekonferenzen, des international wichtigsten jährlichen Treffpunkts für Photovoltaikforscher und der Photovoltaikindustrie, sowie weiterer Beiräte für die Förderung Erneuerbarer Energietechniken.



